Neubau in Gmünd, treu zu Waldstetten

Zukunftsinvestition Weil die Leicht Küchen AG am Stammsitz nicht erweitern kann, baut sie für 80 Millionen Euro eine Produktionshalle im Gewerbepark „Gügling“ - und stärkt so auch Waldstetten.
  • Strahlende Gesichter bei der Übergabe der Baugenehmigung an Leicht (v.l.): Alexander Groll, Ellen Nußbaum, Dr. Joachim Bläse, Stefan Waldenmaier und Michael Rembold. Foto; Thomas Mayr

Schwäbisch Gmünd/Waldstetten.

Es fehlte nur noch der Pfarrer, um den Zusammenschluss von Schwäbisch Gmünd und Waldstetten abzusegnen – so herzliche Partnerschaftsbekunden, mit denen sich am Mittwoch Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Baurechtsamtsleiterin Ellen Nussbaum und Wirtschaftsbeauftragter Alexander Groll von Gmünder sowie Bürgermeister Michael Rembold und Leicht-Chef Stefan Waldenmaier von Waldstetter Seite gegenseitig umgarnten, das war außergewöhnlich. Aber dem Anlass angemessen: Leicht bekam auf dem Rathaus die Baugenehmigung für ein einzigartiges Zukunftsprojekt erteilt.

Bis Ende 2019 fertig

Auf acht Hektar wird Leicht im Gewerbepark „Gügling-Nord“ östlich des Schleich-Logistikzentrums eine 40 000 Quadratmeter (250 m lang, 160 m breit, 10 m hoch) große Produktions- und Montagehalle erstellen. Dort werden die Korpusteile der Küchen gefertigt, die weiterhin in Waldstetten produzierten Küchenfronten werden zugeliefert. Auch die Endmontage sowie die Kommissionierung wird im Werk Gügling erfolgen. Beheizt wird die dachbegrünte Halle mit eigenen Holzabfällen. Baubeginn ist im nächsten Frühjahr, Ende 2019 soll die Halle fertig sein, der Einbau der Maschinen und Anlagen ist für Anfang 2021 geplant.

Den Zuschlag für den Bau bekam die Fa. Bremerbau aus Paderborn. „Von zehn angeschriebenen Firmen gaben nur drei ein Angebot ab“, wunderte sich Waldenmaier. Immerhin investiert Leicht fast 80 Millionen Euro. „Vergleicht man diesen Betrag mit unserem Umsatz von 150 Millionen Euro, so wird deutlich, dass es sich um eine Investition für mehrere Dekaden handelt“, sagte der CEO. Und um einen Vertrauensvorschuss der Muttergesellschaft Welle in die Qualität und Innovationskraft der Waldstetter Küchenbauer.

Deren Aufwärtsentwicklung seit 2002, als der Umsatz auf 67 Millionen Euro einbrach, ist eng mit dem Einstieg von Stefan Waldenmaier verbunden. „Produkt, Service, Marke“, sind seine Erfolgsparameter. Leicht bringt so das breite Produktportfolio (von der 8000-Euro-Küche bis zur Nobelversion für Lionel Messi) unter einen Hut: Die Produktion in Waldstetten, in die in den letzten Jahren über 30 Millionen Euro investiert wurden, ist klar strukturiert, „die Digitalisierung ist bei uns längst Realität“, so Waldenmaier.

Aktuell Lieferengpässe

Wo produziert wird, ist auch was unterwegs.

Joachim Bläse,
Bürgermeister

Derzeit kann Leicht die Aufträge nicht zeitnah abarbeiten. „Wir haben Lieferengpässe“, sagt Waldenmaier. Dabei leistet ein Großteil der 640 Leicht-Beschäftigten in Waldstetten (550) und Kirchheim Überstunden, auch samstags wird gearbeitet. Leicht werde, versicherte der Vorstandsvorsitzende, „mit der Zentrale und der Fertigung in Waldstetten bleiben.“ Gerne hätte man dort auch gebaut. „Aber wir konnten kein entsprechendes Gelände anbieten“, bedauerte Michael Rembold. Er sei deshalb froh, „dass unser größter Steuerzahler in der Nähe bleibt, denn wenn Leicht in Gmünd montiert, sind auch die Arbeitsplätze in Waldstetten gesichert“. Immerhin beläuft sich die Lohnsumme bei Leicht auf 35 Millionen Euro.

Der Bürgermeister ist auch erleichtert, weil es Alternativen in Ellwangen und Polen gab. „Trotz dort lukrativer Fördermöglichkeiten haben wir uns für die Region entschieden, denn wir nehmen die soziale Verantwortung für unsere Mitarbeiter ernst“, betonte Waldenmaier. Zum Start würden 100 Mitarbeiter von Waldstetten ins neue Werk wechseln, wie viele neue Stellen geschaffen werden, sei offen.

Enge Zusammenarbeit

„Dass der Verkehr in Bettringen zunimmt, wissen wir“, sagte Bläse, „aber wo produziert wird, ist auch etwas unterwegs. Und es gibt sichere Arbeitsplätze“. Deshalb habe die Stadt Leicht von der ersten Anfrage vor zwei Jahren in allen Phasen des Genehmigungsverfahrens begleitet. Mit dem Ortschaftsrat von Bettringen sei die Verkehrsführung abgesprochen. Bläse dankte dem Liegenschaftsamtsleiter Gerhard Hackner und Alexander Groll für deren Einsatz. Der Wirtschaftsbeauftragte zeigte sich „stolz, dass so ein Unternehmen wie Leicht auf einen Schlag acht Hektar kauft.“ Waldenmaier bedankte sich auch für Architekt Baumann für die „großartige und schelle Zusammenarbeit mit der Stadt“ und bemerkte schmunzelnd: „Ich wusste gar nicht, wie viele Bauvorschriften erfüllt sein müssen – auch sinnlose“.

Leicht-Historie: 1928 gründeten die Brüder Alois und Josef Leicht in Gmünd in der „Hahnenbrauerei“ eine „mechanische Schreinerei“. 1934 übernahmen sie in Waldstetten ein Sägewerk. 1940 entwickelte Leicht die erste Anbauküche, 1954 kam die farbige Anbauküche „Colora“ auf den Markt. 1973 erfolgte der Verkauf an die Familie Welle in Paderborn. Heute ist die Leicht Küchen AG eine nicht börsennotierte Tochter der Welle-Holding.

© Wirtschaft Regional 13.09.2018 20:27
1007 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?