Die Zeichen stehen auf Wachstum

Expansion Vier Millionen Euro hat Nord-Lock in einen neuen Standort investiert. Für die Firma beginnt eine neue Ära: Die globale Expansion soll vorangetrieben, das Wachstum noch dynamischer werden.
  • Andreas Maile und Norbert Libotean (v. l.) Fotos: Nord-Lock
  • Der neue, rund vier Millionen Euro teure Standort von Nord-Lock in Lauchheim.

Lauchheim

Der Spezialist für Verbindungstechnik Nord-Lock hat mit dem Bezug seines Neubaus in Lauchheim ein deutliches Zeichen gesetzt. „Mit dem Neubau haben wir nun die perfekten Möglichkeiten, unser Wachstum weiter zu forcieren“, erklärt Geschäftsführer Andreas Maile. Nord-Lock selbst ist für Keilsicherungsscheiben bekannt, die zum Einsatz kommen, wenn es ernst wird. „Normale ‚Unterlegscheiben’, wie sie im Volksmund genannt werden, sind für viele Hersteller C-Teile“, erklärt Maile. Wenn das C- aber zum A-Teil wird, die Schraubenverbindungen also besondere Bedeutung haben oder einer besonderen Belastung ausgesetzt werden, dann kommt Nord-Lock ins Spiel.

Mit dem aufgebauten Know-how im Rücken will Nord-Lock das Wachstumstempo forcieren. Seit 2008 ist die Nord-Lock GmbH eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Nord-Lock International AB. Die Firmengruppe ist in mehr als 65 Ländern vertreten, betreibt 25 Niederlassungen weltweit, beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter und stellt an sechs Produktionsstandorten inzwischen nicht nur die gleichnamigen Keilsicherungssysteme her.

In den vergangenen Jahren wurden fünf Firmen hinzugekauft, darunter Superbolt. Zuletzt wurde im Juli 2016 die schwedische Expander-Gruppe übernommen. „Wir sind ein globales Unternehmen, das sich durch die Zukäufe zu einem Multifunktionsanbieter in der Verbindungstechnik entwickelt“, erklärt Maile, der zum Vorstand der internationalen Gruppe gehört. Die Systeme der Firmengruppe kommen überall auf der Welt zum Einsatz: Auf Bohrplattformen, in Minen, in Schiffsantrieben, sogar im Weltall sichern die Keilsicherungsscheiben Schrauben gegen selbsttätiges Losdrehen. Die Lauchheimer liefern an Konzerne wie GE, Siemens, ABB oder Liebherr.

Trotz der internationalen Expansion ist Nord-Lock eng mit der Region Ostwürttemberg verbunden, was die vier Millionen Euro Investitionssumme widerspiegeln: „Mit dem neuen Standort beginnt bei Nord-Lock eine neue Zeitrechnung“, sagt Maile. Der Neubau ist mehr als eine Niederlassung, hier laufen viele Fäden zusammen, der Draht ins schwedische Hauptquartier ist kurz. Kein Wunder , dass der neue Standort in Lauchheim Modellcharakter für die Gruppe haben soll, wie der kaufmännische Geschäftsführer Norbert Libotean erläutert: „Unser Standort ist der Prototyp für die weiteren globalen Niederlassungen.“

Wir haben eine interessante Reise vor uns.

Andreas Maile
Geschäftsführer Nord-Lock

Mit einem Anteil von rund 20 Prozent am weltweiten Umsatz ist die deutsche Niederlassung führend in der Gruppe. 2017 lag der Umsatz bei 22 Millionen Euro. „Die Umsatzentwicklung in den vergangenen Jahren ist sehr erfreulich“, sagt Maile. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist inzwischen auf 35 gestiegen, 25 von ihnen arbeiten am neuen Standort in Lauchheim. Auch weltweit geht die Kurve steil nach oben. „Wir sind global in den vergangenen Jahren um durchschnittlich zwanzig Prozent gewachsen“, erklärt Maile, fügt aber im selben Atemzug an. „Aber wir kratzen erst an der Oberfläche.“

Um die rasante Entwicklung zu begreifen, muss man mehr als 30 Jahre zurückgehen. Die Geschichte von Nord-Lock beginnt klassisch: Im Jahr 1982 gründet ein Tüftler die Firma in einer Garage in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, schnell werden die Räume zu klein. Bald darauf zieht der Firmengründer in das kleine Städtchen Mattmar, wo seine Tante eine leer stehende Scheune hat. Richtig Schwung in die Entwicklung kommt, als er das Unternehmen an die Investment-Gruppe Latour Industries verkauft. „Das war der Schlüssel für die weitere Entwicklung“, erklärt Maile. Seit 2011 befindet sich die Gruppe auf Expansionskurs, wächst organisch und anorganisch.

Dieses Wachstum sieht nicht nur die Erschließung neuer Märkte mit den Stammtechnologien vor, sondern auch anorganisches Wachstum vor, sprich Akquisitionen von Firmen und neuem Know-how. „Wenn wir Optionen sehen, dann prüfen wir diese. Durch die Zugehörigkeit zu Latour verfügen wir über die notwendigen Reserven. Latour versteht seine Investition in Nord-Lock als langfristiges Engagement“, so Maile. Zur schwedischen Holding gehören auch Firmen wie Securitas oder Assa Abloy. „Unsere Mission ist es, für die Industrie der globale Partner bei hochbeanspruchten Schraubenverbindungen zu sein“, umreißt Maile die langfristigen Ziele. Trotz der Euphorie um Wachstum und den Neubau macht der Geschäftsführer klar: „Eventuelle Zukäufe müssen zu uns, unserer Nische und unserer Strategie passen. Wir gehen unseren Weg nachhaltig. Nicht nur deshalb haben wir noch eine interessante Reise vor uns.“

© Wirtschaft Regional 22.06.2018 19:29
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