„Standorte werden gestärkt“

Fusion RUD und Erlau gehören der Familie Rieger. Erst jetzt wagt man den Schritt, beide Unternehmen zu fusionieren. Das sind die Hintergründe.
  • Blick auf den RUD-Standort in Aalen-Unterkochen.

Aalen

Seit 1988 besitzt RUD 100 Prozent der Anteile an der Erlau AG. Im Interview erklärt Dr. Hansjörg Rieger, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Erlau AG und geschäftsführender Gesellschafter von RUD, warum die Fusion erst 30 Jahre später vollzogen wird, welche Vorteile sich das Unternehmen davon erhofft und welche Auswirkungen die Verschmelzung auf die Standorte haben.

Herr Dr. Rieger, welche strategischen Ziele verfolgt das RUD-Management bei der bevorstehenden Fusion des Unternehmens mit der Erlau AG für die gesamte RUD-Gruppe?

Dr. Hansjörg Rieger: Die RUD-Gruppe ist auf innovative Produkte höchster Qualität ausgerichtet und weltweit tätig. Mit der Fusion können auch die Erlau-Produkte besser im Weltmarkt positioniert werden.

Welche konkreten Synergieeffekte erhoffen Sie dadurch?

Die Fusion macht die Zusammenarbeit zwischen den beiden räumlich getrennten Betriebsstätten leichter und zielführender, da keine Papiere zur Abwicklung zwischen zwei getrennten Unternehmen notwendig sind. Das heißt, es werden Verwaltungsarbeiten eingespart und die ohnehin starke Vernetzung der beiden Produktionsstandorte wird gestärkt.

Warum wurde mit der rechtlichen Verschmelzung jahrzehntelang gewartet?

Beide Betriebe sind sehr gut ausgelastet.

Dr. Hansjörg Rieger
geschäftsführender Gesellschafter

RUD und Erlau waren über viele Jahrzehnte intensive Wettbewerber und dies hat sich auch in den Köpfen der Mitarbeiter widergespiegelt. Deshalb war es zunächst notwendig, die sich stark überschneidenden Produktbereiche zu trennen und die Eigenständigkeit der Erlau mit den beiden Produkten Reifenschutzketten und Objekteinrichtungen zu stärken.

Wie ist Erlau mit diesen beiden Produktgruppen auf den Weltmärkten aufgestellt? Welche konkreten Wachstumsaussichten gibt es?

Heute steht der Name Erlau für Reifenschutzketten und Objekteinrichtungen. Auf dem Sektor der Reifenschutzketten ist Erlau eindeutig Weltmarktführer. Bei den Objekteinrichtungen ist Erlau führend in Deutschland, in Europa und Übersee kann mit der RUD-Organisation im Rücken der Vertrieb besser und schneller ausgebaut werden.

Wie sind diese Geschäftsbereiche aktuell wirtschaftlich aufgestellt?

Reifenschutzketten sind ein typisches Produkt, um die Produktivität im Miningbereich sowohl über als auch unter Tage, in der Schlackeaufbereitung, die bei der Verhüttung von Erzen anfällt, in Steinbrüchen und im Bauwesen zu steigern. Mit Reifenschutzketten werden die Reifen von großen Ladern und Dumpern geschützt. Diese höchst profitable Produktgruppe mit einem Exportanteil von mehr 90 Prozent unterliegt jedoch in besonderem Maße den weltweiten konjunkturellen Schwankungen. Unter den Objekteinrichtungen versteht man bei Erlau das große Feld der Außenmöblierung, wie sie als Bänke oder Sitzgruppen in Innenstädten, in Parkanlagen oder in Wartezonen – bei Bushaltestellen oder bei der Bahn – eingesetzt werden. Darüber hinaus umfasst die Produktgruppe auch Einrichtungsgegenstände für den Sanitärbereich, hier insbesondere Griff- und Sitzsysteme für die Badausstattung. Die Investitionen in die Produktentwicklung und in die Markterschließung haben diesen Bereich in den letzten Jahren belastet.

Welche konkreten Chancen, welche Risiken sehen Sie für die Mitarbeiter an den beiden RUD-Standorten in Ostwürttemberg, Aalen und Unterkochen, nach der Fusion?

Beide Betriebe sind zur Zeit sehr gut ausgelastet. Die oft gestellte Frage im Rahmen von Fusionen nach möglichen Arbeitsplatzverlusten stellt sich somit für uns nicht – ganz im Gegenteil sucht die RUD-Gruppe Mitarbeiter, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.

© Wirtschaft Regional 19.07.2018 17:51
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