KONJUNKTUR / Wirtschaftsforscher sehen steigende Löhne und Gehälter

Deutlich mehr im Geldbeutel

Privatkonsum wird zu einer wichtigen Stütze des Aufschwungs
  • Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (rechts) präsentiert das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute. Im Hintergrund Gebhard Flaig von Ifo-Institut (links) und Roland Doehrn vom RWI. FOTO: AP
Der robuste Wirtschaftsaufschwung kommt immer mehr auch bei den Arbeitnehmern an: Ihre Löhne dürften in diesem Jahr um 2 Prozent steigen, 2008 noch wesentlich stärker. Dadurch nimmt auch der private Konsum deutlich zu, erwarten die Wirtschaftsforscher.Die Wirtschaft brummt nicht nur 2007, sondern auch 2008: In beiden Jahren wächst das Bruttoinlandsprodukt um 2,4 Prozent, so die Prognose der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten. Noch im vergangenen Herbst hatten sie für dieses Jahr nur mit 1,4 Prozent gerechnet und damit die Erholung unterschätzt. Unter anderem stiegen die Preise für Energie und Rohöl nicht so stark wie befürchtet.

Die Forscher lobten die moderate Lohnpolitik als eine Stütze der Konjunktur. Sowohl die Tarif- als auch die Effektivlöhne dürften in diesem Jahr um rund 2 Prozent steigen. Das wäre zwar der stärkste Anstieg seit 2001. Im vergangenen Jahr nahmen die Tariflöhne nur um 1,1 Prozent zu; effektiv verdienten die Arbeitnehmer nur 0,7 Prozent mehr. Dennoch dürfte die Tarifpolitik den beschäftigungsneutralen Verteilungsspielraum nicht ganz ausschöpfen, den die Forscher derzeit zwischen 2,5 und 3 Prozent sehen. 'Angesichts der immer noch hohen Arbeitslosigkeit ist dies gesamtwirtschaftlich geboten', kommentierte Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Er empfahl den Tarifparteien Einmalzahlungen, um der guten Konjunktur Rechnung zu tragen.

Im nächsten Jahr können die Arbeitnehmer auf höhere Zuschläge hoffen: Die Institute gehen von einer Steigerung der Tariflöhne um 2,8 Prozent aus. Allerdings sehen sie hier auch eine Gefahr für den Aufschwung: Fällt der Lohnanstieg noch deutlich höher aus, würde die deutsche Wirtschaft international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, warnten sie. Zudem droht dann eine höhere Inflation, die Folge wären steigende Zentralbankzinsen.

Für kräftige Wachstumsimpulse sorgt zwar unverändert der Export, der in beiden Jahren um knapp 9 Prozent zunehmen soll. Doch noch deutlich mehr steuert die Inlandsnachfrage bei. So nehmen die Ausgaben der privaten Haushalte in diesem Jahr um 2,5 Prozent und im nächsten um 3,8 Prozent zu. Grund: Die verfügbaren Einkommen wachsen, insbesondere weil die Beschäftigung zunimmt. Darüber hinaus sorgt die Senkung der Sozialbeiträge für mehr Geld in den Taschen.

Die Inflation bleibt gemäßigt: Für 2007 und 2008 rechnen die Institute mit einer Preissteigerung von jeweils 1,8 Prozent nach 1,7 Prozent im vergangenen Jahr. Die Europäische Zentralbank dürfte die Leitzinsen im Sommer leicht erhöhen.

INFO

Das Frühjahrsgutachten erstellten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung Essen. Das Gutachten im Internet: www.diw.de

© Südwest Presse 20.04.2007 07:45
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