IHK warnt vor Grenzkontrollen

Vollversammlung Mitglieder verabschieden 12-Punkte-Plan mit wirtschaftspolitischen Positionen. Hochschulrektor Schneider beklagt Benachteiligung Ostwürttembergs bei Bildungs- und Forschungsförderung.
  • Traf sich im Bildungszentrum der IHK Ostwürttemberg in Aalen: die Vollversammlung der Kammer. Foto: IHK

Aalen

Die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberghaben sich bei der Vollversammlung in Aalen gegen Grenzkontrollen und für freien Warenverkehr ausgesprochen. In einem 12-Punkte-Plan hat die IHK zudem wirtschafts- und regionalpolitische Positionen formuliert. Die Kammer kritisiert unter anderem die Förderpraxis des Landes. Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen referierte über die Bildungs- und Forschungsinfrastruktur in der Region.

Die wirtschaftspolitischen Positionen 2018 beinhalten Forderungen für die Region gegenüber Land, Bund und Europa auf 150 Seiten. IHK-Präsident Markus Maier sagte zu dem 12-Punkte-Plan: „Das Papier soll die Basis eines dauernden, fortschreitenden Prozesses darstellen, der neue Themen, Erkenntnisse, Veränderungen und künftige Bedarfe für die Region immer wieder aufzugreifen hat.“ Für IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle gehören zum Themenspektrum der regionalen Wirtschaft Bildung und Qualifizierung, Infrastruktur und Digitalisierung, Industrie, Verkehr und Logistik, Handel und Tourismus sowie Dienstleistungswirtschaft. Auch der Gesundheitswirtschaft ist ein Kapitel gewidmet. „Regional bedeutende Zukunftsthemen stecken insbesondere in den Themenfeldern Gewerbeflächenpolitik und Bestandssicherung sowie der Start-up-Region Ostwürttemberg, welche die Gründerlust zum Ziel hat“, betonte Eberle. Die IHK sehe sich künftig noch stärker in der Rolle des zentralen Netzwerkpartners. Auch will sie die Gesamtinteressenvertretung und die Politikberatung intensivieren.

In ihrer Diskussion zu den wirtschaftsrelevanten Themen der Politik gab die IHK-Vollversammlung ein deutliches Votum gegen Grenzkontrollen in Deutschland ab. Für die stark exportorientierte Wirtschaft der Region seien eine offene Wirtschafts- und Währungsunion, der freie Warenverkehr und ein verzögerungsfreier Just-in-time-Mechanismus bedeutend. Eberle: „Die Wirtschaft spricht sich deutlich gegen Grenzkontrollen aus, die den Wirtschafts- und Warenverkehr massiv behindern würden.“ Ein weiteres Thema sprach IHK-Präsident Maier mit der Co-Finanzierung insbesondere im Förderbereich an. Maier betonte: „Das Land setzt teilweise minimale finanzielle Anreize und verlässt sich dann in Sachen Standortinnovations-Daseinsvorsorge wiederum auf die Wirtschaft vor Ort.“ Es stelle sich zunehmend die Frage, wo die klare Trennung staatlicher und privatwirtschaftlicher Aufgaben- und Zuständigkeitsgebiete bleibe. Es dürfe nicht sein, dass diese Art der Quersubventionierung Usus im Land werde. Diese Mittel fehlten der Wirtschaft für eigene Investitionen.

Kontrollen würden den Wirtschafts- und Warenverkehr massiv behindern.

Michaela Eberle
IHK-Hauptgeschäftsführerin

Vorgestellt wurde die Initiative „Hochschule Plus“ der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Land. Damit können Bachelorabschlüsse sowie eine duale Berufsausbildung parallel erworben werden. An der Hochschule Aalen wurde nun in Zusammenarbeit mit der IHK sowie der Technischen Schule Aalen der Studiengang „Allgemeiner MaschinenbauPlus“ erarbeitet. André Louis, Leiter IHK-Geschäftsfeld Ausbildung, erklärte: „Ein Maschinenbaustudium kann nun wahlweise mit einer dualen Berufsausbildung zum Technischen Produktdesigner, Mechatroniker sowie zum Zerspanungs- oder Industriemechaniker kombiniert werden.“

In seinem Überblick über die akademische Bildungs- und Forschungsinfrastruktur in Ostwürttemberg verwies Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen, auf Forschung, Lehre und Transfer als drei Missionen seiner Einrichtung. Im Bereich Forschung sei die Hochschule auf einem guten Weg. Bereits zum zwölften Mal in Folge seien die Aalener die forschungsstärkste Hochschule in Baden-Württemberg. Die Drittmittel für Forschung stiegen in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 20 Prozent und lagen 2017 bei 8,29 Millionen Euro.  Bei der Lehre sieht Schneider insbesondere die Herausforderungen der Digitalisierung. Nahezu alle Studienangebote seien hier betroffen. Um die dritte Mission, den Transfer, gehe es für Einrichtungen wie das Schülerlabor Explorhino, das Studium Generale sowie den Wissenstransfer und die Start-up-Förderung mit dem Inno-Z.

Grundsätzlich gelte es, die Infrastruktur für Bildung und Forschung in der Region weiter auszubauen. Es herrsche ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Ost und West in Baden-Württemberg. In Ostwürttemberg, erklärte Schneider, sollten die regionalen Akteure geschlossen und lauter auftreten, um bei der Regierung in Stuttgart Gehör zu finden.

© Wirtschaft Regional 25.06.2018 12:29
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