Daimler-Chrysler

Schadenersatz verlangt

In einem Musterprozess muss sich Daimler-Chrysler gegen Vorwürfe verteidigen, den Rücktritt von Jürgen Schrempp zu spät veröffentlicht zu haben.In einem gestern vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart gestarteten Verfahren werden die Klagen von Anlegern gebündelt, die sich durch das Vorgehen von Daimler-Chrysler in ihren Aktiengeschäften massiv benachteiligt fühlten. Sie werfen dem deutsch-amerikanischen Unternehmen vor, die so genannte Adhoc-Mitteilung über den geplanten Rücktritt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp am 28. Juli 2005 nicht rechtzeitig veröffentlicht zu haben.

Nach Veröffentlichung der Mitteilung war die Daimler-Chrysler-Aktie um bis zu 10 Prozent gestiegen. Wären sie eher informiert gewesen, hätten sie ihre Aktien nicht - wie geschehen - kurz vor der Mitteilung verkauft, argumentieren die Kläger. Nun verlangen sie Schadenersatz vom Autoproduzenten.

Seinen Entschluss, den bis 2008 laufenden Vertrag nicht zu erfüllen, habe Schrempp bereits im Mai Aufsichtsratschef Hilmar Kopper mitgeteilt, begründete ein Anwalt der Kläger die Vorwürfe.

Daimler-Chrysler beharrte dagegen auf seinem Standpunkt, keine Informationspflichten verletzt zu haben. Das Gespräch zwischen Schrempp und Kopper könne nicht wie eine vorhersehbare Entscheidung gewertet werden, erklärte der Rechtsbeistand des Unternehmens. Diese habe ausschließlich beim Aufsichtsrat gelegen.

Das Oberlandesgericht muss nun prüfen, ob die Vorab-Gespräche des Vorstandsvorsitzenden den Charakter einer bereits feststehenden und konkreten Absicht hatten. Dann wäre sie nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) Adhoc-pflichtig gewesen.

Die Sammelklage war durch das neue Kapitalanleger- Musterverfahrensgesetz möglich geworden. Dieses auf fünf Jahre befristete Gesetz soll Verfahren bündeln und dadurch beschleunigen.
© Südwest Presse 21.12.2006 07:45
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