Zurück in der Erfolgsspur

SHW Automotive Die Pulvermetallurgie am Standort in Wasseralfingen startet durch: Bis zum Jahr 2020 soll der Umsatz laut Prognose um 20 Prozent wachsen. Ein Besuch in der Traditionsfabrik.
  • Hanna Grimminger arbeitet in der Qualitätskontrolle von SHW Automotive in Wasseralfingen. Fotos: hag
  • Im gasbeheizten Ofen werden die Grünlinge zu fertigen pulvermetallurgischen Teilen „gebacken“.
  • Pulvermetallurgisch hergestellte Pumpenräder.
  • Werkleiter Jörg Hermann, Personalchef Andreas Weber.

Aalen-Wasseralfingen

Die Pulvermetallurgie der SHW Automotive GmbH am Standort Wasseralfingen hat ihr Gesicht in den vergangenen vier Jahren grundlegend verändert. Seit 2014 wurden dort rund 24 Millionen Euro – entsprechend elf Prozent des Erlöses – für zukünftiges Umsatzwachstum investiert. „Damit einhergehend konnten wir die Prozesse in der Fertigung nachhaltig stabilisieren“, sagt Werksleiter Jörg Hermann.

Mit Erfolg: „Unsere Kunden honorieren dies mit attraktiven großvolumigen Neuaufträgen. So rechnen wir am Standort Wasseralfingen bis 2020 mit einer Steigerung des Umsatzes um 13 Millionen Euro auf über 70 Millionen Euro.“

Im Zuge dieser Entwicklung soll auch das Personal von zuletzt 320 auf rund 350 Mitarbeiter aufgestockt werden. „Eine wichtige Säule des zukünftigen Erfolgs der Pulvermetallurgie sind dabei Facharbeiter und die eigene Ausbildung von qualifizierten Industriemechaniker“, sagt Personalleiter Andreas Weber und ergänzt: „Wir haben für Berufserfahrene momentan in Wasseralfingen eine Vielzahl von interessanten Stellen zu besetzen.“ Beim Gang durch die Produktionshallen wird schnell klar, wohin die 24 Millionen Euro geflossen sind.

Insbesondere in zwei Pulverpressen, zwei Sinteröfen, zwei Kalibrierpressen, eine Drehmaschine, zwei Schleifanlagen sowie weitere Bearbeitungskapazitäten. Zwischen 50 und 800 Tonnen Presskraft besitzen die Pulverpressen. 90 Prozent der dazugehörigen Werkzeuge werden von 16 Mitarbeitern im eigenen Werkzeugbau mittels Dreh-, Fräs-, Schleif- und Erodieranlagen hergestellt und instandgesetzt. „Die Pulverpressen sind zum Teil vollverkettet und gewährleisten eine hohe Produktivität“, sagt Jörg Hermann. Und verweist in diesem Zusammenhang auf die enge Einbindung der Mitarbeiter.

Wir haben eine Vielzahl offener Stellen.

Andreas Weber
Personalleiter SHW Automotive

„Bei den täglichen, abteilungsübergreifenden Meetings auf dem Shopfloor werden Produktions- und Qualitätskennzahlen diskutiert, um die Effizienz der Fertigung kontinuierlich zu optimieren.“ Die zu diesem Zeitpunkt noch zerbrechlichen Presslinge erhalten durch den Sinterprozess ihre endgültige Festigkeit. Je nach Kundenanforderung und Spezifikation kann eine weitere Bearbeitung mittels Kalibrieren, Schleifen, Fräsen und Drehen erforderlich sein.

Die SHW Pulvermetallurgie bildet damit die gesamte Wertschöpfungskette ab. Auf den Anlagen werden derzeit jährlich rund 30 Millionen Sinterteile für geregelte Motorölpumpen und Getriebe, Bauteile für Nockenwellenversteller und Pumpenzahnräder produziert.

„Über 5.000 Tonnen Metallpulver werden dazu benötigt, welche nach unseren Vorgaben gemischt werden“, erläutert Jörg Hermann. „Wir beherrschen das Fertigungsverfahren vom Pulver über den gepressten Grünling und die Verfestigung mittels Wärmebehandlung im Sinterofen bis hin zur Endbearbeitung in Perfektion. Dadurch sind wir in der Lage, für unsere Kunden maßgeschneiderte Komponenten für verbrauchsoptimierende Motoren und Getriebe zu entwickeln und zu produzieren.“

Hinzu kommt: „Wir sind der einzige Hersteller in Europa, der über eine Serienfertigung für Bauteile aus Sinteraluminium verfügt - und das bereits seit vielen Jahren“, fügt er hinzu. Die Pulvermetallurgie in Wasseralfingen hat in die Erfolgsspur zurück gefunden“, freut sich Michael Schickling, Leiter Unternehmenskommunikation. Jörg Hermann pflichtet ihm bei und sagt: „Wir haben sämtliche Voraussetzungen geschaffen, um optimistisch in die Zukunft zu blicken.“

© Wirtschaft Regional 04.05.2018 15:25
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