Der Chef muss Gesundheit vorleben

HäRa-Gesunheitskongress Über 100 Teilnehmer von Referenten, Inhalten und Organisation begeistert. Gesunde Mitarbeiter senken Kosten. Betriebliches Gesundheitsmanagement muss forciert werden.
  • Podiumsdiskussion beim HäRa-Gesundheitskongress (v.l.), Svenja Hohbach, Josef Perisa, Stephan Hewel, Dr. Joachim Bläse, Bernhard Schindler und Moderatorin Eva Hassa. Fotos: Peter Hageneder
  • Hans-Peter Häberle, Initiator der HäRa-Plattform.

Schwäbisch Gmünd

Vor drei Jahren startete die HäRa-Plattform, initiiert von den Gmünder Logistik-Unternehmern Hans-Peter und Stefan Häberle. Ihre Idee: Mittelständische Betriebe vernetzen sich und entwickeln nutzbringende Lösungen für Produkte, Strategien oder Services – zum Beispiel Einkauf, Vertrieb, Mitarbeitergewinnung, Bildung oder Forschung & Entwicklung. Heute gehören HäRa 700 Mitglieder an. Als zentrales Thema im Zeitalter der Digitalisierung hat Häberle den Faktor Mensch ausgemacht und forciert das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).

Kürzlich fand in der Oldtimermanufaktur B26 in Schwäbisch Gmünd der erste HäRa-Gesundheitskongress statt: „Change und Gesundheit 4.0. Der wichtigste Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg – der vollkommen körperlich, mental und seelisch gesunde, intrinsisch motivierte Mitarbeiter.“ Geboten wurde den über 100 Teilnehmern hochkarätige Fachvorträge, eine spannende Podiumsdiskussion und Informationen von mehr als 20 HäRa-Partnern an Ausstellungsständen. Hans-Peter Häberle und Lars Tiedt, Business Development Manager, erhielten für die Organisation großes Lob von allen Seiten.

Gesundheit der Mitarbeiter ist ein hohes Gut.

Hans-Peter Häberle Spediteur

Moderatorin Eva Hassa, Redakteurin der „VerkehrsRundschau“ informierte, dass ein Arbeitnehmer in Deutschland 15,2 Tage im Jahr krank sei, wodurch ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von 225 Milliarden Euro entstehe. In der Logistik-Branche seien es noch viel mehr Fehltage. Hassa fragte: „Was müssen die Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter fit zu halten?“ Gmünds Bürgermeister Dr. Joachim Bläse meinte: „Um die Mitarbeiter für Gesundheit zu motivieren, muss der Chef Gesundheit vorleben.“Eine Stadt könne nur die Infrastruktur zur Verfügung stellen, „Sport treiben und gesunde Ernährung liegt an jedem Einzelnen“. Stefan Hewel von der Keller-Spedition in Ditzingen, betonte die soziale Komponente: „Wir haben eine Köchin für gesunde Ernährung eingestellt, unsere Azubis bringen das Essen zu kranken Mitarbeitern. Zuschüsse gibt es für Mitarbeiter, die mit dem Bike zur Arbeit kommen“. Grundsätzlich müsse aber der Hauptgrund des hohen Krankenstandes bekämpft werden – Hewel: „Der enorme Preisdruck in der Logistikbranche!“ Das sei aber eine Aufgabe für die Politik. Svenja Hohbach, BGM-Referentin bei der Barmer, versicherte, „dass wir als Krankenkasse viele Präventivmaßnahmen anbieten, aber die Motivation, an Kursen mitzumachen, muss von jedem selbst ausgehen“. Andreas Jäschke, Geschäftsführer der Speditionskooperation VTL, forderte: „BGM darf nicht Last, sondern muss Lust des Unternehmers sein“. Wer den Mitarbeiter als Kostenfaktor sehe, werde drauf zahlen: „Kranke Mitarbeiter sind teurer als gesunde“. Bernd Schindler, Inhaber von „Profession Fit“, berichtete aus seiner Erfahrung: „Das Bewusstsein für BGM ist größer geworden, reicht aber noch nicht. Jeder muss verinnerlichen, was ihm Gesundheit bringt. Und der Chef muss nur nachrechnen, was ihm die Halbierung der Fehlzeiten bringt“. Wichtig sei, dass die Mitarbeiter durch den Chef Wertschätzung erhalten. Josef Perisa, Vorstand der Transcoop 09 AG, sagte: „Gesundheitsprävention senkt die Personalkosten.“ Er verwies auf die Kosten, die bei Ausfällen der Stammkräfte durch Ersatzfahrer entstehen. Der Chef müsse seinen Mitarbeitern „die Sinnhaftigkeit des BGM erklären“.

Groß war das Interesse an den Fachvorträgen. Dr. Volker Nürnberg von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, referierte über: „Gibt es ein innovatives BGM im digitalen Zeitalter?“ Josef Perisa sprach über „Gesundheit durch Motivation“. „Motivation durch Werte“, lautete das Thema von Bernhard Schindler, Geschäftsführer der Profession Fit GmbH und Vorsitzender der Munich Health Conference. Josef Mohr, Inhaber der Akademie für Sanakinetik in Rottenburg, Buchautor und Marathonläufer erklärte „Goldene Regeln der Gesundheit.“ Wirtschaftsethiker, Priester und TV-Moderator Prof. Dr. Thomas Schwartz besprach das Thema „Der demografische Wandel, gesunde Werte und ehrbares Unternehmertum“ und Dr. Marco Freiherr von Münchhausen, Jurist, Psychologe und Autor, befasste sich mit dem Thema: „Der innere Schweinehund“.

© Wirtschaft Regional 27.04.2018 19:51
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