Weleda will nachhaltig wachsen

Bilanz Die Internationalisierung bei der AG läuft auf vollen Touren. Umsatz und Ergebnis legen zum sechsten Mal in Folge zu. Die Arzneimittelsparte bleibt jedoch das Sorgenkind.
  • Der Vorstand der Weleda AG: Andreas Sommer, Michael Brenner, Aldo Ammendola. Foto: Weleda AG

Schwäbisch Gmünd

Die Weleda AG wird immer internationaler: Vor allem dank gut laufender Auslandsmärkte hat der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller Umsatz und Gewinn zum sechsten Mal in Folge gesteigert. „Das Jahr 2017 ist für uns wirtschaftlich gut gelaufen“, erklärte Verwaltungsratschef Paul Mackay bei der Bilanzpressekonferenz der AG mit Sitz in Arlesheim in der Schweiz. Zudem habe man im vergangenen Jahr „einige Grundsatzentscheidungen getroffen, um Weleda zukunftsfähig auszurichten“.

Dazu gehört zum einen, die schon begonnene Internationalisierung weiter zu forcieren. Vor allem von den Märkten USA, Brasilien und Südkorea verspricht man sich in Gmünd und Arlesheim einiges. „Wir sind globaler Marktführer, wollen deshalb auch global präsent sein“, erläutert Vorstandsmitglied Andreas Sommer. In den USA habe Weleda einen kompletten Neustart hingelegt, mit neuem Team und neuer Strategie. „Wir wachsen dynamisch und sind voll Kurs“, so Sommer. Brasilien sei wie ganz Südamerika ein wichtiger Markt. Auch in Russland entwickelt sich die Nachfrage gut. „Wir wachsen dort kontinuierlich im zweistelligen Bereich.“ Deshalb habe Weleda auch eine eigene Niederlassung in der Ukraine gegründet. Trotz der Spannungen zwischen den Ländern, tickten die Märkte ähnlich, erklärt Sommer die ungewöhnliche Entscheidung. Zudem ist Weleda nun mit einer eigenen Niederlassung in Südkorea vertreten.

Auch die eigene Forschung und Entwicklung will Weleda stärken und ausbauen. „Diese Fundgrube haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt“, so Mackay (siehe auch Kasten). Bereits 2017 habe man viele neue Produkte auf den Markt gebracht, das Tempo soll nun nochmals deutlich verschärft werden. Mackay: „Wir haben jetzt die Finanzmittel, um kräftig zu investieren.“ Dass dem so ist, liegt an den sechs Wachstumsjahren in Folge, wie Finanzchef Michael Brenner betont.

Im vergangenen Jahr ist der Umsatz um 2,8 Prozent auf 400,9 Millionen Euro gestiegen, das Nettoergebnis von 13 Millionen Euro sei das beste Ergebnis in der Geschichte der Weleda gewesen, erklärte Brenner.

Wir sind globaler Marktführer.

Andreas Sommer
Vorstandsmitglied Weleda AG

So ist es der Weleda auch gelungen, die Krise Anfang der 2010er-Jahre endgültig zu überwinden. Beispiel: Vor fünf Jahren drückten die Weleda noch Verbindlichkeiten in Höhe von 110 Millionen Euro, heute habe man im Gegensatz dazu Eigenmittel in Höhe von 40 Millionen Euro. Die Schulden liegen noch bei rund zehn Millionen Euro. „Ende 2018 wollen wir schuldenfrei sein“, gibt Brenner als Ziel aus. Die Eigenkapitalquote stieg innerhalb von fünf Jahren von 22 auf 47 Prozent. „Die Liquidität ist der Atem eines Unternehmens, das Eigenkapital der Speck am Bauch, der die Resilienz erhöht“, so der Finanzchef.

Während die Naturkosmetik weiter gedeiht, bleibt das Geschäft mit den Arzneimitteln das Sorgenkind. Mackay beziffert den Verlust, den die Sparte 2017 erwirtschaftet hat, im zweistelligen Millionenbereich, der Umsatz stagnierte auf Vorjahresniveau. „Die Entwicklung zeigt noch nicht in die richtige Richtung“, erklärt Mackay. Dennoch will die AG an der Sparte festhalten. „Wir sind überzeugt und guter Hoffnung, dass wir auch diesen Bereich zukunftsfähig und wirtschaftlich erfolgreich gestalten können.“

Einen ungewöhnlichen Schritt geht Weleda wiederum in den Niederlanden. Dort will man vier Wellness-Standorte (Spas) eröffnen und Dienstleistungen rund um Schönheit und Wohlbefinden anbieten. „Wir sehen in diesem Bereich eine große Nachfrage“, so Sommer. Mit drei verschiedenen Prototypen und Konzepten will man den Versuch wagen. Und so eine neue Agilität und Innovationsfreude demonstrieren, die sinnbildlich für die neue Weleda stehen soll.

Weleda erweitert Führungsteam

Neuzugang Um die eigene Forschung und Entwicklung zu stärken, erweitert die Weleda AG ihr Führungsgremium. Alois Mayer werde zum 1. Juli die Leitung der Produktion übernehmen und so Dr. Aldo Ammendola entlasten, der bisher sowohl für Forschung als auch für die Fertigung zuständig war, erklärte Verwaltungsratschef Paul Mackay. Mayer werde vor allem am Standort Schwäbisch Gmünd tätig sein.

Kein CEO Einen neuen Vorstandschef wie Ralph Heinisch, der im vergangenen Jahr Weleda verlassen hatte, soll es nicht mehr geben. Man setze auf eine „kollegiale Führung“, so Mackay. Alle Vorstandsmitglieder sollten auch jenseits ihrer Bereiche Verantwortung übernehmen.

© Wirtschaft Regional 07.06.2018 19:47
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