Weidner stellte zu spät um

Insolvenz Der Waldstetter Manufaktur für hochwertige Ringe wurden Altlasten zum Verhängnis. Insolvenzverwalter führt Betrieb fort und sucht Investor.
  • Auf der „Inhorgenta 2018 “ in München präsentierten sich gemeinsam die Firmen Titan Factory, Weidner und Te No. Foto: -wh-
  • Solche Ringe von Te No veredelt die Manufaktur Weidner GmbH in Waldstetten. Foto: Te No

Waldstetten.

Die Altlasten waren ganz offensichtlich zu groß und nicht mehr kompensierbar – drei Jahre nach der Übernahme der bereits insolventen Vorgängerfirma in Schwabach in Franken ist nun auch die neue Ringmanufaktur Weidner GmbH, die seit 2016 Ihren Sitz in der Carl-Zeiss-Str. 9 in Waldsteten hat, in finanzielle Schieflage geraten. Geschäftsführer Manfred Dornbusch musste deshalb am vergangenen Freitag Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Das Amtsgericht Aalen bestellte Joachim Illig zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Stuttgarter Rechtsanwalt wird den Geschäftsbetrieb von Weidner vorläufig uneingeschränkt weiter führen und hofft, nicht nur die aktuell sechs Arbeitsplätze zu sichern, sondern auch einen Investor zu finden, der auch ein Fortbestehen des Traditionsunternehmens garantieren kann.

Weidner – ein Markenbegriff

Die Ringmanufaktur Weidner ist ein Traditionsunternehmen mit annähernd 100 Jahren Erfahrung in der Anfertigung und Veredelung von Trauringen und Partnerringen aus Platin, Palladium, Gold und Silber. Das ursprüngliche Unternehmen hatte seinen Sitz in Schwabach, ging dort aber 2015 in Insolvenz. Der jetzige Geschäftsführer Manfred Dornbusch entschied sich 2016 zum kompletten Umzug nach Waldstetten – in unmittelbare Nachbarschaft zu einem der größten Weidner-Kunden, der Titan Factory GmbH in der Rudolf-Dieselstraße 1, ebenfalls in Waldstetten.

Fokus auf Veredelung

Manfred Dornbusch entschloss sich Anfang des Jahres 2018 dazu, die Herstellung von Edelmetallringen mit innovativen Materialkombinationen aus Karbon, Edelstahl oder Titan einzustellen und sich nur auf die Veredelung zu fokussieren.

Ich suche für Weidner einen Investor.

Joachim Illig
Insolvenzverwalter

Dieser Schritt sei wahrscheinlich zu spät erfolgt, vermutete Joachim Illig im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Verlagerung der Firma von Schwabach nach Waldstetten habe im Endeffekt zu viel Geld verschlungen. Insbesondere hohe Abfindungszahlungen an Mitarbeiter, die das Angebot zum Umzug von Schwabach nach Waldstetten nicht annahmen, hätten dem Unternehmen den finanziellen Boden entzogen.

Suche nach Investor

Die jetzige Geschäftstätigkeit, die reine Veredelung der von Gold- und Silberschmieden der Weidner-Kunden bzw. Zulieferer gefertigten Trau- und Partnerringe mit Edelsteinen, sei betriebswirtschaftlich erfolgreich, meinte der vorläufige Insolvenzverwalter. Die Lösung für Weidner könnte ein Investor bringen, der das Unternehmen aber zunächst entschulden müsse.

Joachim Illig will, wenn er die Gründe der Weidner-Insolvenz komplett analysiert hat, mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen. Starkes Interesse an einer Fortführung von Weidner hat zum Beispiel der Großkunde Titan Factory GmbH. Diese ging im Jahr 2004 aus einem traditionsreichen Gmünder Gold und Silber verarbeitenden Betrieb hervor. Seit 2008 entwickelt und produziert Titan Factory unter der Geschäftsführung von Stephan Knödler mit über 20 Mitarbeiter im neuen Produktionsgebäude in Waldstetten Titanschmuck-Creationen, insbesondere Trauringe in der Kombination mit Edelmetallen und Brillanten für einen weltweiten Markt.

Auf der bedeutendsten europäischen Edelschmuckmesse, der „Inhorgenta“ in München, präsentierten sich in diesem Jahr unter dem Dach der Vertriebsgesellschaft TFI Titan Factory International GmbH (Sitz ebenfalls Waldstetten), die drei Firmen Titan Factory (Produktion) GmbH, Weidner GmbH und die Pforzheimer TeNo-Manufaktur PSM Schmuck & Accessoires GmbH ihr breites Portfolio. Zum Beispiel Ringe der Marke „Secret Heart“. Das Interesse der Fachbesucher in München am Angebot dieses „Ringe-Dreigestirns“ war hoch.

© Wirtschaft Regional 04.06.2018 18:50
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