Spiegel führen Laserstrahl

Hochschule Aalen Hochmoderne Roboteranlage mit 3D-Scanner macht Füge- und Oberflächenbearbeitungstechnologien auf komplexen 3D-Oberflächen möglich.
  • Markus Hofele, Doktorand am Laserapplikations-Zentrum, richtet in der neuen Roboterzelle den 3D-Scanner aus. Foto: Gaby Keil/Hochschule Aalen

Aalen

Das Laserapplikations-Zentrum (LAZ) der Hochschule Aalen hat zwei hochflexible Sechs-Achs-Roboter von Kuka und einen 3D-Scanner der Firma Trumpf zur dreidimensionalen Laserbearbeitung von Bauteilen mit einem Gesamtwert von fast 400 000 Euro erhalten. Das teilt die Hochschule mit. Mit dieser modernen Anlage forschen die wissenschaftlichen Mitarbeiter des LAZ an berührungslosen Füge- und Oberflächenbearbeitungstechnologien auf komplexen 3D-Oberflächen.

Die beiden Roboter befinden sich in einer mehr als 20 Quadratmeter großen Laserschutzelle mit moderner Sicherheitstechnik. Auf einem der Roboter ist ein 3D-Scanner der Firma Trumpf zur präzisen, schnellen und dreidimensionalen Bearbeitung von Bauteilen montiert. Der Scanner führt den Laserstrahl mittels beweglicher Spiegel hochdynamisch über das Werkstück.

Eine Besonderheit ist dabei laut Hochschule ein in den 3D-Scanner integriertes Pyrometer – ein Strahlungsthermometer, mit dem berührungslos die Temperatur im Laserspot gemessen und mit dem die Laserleistung mehrere Zehntausend Mal pro Sekunde direkt geregelt werden kann. Dadurch lässt sich auf der Oberfläche des Werkstücks exakt die benötigte Temperatur für Füge- und Härteapplikationen erreichen.

„Damit können wir speziell das innovative Laserstrahlkapillarspaltlöten voranbringen, bei dem der Laser als Wärmequelle genutzt wird“, sagt Markus Hofele, Doktorand am Laserapplikations-Zentrum, „so kann die Energie hocheffizient und gezielt in die Bereiche des Werkstücks eingebracht werden, in denen sie benötigt wird“. Die Position des Roboters und des 3D-Scanners können miteinander verrechnet werden, sodass beide gleichzeitig bewegt werden und eine effiziente 9-Achs-Simultanbearbeitung komplexester Bauteilkonturen mit Freiformflächen möglich ist.

So kann die Energie hocheffizient in das Werkstück eingebracht werden.

Markus Hofele
Doktorand

Roboter auch für weitere Laserfertigungsverfahren geeignet

Durch Wechseln der Bearbeitungsköpfe können die beiden Roboter auch für weitere Laserfertigungsverfahren eingesetzt werden. Beispielsweise wird im interdisziplinären und strategischen FH-Impulsprojekt „Smarte Materialien und intelligente Produktionstechnologien für energieeffiziente Produkte der Zukunft“ (SmartPro) untersucht, inwieweit die Klebfestigkeit im Leichtbau durch eine Laservorbehandlung der zu fügenden Materialien gesteigert werden kann.

Die Roboterzelle wurde innerhalb des Forschungsprojekts FlexLight4.0 („Flexibles Licht als Enabler von hochfunktionalisierten, adaptiven optischen Elementen und Sensoren für Realtime Messungen bei I4.0 Applikationen“) beschafft und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. In diesem Vorhaben wird eine komplette digitale Fertigungskette zur Herstellung von Bauteilen aus Metallen und Keramik aufgebaut, die auf Licht als Werkzeug mit flexiblen und anpassungsfähigen Eigenschaften basiert.

© Wirtschaft Regional 30.07.2018 17:20
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