So entstehen Bilder im Kopf

Geschichten erzählen Beim Kommunikationskongress an der Hochschule Aalen diskutieren Marketing-Profis mit Youtubern, Vordenkern und Querdenker Christoph Sonntag, wie Botschaften mitreißen.
  • Rayk Anders, Youtuber beim Jugendformat „funk“ des SWR, hat vor Kommunikations- und Marketingfachleuten erzählt, wie Politik-Nachrichten im Netz Erfolg haben. Fotos. Oliver Giers

Aalen

Bilder im Kopf sind alles: Wer eine Botschaft vermitteln will, muss Bilder erzeugen – ob in Werbung, Journalismus oder Kunst. Beim dritten Kommunikationskongress an der Hochschule Aalen haben sich rund 50 Geschäftsführer, Kommunikations- und Marketingverantwortliche informiert, wie Kenner in die Köpfe ihrer Adressaten vordringen, dort Bilder entstehen lassen und dies gewinnbringend nutzen. Unter den hochkarätigen Referenten waren so unterschiedliche Kommunikationsprofis wie Kabarettist Christoph Sonntag und Polit-Youtuber Rayk Anders. Veranstalter waren SDZ events, Hochschule Aalen, Marketing Club Ostwürttemberg und Carl Zeiss AG.

„Bilder sind das einzige, was noch funktioniert“, gab der Stuttgarter Kabarettist Christoph Sonntag den Zuhörern mit: „Der Weg um die Ecke funktioniert heutzutage nicht mehr, man muss direkt auf die Zwölf gehen“, merkte der Stuttgarter kritisch an, der mit seinen pointierten Alltagsbeobachtungen Hallen füllt und mit einer Stiftung Umwelt- und Sozialprojekte voranbringt. Zwar müsse man im Kabarett gleichsam „mit Holzschnitten arbeiten“, so der Querdenker, es gelte aber, statt auswendig gelernter Texte Bilder und Geschichten im Kopf zu haben und damit auf das Publikum einzugehen.

Aufgebauschtes, Gruseliges, Falschnachrichten: „Berichterstattung im Netz ist zu großen Teilen ein Haufen Mist“, kritisierte Rayk Anders, Blogger und Youtuber beim SWR-Jugendformat „funk“. Beispielhaft präsentierte er ein gefälschtes Luftbild zum Absturz des Malaysian-Airlines-Flugzeugs über der Ukraine, das in sozialen Netzwerken millionenfach viral ging und von einer Menge Menschen für bare Münze genommen wurde. „Von den zehn meistgeteilten Artikeln über Angela Merkel ist nur einer richtig, zwei sind Meinungsbeiträge und acht sind frei erfunden“, berichtete er. Sorgfältig recherchierte Berichte renommierter Medien hätten gegenüber sensationsheischenden Angeboten oft das Nachsehen. Mit seinem Politik-Infoangebot, das auf Animationen und direkte Ansprache setzt, hält Anders dagegen und erreicht wöchentlich bis zu vier Millionen User.

Mondlandung und alliierte Landung: Fotos, die bleiben

Berichterstattung im Netz ist zu großen Teilen ein Haufen Mist.

Rayk Anders
Youtuber bei „funk“

Ansgar Seelen von der Carl Zeiss AG entführte in die Geschichte der Fotografie und präsentierte Bilder, die im Kopf bleiben: Von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zum Fußabdruck des ersten Menschen auf dem Mond. Wie man Fakten statt mit einem textlastigen Kompendium mit Bildern vermitteln kann, präsentierte Julia Kovar-Mühlhausen von der Baden-Württemberg-Stiftung anhand ihres preisgekrönten Jahresberichts.

Ingo Eichel von Adobe Systems gab einen Einblick, wie visuelle Kommunikation Storytelling verändert. Julia Baier von der Hochschule Aalen stellte statische und interaktive Infografiken gegenüber und Fabian Dittmann von Capture Media sprach über neue Technologien in der Eventbranche und das Showtelling mit Augmented Reality.

Ein Fazit für Moderator und Mit-Initiator Wolfgang Grandjean, Geschäftsführer von SDZ Events: „Egal, ob man sie in Fotos, Texte oder Videos verpackt: Wichtig ist, dass man eine gute Geschichte zu erzählen hat, die Bilder im Kopf der anderen entstehen lässt.“

Das sieht auch Prof. Dr. Constance Richter vom Mitveranstalter Hochschule Aalen so: „Es geht nicht darum, nur Blabla hinauszupusten“, rät sie und fügt hinzu: „Wir müssen jeden Tag darüber nachdenken, Geschichten so lebendig zu erzählen, dass sich die Adressaten darin wiederfinden. Wir müssen uns in sie hineinversetzen.“

© Wirtschaft Regional 14.06.2018 16:32
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