Die Heimat der Leimbinder

Holzwirtschaft Das neue Leimholzwerk von Ladenburger in Bopfingen nimmt seinen Betrieb auf. Für rund 15 Millionen Euro entstand eine Anlage, wie sie in der Region wohl einmalig ist.
  • Die neue Halle von Ladenburger in Bopfingen. Foto: Ladenburger
  • Blick in die neue Leimbinder-Produktion. Foto: rs

Bopfingen

Berthold Hochstatter mag seinen neuen Arbeitsplatz. „Durch die vielen hohen Fenster ist es hier immer taghell“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Und es riecht immer nach Holz.“ Das ist kein Wunder. Schließlich ist Hochstatter Betriebsleiter der neuen Produktionshalle am Bopfinger Standort der Holzwerke Ladenburger. Hhier wird Holz im Sekundentakt gesägt, gehobelt und verleimt. Knapp 15 Millionen Euro hat das Unternehmen in sein neues Leimholzwerk investiert. Aktuell läuft noch der Probebetrieb. Bald sollen hier rund 80 000 Kubikmeter Holz pro Jahr verarbeitet werden.

Hochstatter steigt die Treppen auf das Holz-Gerüst hinauf und erklärt die Anlage aus der Vogelperspektive. Im Sekundentakt fahren lange Latten durch die Anlage, werden geschichtet, sortiert, gesägt, gepresst. Schritt für Schritt wird aus den Hölzern Leimholz hergestellt, das vor allem im Wohnungsbau zum Einsatz kommt. Die riesige Anlage erstreckt sich auf rund ein Drittel der Hallenfläche, im Rest des Gebäudes lagern meterhohe Holzvorräte – und eben die fertigen Leimholzprodukte. „Die Rohware wird entstapelt, ein Scanner wertet die Hölzer aus, anschließend werden sie sortiert und gekappt“, erklärt Hochstatter die erste Station. Kleine Fehler im Holz haben keine Chance. Anschließend werden die Hölzer nach Länge sortiert und mit einem Melanin-Zwei-Komponenten-Leim keilverzinkt. Das dauert eine Zeit, der Leim muss aushärten. „Damit das klappt, muss die Raumfeuchtigkeit bei exakt 40 Prozent liegen“, sagt Hochstatter und zeigt nach oben. Eine Befeuchtungsanlage sorgt dafür, dass das Klima in der Halle nicht zu trocken wird. Nach ihrer Pause werden die Lamellen gehobelt.

Anschließend wird es komplex, immerhin steht der Kernprozess an: das Verleimen der Lamellen zu dem, was der Volksmund Leimbinder nennt. Ganz so banal ist es nicht, sagt Hochstatter. Es gibt zwei Optionen, je nachdem, wo und wie das Holz verbaut wird. Dabei ist nicht nur die Stärke, also die Dicke des Leimbinders ausschlaggebend, sondern auch, wie das Holz verleimt wird. Entweder wird der Leim auf der größeren Fläche der Lamelle, der ‚flachen Seite’ aufgetragen, oder auf der schmalen Seite des Holzes. Schmalseitenverleimung ist eine der Spezialitäten von Ladenburger.

2017 ist Ladenburger um zehn Prozent gewachsen

Wir wollen nachhaltig und solide wachsen.

Klaus Brodbeil
Geschäftsführer Ladenburger

Solche Leimbinder kommen vor allem im Hausbau zum Einsatz. Die Produktion ist anspruchsvoll: Die Lamellen werden verleimt, aneinandergelegt und kommen in eine riesige Presse. Der Leim wird dann per Hochfrequenzfeld auf 60 Grad erhitzt, parallel werden die Lamellen mit einem Druck von zehn Kilo pro Quadratzentimeter von der Seite und fünf Kilo pro Quadratzentimeter auf der Fläche gut anderthalb Minuten zusammengepresst. „Wir haben uns für eine Warmpresse entschieden, da der Ausschuss geringer ist, als wenn wir die Lamellen kalt pressen“, erklärt der Betriebsleiter. Zum Abschluss werden sie millimetergenau auf die erforderliche Länge gekappt, dann folgt das Finish der Balken und die Verpackung: Fertig ist das Schichtholz.

Dass Ladenburger den Standort in Bopfingen erweitert hat, ist Folge des Wachstums des Unternehmens. 2017 war das Unternehmen um zehn Prozent gewachsen, in diesem Jahr prognostiziert Geschäftsführer Klaus Brodbeil ein Plus von sechs bis zehn Prozent. „Wir wollen nachhaltig und solide wachsen. Das ist unser Ziel“, erklärt Brodbeil, der die Firma gemeinsam mit Viktor Ladenburger, Steffen Häußlein und Markus Hauber leitet.

Der Rohstoff Holz liegt im Trend, das merkt das Unternehmen mit Sitz in Aufhausen und Werken in Bopfingen, Kerkingen und im sächsischen Geithain. „Wir spüren eine starke Nachfrage vor allem nach verleimten Produkte“, erklärt Marketingleiter Joachim Hoffmann. Deshalb wurde das Werk in Bopfingen erweitert. Mit dem neuen Werk ist Ladenburger in der Lage, an allen Standorten 880 000 Kubikmeter Holz pro Jahr zu verarbeiten. „Das gibt unserer Firma einen enormen Schub“, so Brodbeil. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 750 Mitarbeiter, durch den Neubau schafft Ladenburger mehr als 25 neue Jobs.

Zurück zu Hochstatter. Bald soll die neue Anlage ihren Regelbetrieb aufnehmen. Mehrere Monate haben die Techniker, Ingenieure und Hochstatter an den Abläufen gefeilt, das Layout der Maschine optimiert. Anfangs sollte sie sich auf zwei Etagen erstrecken, jetzt fügt sie sich effizient in die Halle und die Abläufe ein. Zudem erfreut sich Hochstatter heuer nicht nur am steten Tageslicht, sondern an einer perfekt geölten Maschinerie.

© Wirtschaft Regional 01.06.2018 18:56
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