Justiz ermittelt bei Flex Fonds

Anlage Gegen Gerald Feig läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Es geht um den Postturm in Schorndorf. Feig weist die Anschuldigungen zurück.
  • Die Zentrale von Flex Fonds in Schondorf durchsuchte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am 11. April. Foto: Archiv
  • Flex-Fonds-Gründer Gerald Feig. Foto: ASC

Schorndorf/Schwäbisch Gmünd

Ärger für den gebürtigen Gmünder und Chef des Anlagespezialisten Flex Fonds, Gerald Feig: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat gegen ihn und zwei ehemalige Fonds-Manager ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue und Betrugs eingeleitet. Wie die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, soll er den von ihm und seinem Unternehmen gebauten „Postturm“ in Schorndorf angeblich zu einem überhöhten Preis an einen von ihm gemanagten Fonds verkauft haben. Der Schaden für die Fonds-Anleger soll sich laut der Zeitung auf 2,2 Millionen Euro belaufen. „Der Verkauf könnte eine Untreuehandlung darstellen“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Anfrage dieser Zeitung. Feig weist den Verdacht gegen ihn und die Mitbeschuldigten „strikt zurück“. Die Vorwürfe würden sich hoffentlich rasch entkräften lassen. Man unterstütze die Ermittler mit Informationen, habe selbst um Akteneinsicht gebeten und setze auf „schnelle Aufklärung“.

Was ist passiert? Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart war 2017 eine anonyme Anzeige gegen Flex Fonds eingegangen. Die startete ein Ermittlungsverfahren. Am 11. April kam es zu einer Durchsuchung der Firmenräume in Schorndorf, Stuttgart und Berlin, erklärt der Sprecher der Behörde.

Um was geht es? Ins Visier der Staatsanwaltschaft ist der Verkauf und die Finanzierung des Postturms in Schorndorf geraten. Das Gebäude war von Flex Fonds gebaut worden, um es später an den Regio Flex Fonds zu verkaufen. Heißt: Das gesamte Projekt wurde von der Flex Fonds-Gruppe, nicht von der Fondsgesellschaft, vorfinanziert und begleitet. „Die bis dahin eingeworbenen Anlagegelder waren auf einem Treuhandkonto geparkt, auch um sicherzustellen, dass die Investitions- und Anlagevoraussetzungen erfüllt sind“, so Feig.

Wir hoffen, dass wir den Verdacht zügig entkräften können.

Gerald Feig,
Vorstandschef von Flex Fonds

Wie lautet der Vorwurf? Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, im Jahr 2013 „bewusst zu hohe Mieteinnahmen prognostiziert“ zu haben, um dadurch die Voraussetzungen für den Erwerb der Immobilie durch die Fondsgesellschaft zu „einem zu hohen Kaufpreis“ zu schaffen. Das Postturm-Carre wurde für 12,49 Millionen Euro an den Fonds verkauft. Dies entspreche dem 16-fachen der zum Stichtag „nachhaltig erzielbaren Jahresnettomiete“, so Feig weiter. Laut eines Gutachtens, das der Staatsanwaltschaft vorliegt, betrage der Wert des Turm nur 9,3 Millionen Euro, die angesetzten Mieteinnahmen und Einnahmen aus der Fassadenwerbung seien nicht realistisch. Feig erklärte, das Gutachten sei ihm bis zur Durchsuchung nicht bekannt gewesen. Die Räume in Schorndorf seien „nahezu vollvermietet“. Er verweist auf die Entwicklung des Immobilienmarktes. Es sei „keineswegs auszuschließen, dass bei einem theoretischen Verkauf des Immobilienportfolios dieser Fondsgesellschaft (...) die Anleger (...) per saldo einen Überschuss bzw. Gewinn erwirtschaften.“

Die Villa Hirzel: Der Fall hat auch einen Gmünder Bezug. Denn ursprünglich sollte die Villa Hirzel an den Fonds verkauft werden. Doch davon nahm Feig Abstand. Warum? „Infolge von Kostenüberschreitungen bei der Villa Hirzel wurde dieses Objekt nicht in den Fonds eingestellt“, erklärt Feig. Die Villa Hirzel sei weiterhin im Eigentum der Flex-Fonds-Gruppe. Die unterhalte zudem ein Interessenskonfliktmanagement-System.

Die Ermittlungen dauern an. „Aktuell werden die Informationen und Unterlagen aus der Durchsuchung ausgewertet und analysiert“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wie lange das dauert? Unklar. Man stehe erst am Anfang der Ermittlungen, so der Sprecher weiter.

Feig erklärte: „Wir werden weiterhin mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten und haben alle Daten und Informationen zur Aufklärung übergeben. Wir hoffen, dass wir zügig den erhobenen Verdacht entkräften können.“ Feig will „im Rahmen der routinemäßigen Berichterstattungen über die Ermittlungen informieren“.

© Wirtschaft Regional 08.05.2018 20:31
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