AUTOINDUSTRIE

KOMMENTAR: Der Offensivgeist fehlt

Der Erfolg der deutschen Autoindustrie ist zugleich auch ein Fluch. Je mehr Luxuskarossen aus München, Stuttgart oder Zuffenhausen einen Käufer finden, desto hellhöriger werden Klima- und Umweltschützer. Denn just jene Autos verhageln die Klimabilanz: Sie sind zu schwer, zu schnell, sie verbrauchen Unmengen Sprit und pusten im Vergleich zu Klein- oder Mittelklassewagen erheblich mehr klimaschädliches CO2 in die Luft.

Was denn auch den EU-Umweltkommissar auf den Plan ruft. Die Industrie reagiert nicht nur auf die Wünsche der Kunden, wie VDA-Präsident Bernd Gottschalk Glauben machen will. Die Firmen werben unverhohlen für viele PS und viel schweren Komfort. Schließlich winken hier die größten Gewinne. Die deutschen Hersteller tun etwas für den Klimaschutz, das ist unbestritten. Im Vergleich zu Franzosen, Italienern oder Japanern sind die CO2-Emissionen deutscher Neuwagen stärker zurückgegangen. Aber immer noch fehlt der Offensivgeist, die Entwicklungen an der Spitze voranzutreiben

Mitunter ist auch der Ruf nach dem Staat richtig: Eine Kraftfahrzeugsteuer, die sich am Verbrauch und damit am CO2-Ausstoß orientiert, ist überfällig. Das beeindruckt Hersteller und Autokäufer. Weil die einen hoffentlich sparsamere Autos kaufen, müssen die anderen entsprechende Fahrzeuge anbieten. Das Klima wird es danken.

© Südwest Presse 23.01.2007 07:45
567 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?