Urlauber bringen Umsatz

Tourismus Geschäftsreisende, aber auch Wanderer und Radfahrer bescheren Hotels, Gastronomie und Einzelhandel gute Geschäfte.
  • Die Zahl der Übernachtungen in Ostwürttemberg steigt. Quelle: IHK

Aalen

Wer verreist, bringt Umsatz. Hotels, Gaststätten und Campingplatzbetreiber, aber auch Einzelhändler und Taxiunternehmer freuen sich über Urlauber. Drei Millionen Arbeitsplätze hängen laut Studien in Deutschland direkt oder indirekt vom Fremdenverkehr ab. Auch auf die Ostalb finden immer mehr Gäste.

Nach den Zahlen des Statistischen Landesamts kletterte die Zahl der Ankünfte im Ostalbkreis von 362.375 im Jahr 2016 um 5,5 Prozent auf 382.255 im vergangenen Jahr. Auch die Zahl der Übernachtungen stieg von 781.814 auf 811.954 um 3,9 Prozent an. In ganz Ostwürttemberg wurde mehr als eine Million Übernachtungen gezählt.

Das Gros der Übernachtungsgäste: Geschäftsreisende

Allerdings unterscheidet die Statistik nicht zwischen Freizeiturlaubern und Geschäftsreisenden, die zwischen Ellwangen im Norden und Niederstotzingen im Süden das Gros der Gäste ausmachen dürften. „Die Region ist nicht vergleichbar mit den klassischen Tourismuszielen wie dem Bodensee oder dem Schwarzwald“, bemerkt Alexander Paluch, der bei der IHK Ostwürttemberg für Tourismus zuständig ist. Er schätzt den Anteil der Geschäftsreisenden an allen Gästen der Region auf 80 Prozent – Zahlen die andere Tourismusverantwortliche bestätigen.

Wer Kongresse oder Firmenveranstaltungen besucht, kommt aber vielleicht auf den Geschmack und schaut sich die Region auch privat an. „Der Trend geht hier zum kurzen Wochenendtrip“, sagt Paluch. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt im Kreis Heidenheim 1,8 Tage, im Ostalbkreis 2,0 Tage.

Vor allem das Naturerlebnis steht hoch im Kurs. „Äußerst beliebt sind Wandern und Radfahren“, weiß Susanne Dambacher, Geschäftsführerin der Touristikgemeinschaft Erlebnisregion Schwäbische Ostalb aus vielen Anfragen und Gesprächen – etwa auf Messen wie der jährlichen CMT in Stuttgart.

Tagestouristen helfen dem Einzelhandel

Radeln liegt im Trend, und immer neue Angebote tragen dem Rechnung: die Grünen Pfade– zum Beispiel durchs Ellwanger Seenland – der Kocher-Jagst-Radweg oder der Josefle-Radweg mit seinen Ausblicken ins Remstal. Gleiches gilt für die Wanderrouten. Tourismusprofis preisen in Broschüren, auf Webseiten und auf Messen an, was die Region einzigartig macht: Limesthermen und Limesmuseum in Aalen, Alamannenmuseum, Schloss und Wellenbad in Ellwangen, keltische Anlagen am Ipf, Klöster wie Neresheim und Lorch und und und.

Der Trend geht zum kurzen Wochenendtrip.

Alexander Paluch
IHK Ostwürttemberg

Solche Höhepunkte ziehen auch Tagesgäste an. Die Übernachtungsstatistik erfasst die Kurzausflügler zwar nicht. Oft sind aber sie diejenigen, die für den größten Umsatz sorgen. Nach Informationen des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags gibt jeder der 376 Millionen Tagestouristen, die jährlich im Land unterwegs sind, durchschnittlich 26,10 Euro aus. Die Hälfte fließt in den Handel.

Hier gilt die Faustregel: Je größer die besuchte Stadt, desto höher der Anteil an den Gesamtausgaben, die im Einzelhandel hängen bleiben. Alle Touristen– Tages- und Übernachtungsgäste– in Baden-Württemberg geben jedes Jahr 20,3 Milliarden Euro aus, davon 7,2 Milliarden Euro für Einkäufe.

Attraktiv für Kurzreisen und Tagesausflüge sind auch Veranstaltungshöhepunkte: einmalige, wie die Landesgartenschau in Gmünd 2014, aber auch jährlich wiederkehrende wie der Kalte Markt in Ellwangen

Sportveranstaltungen sind Touristenmagnete

Auch Sportevents können Magnete sein. „Die gediegeneren Fans reisen einen Tag vorher an“, sagt Evelyn Scherff, Evelyn Scherff, Vorsitzende der Kreisstelle Heidenheim im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Auch einen weiteren Trend sieht Dehoga-Vorsitzende Scherff: Niederländer, Belgier oder Norddeutsche machen in Ostwürttemberg mit einer Übernachtung Station, wenn sie mit dem Auto auf dem Weg nach Südeuropa oder in die Skigebiete der Alpen sind. Die Hoteliers reagieren auf die steigende Nachfrage. So eröffnete 2016 das Estilo mit 59 Zimmern in der Aalener Gartenstraße, auf dem Aalener Stadtoval entsteht bis 2019 ein Haus mit 126 Zimmern. Das 2017 eröffnete Hotel am Remspark in Gmünd verfügt über 200 Zimmer, in Oberkochen ging in diesem Jahr das Vilotel mit 74 Zimmern an den Start. Spitzenreiter bei der Zahl der Gästebetten ist Schwäbisch Gmünd, 1633 Betten in 20 registrierten Betrieben, gefolgt von Aalen mit 1535 Betten und Ellwangen mit 1223 Betten.

Größte Beherbergungsbetriebe sind aber nicht die Hotels, sondern Institutionen wie die Internationale Musikschulakademie Schloss Kapfenburg mit 41.000 Gästen pro Jahr oder das Christlichen Gästehaus Schönblick in Schwäbisch Gmünd, das sogar 130.000 Übernachtungs- und Tagesgäste jährlich zählt. Nicht zu vergessen die Campingtouristen: Während in Hotels eher die Geschäftsreisenden absteigen, sind Camper fast durchweg Freizeiturlauber. In ganz Baden-Württemberg ist laut Industrie- und Handelskammertag jeder Fünfte Freizeittourist ein Camper.

Kaum verwunderlich: Jeder dritte ausländische Camper im Land kommt aus den Niederlanden. Aber auch die Schweizer stellen gerne ihre Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile in Baden-Württemberg auf. Sie tragen ihren Teil zum touristischen Umsatz bei: Touristikcamper geben pro Kopf und Tag 49,80 Euro aus, Reisemobilisten sogar 50,50 Euro.

© Wirtschaft Regional 24.08.2018 11:23
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