MADAGASKAR / Ulrich Link hat die staatliche Fluggesellschaft der Insel wieder erfolgreich gemacht

Der fliegende Entwicklungshelfer aus Mainz

  • Ulrich Link (Mitte), der deutsche Generaldirektor von Air Madagascar, mit zwei Mitarbeitern seines Teams. FOTO: dpa
Sie war nach einer politischen Krise vor fünf Jahren wie am Boden zerschellt, die staatliche Fluggesellschaft Madagaskars. Auf die Beine gebracht hat sie ein Deutscher: Ulrich Link aus Mainz. Er ist der Generaldirektor der Air Madagascar, die wieder sehr erfolgreich ist.Auf der viertgrößten Insel der Welt hat sich die einst flügellahme Air Madagascar dank deutscher Hilfe zu neuen Höhenflügen aufgeschwungen. Nach einer schweren politischen Krise mit einem rund halbjährigen Generalstreik im Jahre 2002 hätte niemand mehr nur einen einzigen Euro für diese 1962 gegründete Linie gegeben, die mit einem Schuldenberg von 40 Mio. US-Dollar eine finanzielle Bruchlandung hinter sich hatte. Doch die Lufthansa Consulting (Köln) durchleuchtete das Unternehmen 2002 und arbeitete einen Restrukturierungsplan aus, der nicht nur dem deutschfreundlichen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana gefiel.

Die Gläubiger verzichteten auf einen Großteil der Schulden. 10 Mio. Dollar zahlte die nationale Fluglinie aus den Gewinnen in drei Jahresraten ab. Inzwischen ist der Vertrag mit dem deutschen Beratungsunternehmen zum zweiten Mal verlängert worden. Ulrich Link ist schon der dritte deutsche Generaldirektor bei der staatlichen Air Madagascar. Es ist seine Aufgabe, für eine Konsolidierung zu sorgen, die zukunftsgerichtete Flottenpolitik den Gegebenheiten anzupassen und eine schlagkräftige Vertriebseinheit aufzustellen, um das nun kerngesunde Unternehmen 'Air Madagascar' noch besser auf dem internationalen Markt verkaufen zu können.

Link sagt: 'Wenn unsere Aufgabe beendet ist, dann wollen wir dem Land eine Fluglinie zurückgeben, auf die die Menschen stolz sein können. Die Mitarbeiter können dann auch ohne uns auf einem soliden Grundstock aufbauen und vernünftig arbeiten.' Der in Fulda geborene Wahlmainzer drückt Begeisterung darüber aus, in seinem Job tagtäglich etwas gestalten zu können.

Air Madagascar hat die Passagierzahlen von 266 000 im Jahre 2002 auf 606 000 im vergangenen Jahr und das Frachtaufkommen von 3374 auf 4323 Tonnen steigern können. Zwölf Flugzeuge stehen derzeit für die wöchentlich 18 Langstreckenflüge (nach Paris, Mailand, Bangkok und nun auch noch Marseille), die 52 regionalen (La Reunion, Mauritius, Komoren, Südafrika, Kenia und Mayotte) und die 435 Inlandsflüge zur Verfügung.

Wenn Ulrich Link an die ersten Arbeitstage als fliegender Entwicklungshelfer in exotischer Umgebung denkt, gerät er noch nachträglich ins Schwitzen. Ein Flugzeug hatte einen Motorschaden, was in der nun 45-jährigen Geschichte des Unternehmens noch nie vorgekommen sei. Kurz darauf musste das angespannte Verhältnis mit den streikbereiten Piloten bereinigt werden. 'Das war meine Feuertaufe. Von der ersten Minute an musste ich operationsbereit sein', sagt der Deutsche. Fünf Direktoren und rund 1450 Beschäftigte bilden mit dem sprachbegabten 49-Jährigen das Team bei Air Madagascar.

Der Diplom-Ingenieur für Chemische Technik und Diplom-Kaufmann, der gegen Ende seines Studiums in Aachen eine Französin heiratete, kann sich auf neue Kulturkreise und unterschiedliche Mentalitäten schnell einstellen. In Madagaskar lasse es sich sehr gut leben, exotische Speisen und Getränke seien ausgezeichnet. Doch die aus Deutschland bekannte Vielfalt an Wurst- und Brotsorten fehlt ihm.

'Wenn ich aus dem Urlaub in Deutschland mit 50 Bratwürstchen im Koffer nach Madagaskar zurückkomme, löst das bei Grill-Abenden mit einheimischen Freunden wahre Begeisterungsstürme aus.'
© Südwest Presse 11.04.2007 07:45
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