MANNESMANN-PROZESS / Gericht verteilt Geldauflagen an 363 Einrichtungen

Josef Ackermann sei Dank

  • Das Düsseldorfer Landgericht hat die Geldauflagen an 363 Organisationen verteilt. Unser Bild zeigt das Gerichtsgebäude, das sich in den Fenstern des Dienstwagens von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann spiegelt. FOTO: dpa
Die Geldauflagen der sechs Angeklagten im Mannesmann-Prozess gehen an 363 soziale Organisationen und Vereine. 60 Prozent der insgesamt 5,8 Mio. EUR kommen der Staatskasse zu. Das hat das Düsseldorfer Landgerichts entschieden. Der Prozess ist damit endgültig eingestellt.Die Geldauflagen aus dem Mannesmann-Prozess in Millionenhöhe gehen an 363 soziale Organisationen im gesamten Bundesgebiet. Das hat das Düsseldorfer Landgericht gut zwei Monate nach der Einstellung des Verfahrens beschlossen. Die Wirtschafts-Strafkammer habe die Begünstigten aus mehr als 4000 Antragstellern ausgesucht und sich dabei um einen repräsentativen Querschnitt bemüht, sagte ein Gerichtssprecher.

Von A wie Aids-Hilfe bis Z wie Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe reicht die neunseitige Liste der Geldempfänger, die das Gericht nun veröffentlichte. 40 Prozent der insgesamt 5,8 Mio. EUR Geldauflagen fließen an gemeinnützige Organisationen. Die Justiz wies daraufhin, dass Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die übrigen Angeklagten diese Summe von 2,3 Mio. EUR nicht als Spenden steuerlich geltend machen dürfen.

Der Andrang von Interessenten, die in den Genuss des Geldes kommen wollten, hatte zeitweise den Gerichtsbetrieb behindert. Der Computerserver des Gerichtszentrums brach zusammen, die Telefonzentrale war stundenlang lahm gelegt.

Mit Summen zwischen 1000 und 30 000 EUR bedenkt das Gericht nun die verschiedensten Gruppen. Den Höchstbetrag hat das Gericht dem Kinderhilfswerk Unicef, dem Kinderschutzbund, der Deutschen Krebshilfe, der Arbeiterwohlfahrt, dem Diakonieverband und dem Förderkreis der Düsseldorfer Heine-Universität zugedacht. Unter den Empfängern kleinerer Beträge sind etwa Vereine für Schiffbrüchige, Rettungshunde, Quäker, Obdachlose, Stotterer oder Terroropfer.

Das Landgericht hatte im November 2006 das Strafverfahren gegen die sechs Angeklagte gegen Geldauflagen eingestellt. Auf Ackermann entfielen 3,5 Mio. EUR.

In dem spektakulären Wirtschaftsprozess ging es um die 60 Mio. EUR, die im Jahr 2000 bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone an Manager geflossen waren. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten dabei Untreue oder Beihilfe vorgeworfen.
© Südwest Presse 08.02.2007 07:45
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