ZAHLUNGSVERKEHR / Größtes Projekt in der Finanzwirtschaft seit der Einführung des Euro

Eurozone soll zum Inland werden

Schneller, günstiger, transparenter: Von 2008 läuft der Zahlungsverkehr in Euroland wie bisher im Inland. Gebühren für Überweisung, Lastschrift oder Zahlungskarten sollen sinken. Sepa heißt das große Projekt, an dem Finanzwirtschaft und EU-Kommission derzeit arbeiten.Für Verbraucher und mittelständische Unternehmen ist das Thema auf den ersten Blick weit weg. Banken, Sparkassen und der EU-Kommission brennt es auf den Nägeln. Es ist das größte Projekt seit der Einführung des Euro. Und es soll Anfang 2008 Wirklichkeit werden: Der einheitliche europäische Zahlungsverkehrsraum - kurz Sepa - soll zunächst Euroland und ab 2010 alle 27 EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein für den Zahlungsverkehr zum Inland machen.

Überweisungen, Lastschriften, Kartenzahlungen sollen nach einheitlichen Standards laufen, vor allem aber billiger und schneller werden. Wer ein Ferienhaus im Ausland besitzt und wer mit seinem Unternehmen Geschäfte jenseits der Grenze macht, braucht künftig nur noch eine Bank: Im Ausland oder zu Hause. Über sie sollen künftig alle Zahlungen laufen so wie heute Überweisungen und Zahlungen im eigenen Land abgewickelt werden. Die EU rechnet mit gigantischen Einsparungen von bis zu 50 Mrd. EUR jährlich für die europäische Wirtschaft.

Auf Urlaubsreisen können Verbraucher zwar schon heute ihre EC-Karte einsetzen, aber nicht überall. Und nicht immer zu günstigen Konditionen, wie Untersuchungen von Verbraucherverbänden immer wieder zeigen. Und beim Einkaufen wird entweder die EC- oder die Kreditkarte, nicht aber beides akzeptiert. Das soll sich mit Sepa ändern. 'Jeder Händler, der elektronische Zahlungen annimmt, muss dann jede Karte akzeptieren. Ohne zusätzliche Gebühren', sagt Gregor Roth. bei der DZ Bank verantwortlich für den Zahlungsverkehr. Jede Karte muss in jedem Sepa-Land einsatzfähig sein. Dies fordert auch die Europäische Zentralbank (EZB), der Hauptantreiber für Sepa.

Für die Banken ist die Abrechnung bislang zudem relativ teuer, weil Zahlungen von Karten meist über Systeme der US-Kreditkarten-Firma Mastercard laufen. Zwar bieten die Amerikaner und auch Konkurrent Visa neue Verfahren an, aber europäische Banken wollen beide vermeiden. Sie haben sich zur europäischen Allianz der Zahlungssysteme zusammengeschlossen (EAPS). Ziel: Die Verknüpfung der derzeit noch nahezu 20 nationalen Zahlungssysteme. Mit Kosten-Vorteilen für Handel, Privatkunden und für die Banken.

Profitieren werden Privatkunden, sagt Roth, auch von der Sepa-Überweisung und der Sepa-Lastschrift. Künftig genügt eine Bankverbindung für alle Zahlungen im Euroraum. Wer ein Feriendomizil im Ausland besitzt kommt bislang kaum ohne eine Bank vor Ort aus. Oder ohne teure Auslandsüberweisung. Mit Sepa sollen Überweisungen in Euroland so günstig sein wie heute im Inland und das Geld so schnell beim Empfänger sein wie im Inland. Der Wettbewerb unter den Banken wird sich verschärfen: Schließlich kann sich ein Kunde in Stuttgart künftig auch eine Bank in Rom oder Madrid nehmen.
© Südwest Presse 13.02.2007 07:45
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