Arbeitgeber rügen Regierung

Südwestmetall Bei der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbandes in Aalen klingen scharfe Töne gegen „Umverteilungspolitik“ an.
  • Bei der Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe in Aalen: Vorsitzender Michael Fried (Zweiter von rechts vorne), neuer Geschäftsführer Markus Kilian (Fünfter von rechts vorne) und Referent Nikolaus Förster (vorne links). Foto: Peter Hageneder

Aalen

Die Metall-Arbeitgeber aus der Region kritisieren die aktuelle Bundesregierung für ihren Koalitionsvertrag, der im Zeichen „sozialpolitischer Umverteilung“ stehe. Dr. Michael Fried, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ostwürttemberg im Verband Südwestmetall, forderte bei der Mitgliederversammlung im Explorhino Science Center in Aalen flexiblere Arbeitszeitregeln. Markus Kilian, ab 1. Juli neuer Geschäftsführer der Bezirksgruppe, stellte sich den Mitgliedern vor. Als Referent zeigte Wirtschaftsjournalist Dr. Nikolaus Förster auf, wie Firmen aus Niederlagen lernen können.

„Der wirtschaftspolitische Aufschwung der letzten fünf Jahre wird vermutlich 2018 anhalten“, prognostizierte Fried, der allerdings auf „unterschiedliche Wasserstandsmeldungen über Auslastung und wirtschaftliche Situation“ aus den Metallunternehmen Ostwürttembergs hinwies. Gleichzeitig mahnte er wachsende Risiken durch den Brexit, drohende Handelskriege, aber auch den Koalitionsvertrag, mit dem die Bundesregierung die Weichen in Richtung Umverteilung und mehr Sozialausgaben gestellt habe, an: „Diese Regierung wird für Unternehmen eine der teuersten aller Zeiten“, klagte er. Besonders, dass die Politik die sachgrundlose Befristung für Arbeitsverträge stark einschränken will, kritisierte er: „Dadurch droht der Jobmotor ins Stottern zu geraten“, so Fried, der darauf verwies, dass staatliche Arbeitgeber wesentlich häufiger befristeten als private.

Starre tägliche Höchstarbeitsgrenzen oder eine Ruhezeit von elf Stunden passten nicht zu den Anforderungen einer digitalisierten Wirtschaft, so Fried. Er forderte eine Flexibilisierung, ohne die vereinbarte Gesamtarbeitszeit von 35 Stunden pro Woche zu verlängern. Den mit der IG Metall in der Tarifrunde ausgehandelten Lohnanstieg um 4,3 Prozent nannte er aufgrund seiner Höhe eine „schwere Hypothek für die Zukunft“.

Als designierter Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ostwürttemberg stellte sich Markus Kilian den Gästen vor. Er wolle das Netzwerk weiter pflegen und die wirtschaftsstarke Region erhalten, sagte der 43-Jährige, der zuletzt zehn Jahre beim Kodak-Konzern und davor fünf Jahre beim Werkzeughersteller Stihl tätig war.

Diese Regierung wird für die Unternehmen eine der teuersten aller Zeiten.

Dr. Michael Fried
Vorsitzender Südwestmetall

Niederlagen als Chancen

Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler verwies auf die Bemühungen der Stadt, ein passendes Umfeld für die Wirtschaftsunternehmen und die Beschäftigten zu schaffen: Er erwähnte ein Investitionsprogramm von 300 Millionen Euro, das unter anderem in Wohnungen, Schulen, Mobilität, Kultur und Freizeit fließe.

Wie Unternehmen Niederlagen in Chancen verwandeln können, beschrieb anschließend Nikolaus Förster in seinem Vortrag. Der Journalist und Herausgeber hat mehr als 100 frühere Unternehmenschefs über ihre größte geschäftliche Niederlage befragt und darüber ein Buch veröffentlicht: Unter den Befragten waren auch OBI-Gründer Manfred Maus – er ließ zu, dass Schmiergeld gezahlt wurde – und Starfriseur Udo Walz – er vertraute Mitarbeitern, die ihn bestahlen. „Es sind immer die gleichen Muster und die gleichen Lektionen, die wir daraus lernen können“, sagte Fried. „Folgen Sie Ihrer inneren Stimme“, „Bewahren Sie Ihre Unabhängigkeit“, „Wählen Sie Partner sorgfältig aus“, „Überlassen Sie anderen die Bühne“ waren einige der Ratschläge, die er den Unternehmern erteilte. Bei Fehlern gelte es nicht nach dem Schuldigen zu fragen, sondern: „Wie kam es zu dem Fehler und wie kann er in Zukunft vermieden werden?“

© Wirtschaft Regional 29.06.2018 17:31
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