Bosch baut Gmünd zum Leitwerk aus

Informationsaustausch Gmünder Gemeinderat besichtigt Gmünder Bosch AS-Werk im Schießtal. Stadt und Lenksystemhersteller wollen gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern.
  • Informationsaustausch (v.l.): Marc Ströbel, Markus Zebisch (beide Bosch), OB Richard Arnold, Stefan Grosch (Bosch), BM Dr. Joachim Bläse, Wirtschaftsförderer Alexander Groll, BM Julius Mihm. Foto: wh

Schwäbisch Gmünd

Es war zwar brütend heiß, aber die vergossenen Schweißtropfen haben sich gelohnt, für beide Seiten. Am Mittwochnachmittag waren Mitglieder des Gmünder Gemeinderats und die komplette Rathausspitze vor der ebenso so heißen Hallenbadneubau-Debatte zur Gast im Werk Schießtal der Robert Bosch Automotive Steering (AS) GmbH. Die Räte erfuhren, dass bei Gmünds größtem Arbeitgeber die Zukunft hinsichtlich der Megatrends Digitalisierung, Internationalisierung und autonomes Fahren längst begonnen hat. Mehr noch: „Wir. Die Lenker.“ – das ist nicht nur der Slogan des neuen Bosch AS-Logos, sondern mit dieser Vision bzw. mit diesem Zielbild sagen die Bosch-Leute, dass der Standort Schwäbisch Gmünd eine Sonderstellung in der umsatzstärksten Bosch-Sparte Mobility Solutions einnimmt und zum weltweiten Leitwerk für alle Pkw-Lenkungen ausgebaut wird. Die Bosch-Manager wiederum nahmen zufrieden zur Kenntnis, dass die Stadt die Anforderungen und Wünsche des Weltkonzerns nach Gewerbeflächen, einer besseren Verkehrsinfrastruktur, Wohnraum für die Ansprüche der künftig mehr standortflexiblen Mitarbeitergeneration und Ausbildungsmöglichkeiten „offen aufnimmt und schon in Vorleistung gegangen ist“, wie es Oberbürgermeister Richard Arnold ausdrückte.

Für viele Ratsvertreter war es der erste Besuch im Werk Schießtal nach der Übernahme durch Bosch vor drei Jahren. Der enorme Wandel des Unternehmens zeigte sich nicht nur beim Vorbeimarsch am nagelneuen Zentral-Gebäude und bei der Führung durch die Produktion in der Halle 11, sondern auch bei der Vorstellung der verantwortlichen Manager neben den Geschäftsführern Christian Sobottka (Vorsitzender), Dr. Marcus Parche (Entwicklung) und Hanns Peter Ketteler (Fertigung) – alle drei sind „Neu-Gmünder“. Stefan Grosch, seit 1. Januar 2018 Executive Vice President, Arbeitsdirektor und Nachfolger von Henning Wagner als Geschäftsführer für Finanzen und Einkauf, begrüßte die Gemeinderäte und stellte die neuen Werkleiter vor: Markus Zebisch ist seit 1. Januar 2018 anstatt Karl Martin Kottmann technischer Werkleiter, und Marc Ströbel hat zum 1. Juli die Position des kaufmännischen Werkleiters von Robert Schildmacher übernommen.

Stefan Grosch skizierte den Technologiekonzern Bosch: Über 402.00 Mitarbeiter weltweit, 78,1 Milliaden Euro Umsatz, vier Sparten, darunter die Mobility Solutions, darin eingeordnet ist Bosch AS. „Die Umstellung dieses Bereichs, der früher einmal Kfz-Ausrüstung hieß, Richtung Automatisierung und Digitalisierung ist extrem hoch“, sagte Grosch, „wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern vermehrt Dienstleitungen“. Und: „Wir bei Bosch AS sind bei Lenksystemen die Lenker, wir bestimmen den Markt, wir sind Benchmark in Qualität und Preis, wir sind robust und flexibel.“ Die Strukturen dafür würden von den rund 2200 Mitarbeitern der Zentrale in Gmünd aufgebaut, für alle 25 Standorte in zwölf Ländern und vier Regionen - Grosch: „Deshalb werden wir auch noch stärker international“. Die aktuellen Herausforderungen der Elektrifizierung der Lenkungen und vor allem für das autonome Fahren erfordere neue Arbeitswelten, neue Zusammenarbeitsmodelle, offene Arbeitsplätze. Die Kultur der Kommunikation ändere sich und werde den Nationalitäten, Geschlechtern und Generationen der Mitarbeiter gerecht.

Wir sind die Lenker, wir lenken den Markt!

Stefan Grosch, Bosch AS

Marc Rösel und Markus Zebisch präsentierten den Standort Gmünd: 5500 Mitarbeiter aus 46 Nationen, davon 3350 in der Produktion, in drei Werken auf einer Fläche von 310.000 Quadratmeter. Jährlich werden über fünf Millionen Lenksysteme von Bosch AS an praktisch alle Automobilbauer weltweit ausgeliefert. „Unsere Kernkompetenzen liegen im Umformen, Zerspanen, in der Wärmebehandlung der Werkstoffe, in der Verbindungstechnik und in der Prüftechnik“, erklärte Markus Zebisch.

Stefan Grosch nahm Stellung zum Status des mit dem Betriebsrat vereinbarten Standortsicherungspaktes, der den sozial verträglichen Abbau von 760 Stellen bis Ende 2020 und den Ausbau Gmünds zum Leitwerk regelt. Punkte wie Investitionen in den Standort und erste Optimierungen der Arbeitszeiten seien umgesetzt, der zwingende Abschluss der Arbeitszeitoptimierungen, die Regelung einer zukunftsgerichteten Ausbildung und der weitere Ausbau zum Leitwerk stünden noch an.

Thomas Zeller und Ulrich Herkommer führten die Gemeinderäte durch die Halle 11, wo 1300 Beschäftigte mit Roboterunterstützung die Komponenten der Lenksysteme EPSapa produzieren und montieren.

© Wirtschaft Regional 25.07.2018 21:57
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