BAUEN / Passivhäuser rechnen sich trotz höherer Baukosten

Alternative mit Zukunft

Die Explosion der Energiepreise beschert ihnen eine deutlich steigende Aufmerksamkeit: Passivhäuser haben zunächst höhere Baukosten, rechnen sich aber rasch.Um Energie zu sparen, haben Architekten von Passivhäusern schon viel Energie verschwendet. Stefan Oehler ist so einer. Der Architekt setzt seit mehr als zehn Jahren auf diese Energie sparende Bauweise - aber der Weg zum Kunden war mühsam. 'Wir mussten viel Aufklärungsarbeit leisten. Erst seit die Heizkosten explodieren merken wir, dass viele Bauherren auf dieses Thema anspringen.'

Oehlers Büro in Bretten (Kreis Karlsruhe) hat sich als erstes in Deutschland auf den Bau von Passivhäusern spezialisiert, er baute 1996 das erste freistehende Haus dieser Art. 'Passivhäuser sind das Modell der Zukunft', sagt er. 'Alles andere ist Larifari.' Seit über zehn Jahren wächst die Zahl der Passivhäuser in Deutschland stetig . Rund 8000 dieser Wohneinheiten gibt es nach Angaben des Passivhaus-Instituts (Darmstadt) in Deutschland. Baden-Württemberg hat mit mehr als 2000 Einheiten die meisten, gefolgt von Bayern und Hessen. 'Die Schwaben sind sparsam und denken voraus', meint Oehler.

Passivhäuser kommen mit einem Bruchteil der Energie herkömmlicher Neubauten aus - ganz zu schweigen von älteren Häusern. Die zum Heizen benötigte Energie wird 'passiv' und ohne Solaranlage von der Sonne, von inneren Wärmequellen wie Körperwärme der Bewohner und elektrischen Geräten sowie zurückgewonnener Wärme gewonnen. 'Das klappt nicht nur auf Grundstücken mit überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung', so Oehler. 'Wir haben auch schon Passivhäuser auf Nordhängen und in sehr verschatteter Lage gebaut.'

Damit die so gewonnene Energie auch voll genutzt werden kann, werden Passivhäuser luftdicht gebaut und extrem gut gedämmt. Der geringe Restheizbedarf kann über jedes beliebige Heizsystem erbracht werden und liegt nur noch bei etwa 25 Prozent. Mit der entsprechenden Dämmung kann der Energieverbrauch um bis zu 90 Prozent reduziert werden.

Der prozentuale Anteil an Neubauten ist aber immer noch verschwindend gering - 'im Promillebereich', sagt Oehler. Im Gegensatz zu Deutschland ist in Österreich sogar für Sozialbauten der Passivhaus-Standard vorgeschrieben. Dort würden inzwischen mehr Passivhäuser neu gebaut, als hierzu lande. 'Sogar auf EU-Ebene gibt es Projekte, die sich mit dieser Bauweise beschäftigen.'

Wer passiv baut, muss zunächst allerdings deutlich mehr ausgeben. Passivhäuser sind von 1600 EUR pro Quadratmeter an zu haben und sind damit rund 10 Prozent teurer als herkömmlich konstruierte Häuser.
© Südwest Presse 02.03.2007 07:45
622 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?