Markus Schramek richtet BEW neu aus

Betriebsübernahme Der Aalener hat dem Amtek-Konzern die frühere Scholz-Tochter BEW-Umformtechnik GmbH in Rosengarten abgekauft. Er setzt auf Digitalisierung und neue Geschäftsfelder.
  • Markus Schramek hat die BEW Umformtechnik in Rosengarten gekauft und wurde in den „Senat der Wirtschaft“ berufen. Foto: BEW

Der Aalener Dipl.-Betriebswirt (FH) Markus Schramek (38) hat die Neuausrichtung der Essinger Scholz AG zum Sprung in die Selbstständigkeit genutzt. Er startete seine Berufslaufbahn bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart und wechselte 2010 zur Scholz-Tochter Scholz Edelstahl (SES) GmbH. Als diese 2014 der indische Amtek-Konzern kaufte, wurde Markus Schramek zum kaufmännischen Leiter der am 20. Juli 1899 als Baubeschlag- und Eisenwarenfabrik Westheim gegründeten BEW-Umformtechnik GmbH, einer SES-Tocher, bestellt. Amtek veräußerte 2017 Konzernteile. Zum 23. Juni 2017 kaufte Schramek die BEW-Umformtechnik in Rosengarten bei Schwäbisch Hall – und packt den Umbau des Traditionsunternehmens mit Blick auf die Digitalisierung offensiv an.

Schramek in Senat berufen

Für seine zukunftsgerichtete Geschäftsführung findet er nicht nur bei den rund 200 Mitarbeitern große Anerkennung. Kürzlich wurde Markus Schramek in den „Senat der Wirtschaft Deutschland“ und in den „Senate of Economy Europe“ berufen. Die Urkunden dafür überreichten ihm im Deutschen Bundestag in Berlin Senatspräsident Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher und Dr. Walter Döring, der Vorsitzende von Senate Europe und frühere Wirtschaftsminister Baden-Württembergs. „Ich freue mich über die Berufung in den Senat, dessen Werteverständnis, Grundsätze und Ziele ich teile. Ich unterstütze den Senat aktiv und will eine starke Stimme für die Region und unsere Branche sein“, sagt Markus Schramek.

Seine Strategie definiert das neue Senatsmitglied so: „Die innovative Kraft und der Mut zur Weiterentwicklung prägen den Entwicklergeist unseres Unternehmens. Mit einer konsequenten Orientierung am Markt und an unseren Kunden erschaffen wir neue Anstöße und Visionen. Das Qualitätsbewusstsein und der Wille, für unsere Kunden neue Wege zu gehen, sind die Basis unseres Erfolgs.“

Der Kundenkreis von BEW

Zu den Kunden der BEW gehören Unternehmen aus der Nutzfahrzeug-, Pkw-, Landmaschinen-, Baumaschinen-, Flurförderzeuge-, Armaturen- und Hydraulikindustrie sowie Maschinenbau. Für diese produziert der Umformspezialist hoch beanspruchte Schmiedeteile, von wärmbehandelten Schmiederohlingen bis zu komplett bearbeiteten Bauteilen in roher, vorbearbeiteter oder einbaufertiger Verarbeitung. Dabei deckt BEW die komplette Wertschöpfungskette von der CAD-Konstruktion, Werkzeugerstellung, Materialtrennung, Schmiedung, Warmbehandlung, Endbearbeitung bis zur mechanischen Bearbeitung der Schmiedeteile ab.

Wir setzen auf E-Mobilität und erhöhen deshalb die Fertigungstiefe.

Markus Schramek
BEW-Chef

200 BEW-Mitarbeiter erwirtschafteten 2017 einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Die gleiche Marke strebt der geschäftsführende Gesellschafter auch im laufenden Geschäftsjahr an – allerdings: „Wir werden künftig verstärkt darauf achten, dass sich unsere Aufträge auch betriebswirtschaftlich rechnen.“ Mit anderen Worten: Schramek will das EBIT steigern, die Rentabilität und die Effizienz erhöhen. Und er will eine tiefere Wertschöpfungskette implementieren und setzt auf CNC-gesteuerte Maschinen und Anlagen. Derzeit gehen zwei neue Anlagen, für die BEW 500.000 Euro investierte, in Betrieb. Der Hintergrund: „Die Industrie steckt durch die Digitalisierung im Wandel, dem wir folgen müssen“, sagt Schramek.

Bisher kamen die Aufträge zu 50 Prozent von Nutzfahrzeugherstellen, je 15 Prozent aus der Pkw- und der Landwirtschaftsmaschinenindustrie, der Rest aus dem Maschinenbau – Schramek: „Wir setzen auf E-Mobilität, deshalb müssen wir auch die Fertigungstiefe erhöhen, weil sich die Zahl der Komponenten verringern wird. Wir wollen den Kunden alles aus einer Hand beliefern und möglichst keine Fertigungen außer Haus geben. Nur so können wir auch die allerhöchste Qualität garantieren. Unser zertifiziertes Qualitäts-Management nach der neuen IATF 16 949 2016 schließt dabei sämtliche Bereiche von der Anfrage, der Konstruktion, der Produktion, dem Kundenservice bis zur Betreuung nach Abschluss des Auftrags ein.“

Neue Geschäftsfelder

Und Markus Schramek, der mit seiner Frau und den beiden Töchtern nach wie vor im Raum Aalen wohnt, will neue Geschäftsfelder erschließen. Zum Beispiel die Medizintechnik. Um in dieser Branche Fuß zu fassen, hat er ein Unternehmen im Bodenseekreis zugekauft. Auch in die Luftfahrtbranche und die Komponentenfertigung für E-Bikes will er einsteigen. Die Netzwerke des Senats der Wirtschaft sind dabei sicherlich förderlich. „Wir gehen die Veränderungen gezielt, aber mit Bedacht an“, betont Schramek, „wichtig ist vor allem, dass wir unsere Mitarbeiter motivierend mitnehmen.“

Gefragt sind bei der BEW derzeit Maschinen- und Anlagenbediener, Techniker und Ingenieure. „Im Fokus steht die eigene Ausbildung von CNC-Drehern und Werkzeugmachern“, erklärt Schramek. BEW stellt 12 bis 15 Azubis pro Jahr ein.

© Wirtschaft Regional 29.05.2018 20:46
2288 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?