Genossen feiern mehrfaches Jubiläum – und sich selbst

Feier Der Genossenschaftstag macht in diesem Jahr in Aalen in Halt. Gefeiert wird indes nicht nur der 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen.
  • BWGV-Präsident Roman Glaser, Kurt Abele, stellvertretender Vorstandschef und Hans-Peter Weber, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb (von links). Foto: rs

Aalen

Ein Blick auf die Statistik genügt: Die Zahl der Genossenschaften und ihrer Mitglieder steigt seit Jahren. Und mit fast vier Millionen Mitgliedern ist Baden-Württemberg bundesweit einsame Spitze: „Zum Vergleich: Es gibt im Land gerade mal drei Millionen Aktionäre“, erklärt Hans-Peter Weber, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb. Das Institut richtet am Samstag, 7. Juli, in Aalen den inzwischen zwölften „Genossenschaftstag“ aus. Was an diesem Tag geplant ist, stellten Weber, sein Stellvertreter Kurt Abele sowie Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) in einer Pressekonferenz vor – und sie warben natürlich für die Idee der Genossenschaft.

Dabei steht die Veranstaltung im Zeichen eines mehrfachen Jubiläums: Zum einen feiern die Genossen 2018 als das „Raiffeisen-Jahr“ – anlässlich des 200. Geburtstags jenes Mannes, der gemeinsam mit Hermann Schulze-Delitzsch die Genossenschaftsidee in die Praxis umsetzte. Zudem würden die VR-Bank Aalen und die Volksbank Gmünd in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiern – wenn sie nicht schon 2017 zur VR-Bank Ostalb fusioniert hätten. „Der Genossenschaftstag in Aalen ist für uns wie Weihnachten“, erklärte Weber, dessen Bank sich bereits vor geraumer Zeit um die Ausrichtung beworben hatte.

Für uns ist es wie Weihnachten.

Hans-Peter Weber
Vorstandschef VR-Bank Ostalb

Auch die Idee hinter den Zusammenschlüssen soll im Mittelpunkt stehen. „Genossenschaften haben in 150 Jahren sämtliche Höhen und Tiefen überdauert – und das, ohne auch nur einmal auf die Hilfe des Staates angewiesen zu sein“, betonte Weber. Glaser: „Unsere Mitgliederentwicklung zeigt, wie beliebt Genossenschaften bei den Menschen sind, aber auch, wie sehr sich unsere Rechts- und Unternehmensform für die Bewältigung vieler Zukunftsherausforderungen eignet.“

In den vergangenen zehn Jahren seien alleine im Südwesten 280 neue Genossenschaften gegründet worden, so Glaser, der sich ausdrücklich bei der Stadt Aalen und OB Thilo Rentschler für das Engagement im Vorfeld bedankte. Die rund 800 Genossenschaften verteilen sich aktuell auf 50 Branchen, erklärte der BWGV-Präsident: „Noch erhebliches Potenzial besteht etwa in der kommunalen Infrastruktur, bei sozialen Dienstleistungen und im Gesundheitswesen.“ Glaser, Weber und Abele betonten zudem die Gemeinwohlorientierung der Idee von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch. „Jede Genossenschaft muss Gewinn erzielen“, so Weber. „Aber Gewinnmaximierung ist nicht das Ziel.“

© Wirtschaft Regional 02.07.2018 21:47
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