KOMMENTAR: Schreckensbilanz

Die Zahlenwerk des Luft- und Raumfahrtspezialisten EADS hat es in sich. Eigentlich strotzt der deutsch-französisch dominierte Konzern vor Kraft, wenn da nicht die Airbus-Tochter wäre. Die hat zwar tolle Produkte, einen enormen Auftragsbestand, aber auch erhebliche Probleme - wie hinlänglich bekannt ist. Die kosteten den Konzern im vergangenen Jahr zweieinhalb Milliarden Euro, wahrlich kein Pappenstiel.

Möglicherweise sind die Zahlen auch deshalb so tief rot ausgefallen, wurden alle schlechten Nachrichten und künftigen Sorgen in die Bilanz aufgenommen, um auch dem letzten Arbeitnehmervertreter klar zu machen, wie ernst die Situation ist. Denn dass Airbus auch 2007 im Minus bleibt, ist ein Alarmzeichen - und eines, das dringenden Handlungsbedarf erkennen lässt. Darauf hat das gemeinsam leitende und derzeit wohl auch unter politischem Einfluss leidende EADS-Vorstandsgespann Enders/Gallois zurecht hingewiesen.

Es stimmt ja alles, was an Gründen vorgebracht wurde: die missliche Euro-Dollar-Situation, die schon ohne eigenes Zutun einen deutlichen Wettbewerbsnachteil für die Europäer bedeutet; die Fertigungsprobleme beim Großraumflugzeug A 380; die Zersplitterung der Produktion auf zu viele Standorte. Leider vergaß das Führungsduo, auf die gravierenden Managementfehler ihrer Vorgänger einzugehen, die ganz erheblich zu der jetzigen Misere beitrugen und die die vielen guten Leistungen in allen anderen EADS-Bereichen untergehen lassen.

Airbus muss schnell zu sich und zu vernünftigen Lösungen finden. Sonst wird es von den hohen Umsätzen erdrückt, die Geld kosten statt welches zu bringen.

© Südwest Presse 10.03.2007 07:45
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