VERBRAUCHERZENTRALE / Kritik an Ex-und-Hopp-Mentalität der Hersteller

Kainsmal für Energiefresser gefordert

  • 'Die Hersteller müssen die Qualität und Lebensdauer von Geräten erhöhen', fordert Edda Müller, die Vorsitzende des Verbraucherzentrale. FOTO: ERWIN WODICKA
Der Stand-by-Betrieb von Elektrogeräten in Deutschland kostet jedes Jahr rund vier Milliarden Euro. Die Vorsitzende der Verbraucherzentrale, Edda Müller, fordert die Industrie auf, dass besonders stromfressende Elektrogeräte deutlich als solche gekennzeichnet werden.Viele Computer, Fernseher, Hifi-Geräte und Telefone sind kostentreibende Stromfresser und sollten deshalb aus Sicht von Verbraucherschützern klar als solche ausgewiesen werden. Auf den ersten Blick müsse erkennbar sein, welches Produkt Energie verschwende, fordert die Vorstandsvorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Edda Müller, in Berlin. Die Gerätehersteller müssten endlich auch die Umwelteigenschaften ihrer Produkte als Wettbewerbsvorteil erkennen. Sie wies darauf hin, dass unter anderem durch Stand-by-Betrieb jedes Jahr in den deutschen Haushalten und Büros Leerlaufverluste von rund 4 Mrd. EUR auflaufen. Das entspreche einem Anteil von 4,4 Prozent am Gesamtstromverbrauch. Eine Familie könne bis zu 115 EUR pro Jahr sparen, wenn sie konsequent alle Stand-by-Betriebe abschalte.

Weiter verlangte Müller, die Ex-und-Hopp-Mentalität bei Computern, Fernsehern, Hifi-Geräten sowie Druckern, Scannern, Faxgeräten und Telefonen müsse ein Ende haben. 'Die Hersteller müssen die Qualität und Lebensdauer von Geräten erhöhen und sie so bauen, dass sie mit geringem Aufwand auf den Stand der Technik zu bringen sind', sagte Müller. Beim Einkauf sollten Verbraucher auf Label achten, etwa das Umweltzeichen 'Blauer Engel' oder das 'Energy-Star'-Gütesiegel.

Nach der Einschätzung von Andreas Troge, dem Chef des Umweltbundesamts, stehen für den Energieverbrauch in erster Linie die Hersteller in der Verantwortung. Troge regte an, die jeweils 25 sparsamsten Geräte einer Sparte als Maßstab zu nehmen und diesen innerhalb von drei oder vier Jahren zur einer verbindlichen Zielmarke für alle übrigen Produkte zu erklären. Auch Müller plädierte für diesen Ansatz.

Das Strompreisniveau in Deutschland gehört laut Verbraucherschützern zu den höchsten in Europa. Die Verbraucherzentralen gehen davon aus, dass Privathaushalte und Betriebe jährlich bis zu 13 Mrd. EUR zu viel für ihren Strom zahlen.
© Südwest Presse 18.06.2007 07:45
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