GELDPOLITIK / Europäische Zentralbank setzt Leitzins auf 4 Prozent herauf

Zügel weiter gestrafft

Trichet deutet erstmals ein Ende der Erhöhungswelle an
  • EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht wegen der zuletzt deutlich gestiegenen Rohölpreise weiterhin Inflationsrisiken in Euroland. FOTO: dpa
Die Europäische Zentralbank hat die Zinszügel weiter gestrafft. Die Währungshüter erhöhten den wichtigsten Leitzins zum achten Mal in Folge. Er liegt jetzt bei 4 Prozent. Zugleich deutete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erstmals eine Ende der Erhöhungswelle an.Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Mittwoch wie erwartet zum achten Mal seit Dezember 2005 die Geldpolitik verschärft. Der wichtigste Leitzins im Euroraum, zu dem sich die Banken bei der EZB mit Geld versorgen, steigt um 0,25 Punkte auf 4,0 Prozent. Damit ist das Geld in der Eurozone so teuer wie zuletzt vor sechs Jahren.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bezeichnete den Schritt nach der Sitzung des EZB-Rates im Blick auf weiter bestehende Inflationsrisiken als angebracht. Die Geldpolitik stütze mit diesem Zinsniveau das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Trichet deutete aber auch an, dass der Zinserhöhungszyklus allmählich zu Ende gehen könnte. Klare Hinweise auf einen möglichen weiteren Zinsschritt im September, der bislang bei vielen Beobachtern als sicher galt, gab er nicht.

Der EZB-Rat werde die Entwicklung aber weiter aufmerksam verfolgen. Von 'großer Wachsamkeit' wie in der Vergangenheit sprach Trichet aber nicht. Der EZB-Präsident gab statt dessen fast mehr als ein Zwischenfazit der acht Zinserhöhungsschritte seit Ende 2005 und deutete damit eine allmähliche Beruhigung der Geldpolitik an. 'Was wir seit Dezember 2005 beschlossen haben, hat sich wunschgemäß ausgewirkt. Die EZB hat sich als für die Wirtschaft nützlich erwiesen.'

Nach Ansicht von Trichet bleiben die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Verbraucher nach dem jüngsten Zinsschritt günstig. Die Aussichten für weiter anhaltendes Wachstum im Euroraum seien gut. In ihren neuen Projektionen erwartet die EZB für 2007 im Schnitt ein Wachstum von 2,6 Prozent, für 2008 von 2,3 Prozent. Damit ist sie optimistischer als vor drei Monaten: Im März waren die Notenbanker von Plusraten von 2,5 und 2,4 Prozent ausgegangen. Die Konjunktur werde auch durch steigende Einkommen und die bessere Lage am Arbeitsmarkt gestützt.

Nicht nur für die Konjunktur, auch für die Inflation sieht der EZB-Präsident die größten Risiken weiter im Ölpreis und in zu hohen Lohnabschlüssen. Für 2007 und für 2008 erwartet die EZB eine Inflationsrate von durchschnittlich jeweils 2,0 Prozent. Bislang hatte sie mit 1,8 und 2,0 Prozent gerechnet.
© Südwest Presse 08.06.2007 07:45
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