EADS / Daimler-Chrysler reduziert Anteil und behält das Sagen

Lösung auf Zeit

Für 1,5 Milliarden kaufen Banken und Länder 7,5 Prozent-Paket
  • Die Ausgewogenheit ist gewahrt: Durch den Einstieg einer Investorengruppe bleibt der Einfluss von Deutschen und Franzosen bei EADS und seiner Tochter Airbus gleich. FOTO: dpa
Daimler-Chrysler tritt 7,5 Prozent seiner Anteile an EADS wie erwartet an ein Konsortium von Ländern und Banken ab. Dafür erhält das Unternehmen rund 1,5 Mrd. EUR. Damit soll das Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Interessen gewahrt sein.Nach einem monatelangen Tauziehen hat sich Daimler-Chrysler von 7,5 Prozent seiner verbliebenen 22,5 Prozent Anteile am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS getrennt. Käufer ist eine Gemeinschaft aus öffentlichen und privaten Investoren. Dies erfolgt dadurch, dass Daimler-Chrysler seine Anteile auf eine eigens gegründete Zweckgesellschaft überträgt und sich die Investorengruppe daran zu einem Drittel beteiligt. Als Ausgleich für diese nur mittelbare Beteiligung an EADS erhalten die Investoren von Daimler-Chrysler eine Vorzugsdividende. Ihre Höhe entspricht nach Angaben des Unternehmens 175 Prozent der normalen EADS-Dividende.

Daimler-Chrysler wird unverändert die Stimmrechte des Gesamtpakets an EADS kontrollieren und ausüben, betonen die Stuttgarter. Sie sehen durch die jetzt gefundene Lösung 'das Gleichgewicht zwischen deutscher und französischer Seite' aufrecht erhalten.

Daimler-Chrysler hat den Angaben zufolge die Möglichkeit, diese Struktur frühestens in gut drei Jahren, am 1. Juli 2010, aufzulösen. Dabei genießen sowohl die deutsche als auch die französische Regierung sowie der weitere EADS-Aktionär Lagardère ein Vorkaufsrecht. Die Vereinbarung wurde nach Angaben von Daimler-Chrysler mit den Regierungen beider Länder und Lagardère abgestimmt.

Dem Stuttgarter Konzern fließen durch den Verkauf der Anteile rund 1,5 Mrd. EUR noch im ersten Quartal zu. Beim ersten Teil des im April 2006 angekündigten Verkaufs von EADS-Anteilen in der gleichen Höhe erlöste Daimler-Chrysler aufgrund des höheren Börsenkurses noch 2 Mrd. EUR. Dieser Verkaufsprozess ist abgeschlossen. Details darüber sollen auf einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch in Detroit bekannt gegeben werden, auf der der deutsch-amerikanische Konzern die Ergebnisse für das vergangene Jahr vorstellt.

Zu den Investoren gehören die Allianz, die Commerzbank, Credit Suisse, Deutsche Bank und Goldmann Sachs, die je 10 Prozent des Pakets erwerben. Morgan Stanley und Sal. Oppenheim übernehmen je 5 Prozent. Auf öffentlicher Seite hält die KfW Bankengruppe 13 Prozent, das Land Hamburg über ihre HGV Hamburger Vermögens- und Verwaltungsbeteiligung 10 Prozent, das Land Niedersachsen ebenso 5 Prozent wie Bayern über ihre Landesbodenkreditanstalt und die LfA Förderbank 5 Prozent. Die Landesbank Baden-Württemberg und die Landeskreditbank (L-Bank) erwerben je 2,5 Prozent am Anteil an der Zweckgesellschaft, die Bremer Investitionsgesellschaft 2 Prozent.

Die Bundesregierung begrüßte die Vereinbarung als 'ordnungspolitisch und industriepolitisch vernünftig'. Die deutsch-französische Balance bleibe damit gewahrt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die Lösung stabilisiere die Aktionärsbasis und stärke zugleich die deutsche Position mit Blick auf die anstehenden 'schwierigen Verhandlungen' über die anstehende Sanierung bei Airbus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit dem französischen Regierungschef Dominique de Villepin telefoniert, sagte der Regierungssprecher. Beide strebten eine 'partnerschaftliche Lösung' bei der Airbus-Sanierung an. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärte bei einem Besuch des Bremer Airbus-Werkes, die jetzt gefundene Lösung sei ein weiterer Baustein zur Sicherung der deutschen Standorte.
© Südwest Presse 10.02.2007 07:45
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