Mapal auf Wachstumskurs

Bilanz Der Präzisionswerkzeughersteller wird 2018 weiter zulegen, will parallel aber neue Märkte und Branchen erschließen – denn das wichtige Geschäft mit der Autoindustrie steckt im Umbruch.
  • Mapal-Chef Dr. Jochen Kress bei der Pressekonferenz am Stammsitz, zu der Dutzende Journalisten nach Aalen kamen. Foto: Mapal

Aalen

Der Umsatz der Aalener Mapal-Gruppe ist im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 610 Millionen Euro gestiegen. Das hat das Familienunternehmen bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erklärt. „Wir sind mit dem Ergebnis, das wir im vergangenen Jahr erzielt haben, sehr zufrieden“, resümiert Dr. Jochen Kress. Der geschäftsführender Gesellschafter weiß aber auch um die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft, denn gerade die Autoindustrie, noch immer der wichtigste Kunde von Mapal, steckt mitten in einem massiven technologischen Umbruch.

Der Verbrennungsmotor gilt aus Auslaufmodell, Hybrid-, Elektro- oder Wasserstoff-getriebene Fahrzeuge gelten als die Zukunft. „Wir gehen davon aus, dass langfristig das Zerspanungsvolumen in der Automobilbranche sinken wird“, konstatiert Kress. „Neben unserem weiterhin starken Engagement in der Automobilindustrie werden wir unsere Aktivitäten im Luft- und Raumfahrtbereich intensivieren. Zudem werden wir in diesem Jahr umfassende Lösungen für den Werkzeug- und Formenbau präsentieren“, sagt Kress. Letzteren hat der Mapal als „wachstumsstarke Branche“ identifiziert, mit der man sich früher nicht beschäftigt habe. Auch in der Medizintechnik oder der Luft- und Raumfahrtindustrie sollen die Präzisionswerkzeuge aus Aalen stärker zum Einsatz kommen.

Natürlich bleibt Mapal trotz der Erschießung neuer Einsatzbereiche der Präzisionswerkzeuge dem Automobil treu. „Die Autohersteller mögen zwar nicht mehr so viel in die Entwicklung neuer Verbrennungsmotoren investieren“, erklärt Kress. Dennoch hält er den Abgesang auf die Technologie für verfrüht. Für 2030 rechnen Experten mit 125 Millionen verkauften Fahrzeuge (2020: 95 Millionen), der Anteil alternativer Antriebe steige, doch die Zahl der Verbrenner nehme zu – wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor.

Zudem lagern die Autohersteller immer mehr Leistungen an ihre Zulieferer aus, die Nachfrage nach Werkzeugen steigt. In der Branche herrsche aktuell eine „große Unsicherheit“, welcher Antrieb den Platz des aktuellen Primus, des Verbrenners, einnehme. Folge: Die Entwicklungs- und Forschungsausgaben steigen. „Bei der Herstellung eines Hybrid-Motors wird sogar mehr zerspant als bei einem herkömmlichen Antrieb“, so Kress. Auch die Herstellung eines Elektro-Motors werde immer komplexer. „Die E-Mobilität birgt Risiken und Chancen zugleich“, erklärt er. „Wir wollen in jedem Fall vorne mitspielen.“

Kapazitäten erneut ausgebaut

Um weiter zu wachsen investiert Mapal kräftig. Rund sechs Prozent des Umsatzes fließen jährlich in Forschung und Entwicklung. „Wir wollen als Technologieführer weiter innovativ bleiben und der Konkurrenz voraus sein“, sagt Kress. Dazu gehören ständige Neuentwicklungen, die Verbesserung bestehender Werkzeuge und der Ausbau von Service und Dienstleistungen.

Die E-Mobilität birgt Risiken und Chancen.

Dr. Jochen Kress
Mapal-Chef

Als weiteres Beispiel führt Kress die eigene Software-Schmiede an. „C-Com soll als klassisches Start-up agieren“, betont er. Diese, inzwischen 15 Mitarbeiter starke, Tochterfirma soll nicht nur das hauseigene Werkzeugmanagement-System oder Apps entwickeln, sondern die Digitalisierung der gesamten Gruppe beschleunigen. Die spielt bei Mapal eine große Rolle. „Die Art und Weise, wie wir arbeiten, wird sich in den nächsten zwei bis fünf Jahren erheblich verändern“, sagt Kress.

Die Geschäfte bei Mapal laufen also prächtig. Die Aalener haben als Folge die Kapazitäten im vergangenen Jahr erneut erweitert. Bei der Mapal-Tochter Miller in Altenstadt entsteht für zehn Millionen Euro eine neue Produktionshalle. In den USA baut das Unternehmen einen zweiten Standort auf. In Amerika erwirtschaftet Mapal rund 13 Prozent des Umsatzes.

Mapal kauft zu

Ganz zufrieden ist man mit der Entwicklung in den USA laut Kress aber nicht. Deshalb stelle man sich dort neu auf. Er kündigt zudem an, die Produktion in den Wachstumsmärkten wie China auszubauen. Aktuell beschäftigt Mapal 5250 Mitarbeiter, ein Plus von 5,6 Prozent zum Vorjahr. Zwei Drittel davon arbeiten in Deutschland. Vor allem in Ostwürttemberg werde es aber immer schwieriger, Fachkräfte zu finden. Mapal setzt deshalb verstärkt auf den eigenen Nachwuchs, die Zahl der Auszubildenden stieg weltweit um 13 Prozent auf 333, in Aalen sind es 137.

Für 2018 gehen die Aalener von weiterem Wachstum aus. Der Umsatz soll um sieben Prozent auf 650 Millionen Euro steigen, so die Zielsetzung. Dabei hat Kress nicht nur das organische Wachstum im Blick. Auch mit Zukäufen sei bei Mapal zu rechnen, eine Akquisition steht direkt bevor. Zuletzt hatten die Aalener den Ludwigsburger Werkzeugtechniker Lothmann übernommen, der neun Mitarbeiter beschäftigt. Dr. Dieter Kress, auch nach der Stabübergabe an seinen Sohn weiter in der Firma tätig, erklärt die Strategie: „Lieber klein kaufen und groß machen als andersherum.“

© Wirtschaft Regional 28.06.2018 17:09
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