DR. SCHELLER

KOMMENTAR: Ohne klare Linie

Die Beschäftigten der Dr. Scheller Cosmetics AG können einem leidtun. Es ist noch gar nicht lange her, da arbeiteten sie für einen wachstumsstarken, schwäbischen Mittelständler. Eine misslungene Expansion in Osteuropa und ein Krach der Familiengesellschafter machte aus dem Hersteller von Kosmetik, Körperpflegeartikeln und Mundhygiene die Tochter eines russischen Konzerns.

Mit Kalina sollte alles besser werden, versprach damals Vorstandschef Reinhold Schlensok, der das Geschäft mit eingefädelt hatte. Doch bisher ist von den erhofften Synergien nicht zu sehen. Im Gegenteil. Denn ausgerechnet das Russland-Geschäft entwickelte sich im vergangenen Jahr zum Bremsklotz. Eine klare Linie in der Geschäftspolitik ist nicht erkennbar. Dazu kommt, dass die ersten Stellen bereits hinter den Ural verlagert worden - entgegen früherer Versprechen. Und je mehr die Russen den Schwaben im Tagesgeschäft Vorgaben machen, desto mehr wächst die Angst der Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Denn das Interesse von Kalina am Standort Eislingen scheint nicht sehr ausgeprägt.

Seit dem Einstieg der Russen fließen auch die Informationen immer spärlicher. Das wird sich verstärken, wenn Dr. Scheller nicht mehr an der Börse notiert ist. Doch um die Unsicherheit in Eislingen zu beenden, sollte Vorstandschef Schlensok den Mitarbeitern endlich klipp und klar sagen, was die Zukunft bringt.

© Südwest Presse 31.03.2007 07:45
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