DEUTSCHE TELEKOM / Chef René Obermann verordnet Strategiewechsel

Der Rosa Riese wacht auf

Ausgliederung von 50 000 Beschäftigten - Billigmarke geplant
  • Pleite ist die Deutsche Telekom nicht - auch wenn Mitarbeiter vor der Bonner Firmenzentrale mit einem Pleitegeier aus Pappe demonstrieren. Im vierten Quartal 2006 schrieb das Unternehmen aber einen Verlust von 900 Millionen Euro. FOTO: AP
Telekom-Chef René Obermann hat eine Strategie zum Überleben des Konzerns vorgestellt. Dabei geht es um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, um Wachstum auf ausländischen Mobilfunkmärkten und die Stärkung der Geschäftskundensparte durch Partnerschaften.Nach einem Gewinneinbruch um 43,4 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr und roten Zahlen im vierten Quartal 2006 will die Telekom durch einen massiven Umbau wieder Fuß fassen. Für den Geschäftskundensektor wird ein strategischer Partner gesucht. Verkäufe von Unternehmensteilen sollen Geld für Zukäufe ausländischer Mobilfunkunternehmen bringen.

Vorstandschef René Obermann räumte ein, dass sich der Verlust von rund 2 Mio. Festnetzkunden im Jahr 2006 im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich ähnlich fortsetzen werde. Dagegen steht 2006 ein Zuwachs im Breitbandsektor um 30 Prozent auf nunmehr über 10 Mio. Anschlüsse im Inland. Obermann kündigte neben umfangreichen Änderungen bei Vermarktung und Servicequalität auch ein massives Sparprogramm an. Allein im laufenden Jahr sollen die Kosten um 2 Mrd. EUR sinken, bis 2010 um 4,7 Mrd. EUR.

Zu dem Sparprogramm gehört die Ausgliederung der Bereiche technische Infrastruktur, Kundendienst und Call-Center in ein Subunternehmen T-Service. Betroffen sind etwa 50 000 Beschäftigte. Ziel sei, die Kosten im Service möglichst deutlich den marktüblichen Konditionen zu nähern, die bis zu 50 Prozent niedriger lägen als bei der Telekom.

Erreicht werden soll das nicht durch massive Lohnkürzungen auf einen Schlag, sondern vor allem auch durch längere Arbeitszeiten. Statt derzeit 34,5 Stunden pro Woche strebt der Telekom-Chef für T-Service 38 bis 40 Stunden an. Obermann schloss auch betriebsbedingte Kündigungen 'zum gegenwärtigen Zeitpunkt' nicht aus. Die Telekom strebe sie zwar nicht an, ob es aber eine Beschäftigungsgarantie geben könne, hänge von den Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi ab. Verdi hatte gegen die Pläne bereits massiv protestiert und mit Streiks gedroht.

Obermann kündigte außerdem den Verkauf nicht-strategischer Geschäftseinheiten für etwa 3 Mrd. EUR an. Geprüft werde die Trennung von den Internet-Töchtern in Frankreich und Spanien, der Verkauf der Funktürme und der noch erheblichen Immobilienbestände.

Noch vor dem Sommer will die Telekom nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden eine 'unabhängige Zweitmarke' etablieren, die 'zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen' soll. Der Markenwirrwarr im normalen Privatkundenangebot soll einer Zweiteilung weichen: T-Mobile für den Mobilfunk und T-Home für den Rest. Obermann kündigte ferner einen Ausbau des Glasfaser-Neztes an.
© Südwest Presse 02.03.2007 07:45
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