VOITH / Der Bestellboom nimmt weiter an Tempo zu

Eine Flut an Innovationen

Heidenheimer Maschinenbauer setzt auf Ökologie
Voith setzt seine Rekordjagd fort. Der weltweit führende Hersteller von Papiermaschinen will das Spitzenergebnis beim Umsatz aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 übertreffen. Auch die Flut an Innovationen ist bei den Heidenheimern ungebrochen.'Ein rundum erfolgreiches Jahr.' Zu mehr Begeisterung über ein Rekordjahr wollte sich Voith-Finanzchef Dr. Hermann Jung bei der Präsentation der Bilanz für das Geschäftsjahr 2005/06 nicht hinreißen lassen, das mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. EUR (plus 7,9 Prozent und einem Auftragseingang von erstmals mehr als 4 Mrd. EUR (plus 26 Prozent) zu Buche steht.

Damit die Wachstumsdynamik langfristig stabil bleibt, verstärken die Heidenheimer ihr Innovationstempo. So unterstreichen sie ihre führende Stellung im Papiermaschinengeschäft gleich mit zwei Neuerungen. 'Revolutionär' nennt sogar Dr. Hermut Kormann, der eher zu Untertreibungen und keinesfalls zu unangemessener Begeisterung neigende Vorstandsvorsitzende der Voith AG, die neue Produktionstechnik für Tissue-Papiere wie etwa Papiertaschentücher, die eine Verringerung der (Energie)Kosten um bis zu 40 Prozent verknüpft mit einer bislang nicht gekannten Flauschigkeit des Papiers. Dem gewaltigen Wasserverbrauch bei der Papierproduktion soll jetzt ein geschlossener Wasserkreislauf zu Leibe rücken.

Die Ökologie stand auch bei dem neuen Antriebskonzept Pate, das Voith Turbo für die Schienenfahrzeuge entwickelt. Mit ihm lässt sich der Partikelausstoss um 95 Prozent und der Dieselverbrauch um 20 Prozent verringern - obwohl die Leistung um 20 Prozent steigt.

Die Heidenheimer haben mit ihrer Innovationsstrategie freilich nicht nur die rasche Umsetzung im Produktionsalltag, sondern auch langfristige Perspektiven im Auge. So peilen sie für die Stromproduktion aus der Kraft der Meere nicht nur den Bau von Wellenkraftwerken, sondern auch von Gezeitenkraftwerken an. Zu deren Entwicklung gründete Voith ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem koreanischen Partner. Dass hier frühestens in zehn Jahren mit Aufträgen zu rechnen ist, stört Kormann nicht: 'Wir nehmen uns die Zeit für ordentliche Entwicklungen. Denn nur dies garantiert langfristig guten Umsatz und Ertrag.'

Bestellungen für die erste Diesellokomotive 'Maxima' erwartet der Voith-Chef dagegen noch in diesem Jahr. Doch auch ohne sie erfreut sich die Antriebstechnik einer starken Konjunktur. Mit 290 Mio. EUR lagen die Aufträge im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um 45 Prozent über Vorjahr. Zur Bewältigung der guten Geschäftslage fließen 20 Mio. EUR in Modernisierung und Ausbau des Standorts Crailsheim. Das Neugeschäft mit Wasserkraftwerken verdoppelte sich im Jahresvergleich sogar auf 220 Mio. EUR.

Auch die Papiertechnik lag Ende Dezember mit 430 Mio. EUR klar über dem Wert des Vorjahres von 400 Mio. EUR. Trotzdem halten die Heidenheimer am Kapazitätsabbau in Ravensburg fest. Dort sollen 230 Stellen wegfallen. Ob es betriebsbedingte Kündigungen, wollte Kormann trotz Nachfragen nicht sagen. Konzernweit stieg die Mitarbeiterzahl wegen der Übernahme der Hörmann Industriertechnik auf 34 085.
© Südwest Presse 08.03.2007 07:45
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