SHW WM ist insolvent

Schieflage Der Werkzeugmaschinenbauer aus Wasseralfingen steckt in einer Krise: 2017 war der Umsatz eingebrochen, die Verluste hoch. Insolvenzverwalter Martin Mucha muss die Firma sanieren.
  • Diese Doppelständermaschine von SHW WM wird bei Liebherr zur Großteilebearbeitung eingesetzt. Foto: Archiv

Aalen-Wasseralfingen

Der Werkzeugmaschinenbauer SHW WM hat beim Amtsgericht Aalen Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beschäftigt aktuell weltweit 300 Mitarbeiter, 240 davon in Wasseralfingen. Das Amtsgericht hat Martin Mucha von der Kanzlei Grubb-Brugger zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Insolvenz ist offenbar der vorläufige Höhepunkt einer Unternehmenskrise, die bereits seit Anfang des vergangenen Jahres schwelt.

Laut Insolvenzverwalter Mucha ist dem Traditionsunternehmen ein stark gesunkener Umsatz zum Verhängnis geworden: „2017 hat das Unternehmen nur noch einen Umsatz von 33 Millionen Euro erwirtschaftet“, so Mucha im Gespräch mit dieser Zeitung. Für das Vorjahr hatte SHW WM im Bundesanzeiger laut veröffentlichter Bilanz noch Erlöse von mehr als 46 Millionen Euro ausgewiesen. In Spitzenzeiten lag der Umsatz bei rund 60 Millionen Euro, so Mucha. Zudem seien im vergangenen Jahr „erhebliche Verluste“ aufgelaufen, erklärte der Sanierer.

Wie SHW WM in einer Pressemitteilung erklärte, habe sich die „Unternehmenskrise“ bereits seit Anfang des Jahres 2017 abgezeichnet. Damals hatte sich die Konjunktur für Hersteller von Großbearbeitungszentren abgekühlt. Zwar habe man in dieser Zeit Großaufträge aus China gewonnen. Diese seien jedoch in Teilen nicht realisiert worden und hätten darüber hinaus „nachteilige Deckungsbeiträge“ erwirtschaftet, sprich: SHW hat mit den Maschinen entweder wenig oder gar keinen Gewinn erwirtschaftet. Im Herbst 2017 verschärfte sich die Krise dann trotz zunehmend guter Wirtschaftslage. Die Verluste wuchsen, die Liquiditätssituation spitzte sich zu.

Dennoch blieb man optimistisch, die Umsatzplanung sah für 2018 ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich vor. Die Auftragsbücher waren bereits im Januar prall gefüllt. Parallel versuchte das Management um den geschäftsführenden Gesellschafter Anton Müller einen Restrukturierungsprozess zu starten – der nun in der Insolvenz endete. „Ich bedauere sehr, dass wir trotz voller Auftragsbücher und vielen Überstunden in der Fertigung in unseren Restrukturierungsbemühungen gebremst wurden“, erklärte Müller.

Hühn-Nachfolger gilt als erfahrener Sanierer

Ich sehe realistische Chancen.

Martin Mucha
vorläufiger Insolvenzverwalter

Im Zuge dieses Firmenumbaus hatte sich das Unternehmen zudem von Geschäftsführer Christian Hühn getrennt und ihn durch Bernd Grupp ersetzt. Gerüchte über die Gründe der Trennung wollte Mucha nicht kommentieren. Nachfolger Grupp wiederum gilt als erfahrener Sanierer und verfügt eigenen Angaben zufolge über eine mehrjährige Projekterfahrung aus Restrukturierungsfällen, bei Unternehmenstransaktionen sowie operative Erfahrung beim Management von Sondersituationen. Er kennt sich überdies in der Branche bestens aus.

„Wir sind mit Kunden, Lieferanten und Banken im Gespräch, um den Betrieb fortzuführen und um Arbeitsplätze zu erhalten. Unser gemeinsames Konzept mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter sieht vor, alle möglichen Optionen hierfür zu prüfen“, erklärte Grupp. Auch Mucha ist optimistisch: „Das Unternehmen ist gut aufgestellt, verfügt über innovative Technologie und volle Auftragsbücher. In einem ersten Schritt muss jetzt zunächst der Geschäftsbetrieb stabilisiert werden.“ Er sieht „durchaus realistische Chancen, den Betrieb im Zuge des laufenden Insolvenzverfahrens zu sanieren“.

Ähnlich sieht es Müller: „Mit unserer exzellenten Fräskopftechnologie, unserem modularen Baukastensystem sowie unseren loyalen und leistungsbereiten Mitarbeitern sind wir für die kommenden Herausforderungen des Marktes exzellent aufgestellt.“ Laut Mucha sei die Marke SHW im Werkzeugmaschinenmarkt „bestens eingeführt“, das Unternehmen sei für viele namhafte Kunden ein wichtiger Partner.

Auch Aalens OB Thilo Rentschler äußerte sich zur Insolvenz von SHW WM: „Es ist bedauerlich, dass es bei diesem innovativen Unternehmen zu einer finanziellen Schieflage gekommen ist. Die Produkte der Firma sind am Markt nicht nur konkurrenzfähig, sondern besitzen eine hohe technologische Qualität. Ich hoffe, dass im Insolvenzverfahren eine Lösung gefunden wird, die möglichst viele Arbeitsplätze erhält.“ Die Löhne und Gehälter der 240 Mitarbeiter in Wasseralfingen sind, wie bei Insolvenzen üblich, über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur abgesichert. Die SHW-WM-Tochter SHW Bearbeitungstechnik GmbH ist laut Mucha nicht von der Insolvenz betroffen.

© Wirtschaft Regional 16.05.2018 17:02
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