Ein Harley-Fan als Harley-Händler

Neubau Für Bernhard Gneithing ist die neue Harley-Davidson-Niederlassung in Gmünd nicht nur die Rückkehr in die Heimat, sondern die Konsequenz aus Marktanalysen – und der eigenen Leidenschaft.
  • Bernhard Gneithing ist der Leiter der Harley-Davidson-Niederlassungen in Böblingen und Schwäbisch Gmünd. Foto: Annette Cardinale Fotografie

Schwäbisch Gmünd

Sein Herz verlor Bernhard Gneithing vor rund 30 Jahren. Einer seiner Freunde fuhr eine Harley-Davidson. „Als ich das erste Mal auf dem Motorrad saß, ein paar Kilometer gefahren bin, da war es um mich geschehen“, erzählt er und lacht. „Diese brachiale Urwüchsigkeit hat mich seither nicht mehr losgelassen.“ Gneithing kaufte sich daraufhin nicht nur seine erste Harley, er hat daraufhin seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Der gebürtige Ellwanger arbeitete ab 1998 für die Marketingabteilung von Harley, betreute die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Das war ein echter Traumjob: Ich bin rund um die Welt geflogen. Doch nach knapp 15 Jahren war einfach die Zeit für etwas Neues reif.“

Vor fünf Jahren eröffnete er deshalb eine Harley-Niederlassung in Böblingen. Schon damals sei das Ziel gewesen, einen Standort in Ostwürttemberg zu eröffnen. „Aus Harley-Sicht ist die Region ein schwaches Gebiet.“ Die nächsten Niederlassungen sind Nürnberg, Würzburg, Ulm und eben Böblingen. „Wir haben daraufhin das Gespräch mit Harley gesucht, Marktanalysen angestellt und standen schließlich vor der Wahl: Gmünd oder Göppingen.“ Die Entscheidung für Gmünd fiel schnell – fußt allerdings nicht nur auf Instinkt und Heimatverbundenheit.

Im Gmünder Westen fand Gneithing den besten Standort

„Von hier aus können wir den Markt gut bearbeiten: Hall, Ellwangen, Aalen, Heidenheim und das Remstal sind gut zu erreichen.“ Was für die Kunden eines normalen Autohauses allzu lange Wege wären, ist für seine Klientel kein Problem. „Der Großteil der Harley-Fahrer geht zum Vertragshändler, auch wenn es ein paar Kilometer mehr sind.“ Im Gmünder Westen wurde Gneithing dann bei der Suche nach einem Grundstück fündig. „Die Stadt hat uns von Anfang an richtig gut unterstützt. Das war bei unserer Entscheidung sicher auch ein wichtiger Faktor.“

Die Zeit war reif für etwas Neues.

Bernhard Gneithing
Niederlassungsleiter von Harley-Davidson in Schwäbisch Gmünd

Im August 2017 starteten die Bauarbeiten. „Wir haben mit einem Generalunternehmer gearbeitet. Daher lief der Bau relativ reibungslos ab.“ Nach nur wenigen Monaten Bauzeit verfügt die neue Niederlassung über eine Fläche von 1500 Quadratmeter, auf etwas mehr als der Hälfte ist die Werkstatt und das Lager untergebracht, die restlichen 700 Quadratmeter sind Verkaufsfläche. Vor einigen Wochen wurde der Standort mit einem Tag der offenen Tür eröffnet.

Der klassische Harley-Fahrer? „Den gibt’s nicht mehr!“

Zählten früher vor allem Rocker und Alternative zu den Harley-Fahrern, ist das heute anders. „Harley-Davidson spiegelt zwar noch immer ein Lebensgefühl“, sagt Gneithing. Den klassischen Harley-Fahrer von einst gebe es aber schon lange nicht immer. „Harley-Fahrer gibt es in Deutschland in jedem Alter, in jeder Bevölkerungsschicht, egal ob es der ewige Rocker oder der Manager ist, der am Wochenende auf seiner Harley-Davidson unterwegs ist.“

Dabei reduziert sich das Motorrad nicht mehr auf den Mythos, wie das früher einmal der Fall war. „Harley-Davidson hat sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren sehr positiv entwickelt“, sagt Gneithing. Das gelte zum einen für die Verkaufszahlen. In Deutschland wollen die Amerikaner in diesem Jahr bis zu 11.000 neue Motorräder verkaufen, die Absatzzahlen wachsen seit Jahren – und das, obwohl der Motorradmarkt stagniert. Auch technologisch sei Harley-Davidson auf der Höhe der Zeit, sagt der Niederlassungsleiter. „Die Motorräder bringen Tradition und Technik unter einen Hut. Sie sehen aus wie in den 1960er-Jahren, haben alle Annehmlichkeiten der Gegenwart an Bord.“ Ob mit, ob ohne Technik von heute: Harley-Davidson wird ein Mythos bleiben. Warum, weiß wohl niemand so gut wie Bernhard Gneithing.

Nachdem er nämlich dereinst sein Herz verlor, wollte er sich natürlich eine eigene Harley zulegen. Als Student mit kleinem Geldbeutel ein schwieriges Unterfangen. „Für 6000 Dollar habe ich meine erste Harley gekauft - in Einzelteilen.“ Einmal zusammengebaut, hat er mit dieser dann ganz Europa bereist. „Das war ein wunderbares Erlebnis“, sagt er und meint damit nicht nur das Fahrgefühl. „Egal in welchem Land: Ich wurde ständig angesprochen. Zum Thema Harley fällt nämlich fast jedem was ein – und zwar nur Positives.“

© Wirtschaft Regional 25.05.2018 19:39
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