GERINGQUALIFIZIERTE / Unternehmen würden mehr einstellen

Hürden für mehr Jobs

Hohe Arbeitskosten und Bürokratie schrecken ab
  • Arbeit für Geringqualifizierte (hier Mitarbeiter der Müllabfuhr in Erfurt) gäbe es genug, sagen Unternehmen in einer DIHK-Umfrage. FOTO: dpa
Zwei Drittel der deutschen Unternehmen würden mehr Geringqualifizierte einstellen, wenn die Rahmenbedingungen verbessert würden. Haupthindernisse sind die hohen Arbeitskosten sowie die hohen Hürden für befristete Arbeitsverträge und der Kündigungsschutz.An den Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung geht der Aufschwung derzeit weitgehend vorbei. Sie könnten wieder bessere Chancen bekommen - aber nur, wenn die bestehenden Einstellungshemmnisse 'zügig und beherzt' aus dem Weg geräumt werden. Davon ist Achim Dercks, Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), überzeugt.

Quelle für seinen Optimismus ist eine Umfrage unter 20 000 Unternehmen. Danach würden 64 Prozent zusätzliche Geringqualifizierte einstellen, wenn die hohen Hürden beseitigt würden. Meist wären es nur wenige. Fast jede fünfte Firma würde aber ihre Belegschaft 'spürbar' oder gar 'beträchtlich' ausweiten. Besonders groß ist das Interesse bei Zeitarbeitsfirmen, Gesundheitsdienstleistern, Reinigungsdiensten und Sicherheitsbetrieben.

Drei Viertel der Unternehmen nannten Hindernisse für die Zurückhaltung bei Geringqualifizierten. An erster Stelle stehen die hohen Arbeitskosten für Einfachtätigkeiten als Summe von Löhnen und Lohnzusatzkosten. Klagen gibt es aber auch über die restriktiven Vorgaben bei Befristung und Kündigungsschutz sowie über die Produktivität und Qualität der Arbeit. Zudem macht die fehlende Motivation der Bewerber zu schaffen, und zwar insbesondere Zeitarbeitsfirmen. Ihnen versuchen die Arbeitsagenturen besonders häufig, Geringqualifizierte zu vermitteln. Geringstes Problem sind Widerstände des Betriebsrats, Mitarbeiter in untere Tarifgruppen einzustufen. Damit kämpfen hauptsächlich größere Betriebe.

Um fehlende Billigjobber zu ersetzen, müssen am häufigsten die vorhandenen Mitarbeiter mehr arbeiten. 30 Prozent behelfen sich mit Zeitarbeitern oder mit Outsourcing, also der Vergabe von Arbeiten an andere Firmen im Inland. Jeder vierte Betrieb automatisiert stattdessen, 18 Prozent verlagern die Aufgaben ins Ausland. Jeder sechse Betrieb verzichtet ganz auf die Produktion oder die Dienstleistung und damit auf den Umsatz.

Oberstes Gebot ist für Dercks die Senkung der Lohnzusatzkosten, die bei den Einfacharbeiten besonders stark zu Buche schlügen. Zudem sollte die Möglichkeit befristeter Arbeitsverträge auf vier Jahre verdoppelt werden. Daneben forderte er einen Mentalitätswechsel: 'Es muss selbstverständlicher werden, dass jeder zu seinem Lebensunterhalt möglichst viel beisteuert - auch durch die Annahme eines niedrig entlohnten Jobs.'

Gift wären neue Einstellungshemmnisse. Dercks warnte insbesondere vor Mindestlöhnen: Sie würden Einfacharbeiten weiter verteuern und 'mehr als eine Million Jobs in diesem Bereich gefährden'. In der Baubranche, in der es bereits Mindestlöhne gibt, klagt fast jeder zweite Betrieb über zu hohe Arbeitskosten. Doch auch breit angelegte Kombilohnmodelle wären falsch: Sie sind kaum bezahlbar, und es drohen teure Mitnahmeeffekte.
© Südwest Presse 05.01.2007 07:45
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