Problemzone der Region: der Rücken

Krankenstand Die AOK hat Zahlen zum Krankenstand in der Region veröffentlicht: Der ist im Vergleich zum Vorjahr zwar gesunken, dennoch mahnt die Krankenkasse zur Prävention.
  • Ein „Gelber Schein“ wird fällig, wenn ein Arzt einen Arbeitnehmer arbeitsunfähig schreibt. Die AOK Ostwürttemberg zog fürs Jahr 2017 Bilanz. Foto: Stockfotos-MG; fotolia

Ostalbkreis

Die Zahl ist durchaus beeindruckend: Auf 133 Milliarden Euro beziffert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die volkswirtschaftlichen Kosten, die entstehen, wenn sich Arbeitnehmer arbeitsunfähig melden –- und das allein im Jahr 2016. Krankheit hat also nicht nur für die Menschen selbst, sondern auch für die Wirtschaft Folgen. Wie die Lage in Ostwürttemberg und im Ostalbkreis im vergangenen Jahr aussah, ist Thema des Gesundheitsreports, den die hiesige AOK nun vorstellte.

Die gute Nachricht vorneweg: Der Krankenstand der (AOK-versicherten) Beschäftigten in der Region ist gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent gesunken. Der Krankenstand meint die Zahl der Personen, die während eines bestimmten Zeitraums bei einem Arbeitgeber krankgemeldet sind. Knapp 60 Prozent der Arbeitnehmer in Ostwürttemberg war mindestens einmal im Jahr 2017 krankgeschrieben.

Die Zahlen der AOK sind alleine deshalb relevant, da der Marktanteil der Krankenkasse in der Region eigenen Angaben zufolge bei knapp 44 Prozent liegt. Statistiker würden dies als mehr als ausreichend große Stichprobe bezeichnen, die Rückschlüsse auf die Region zulässt, wie Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, erklärt.

Die AOK fasst die Krankheitsursachen in Kategorien zusammen: An Platz Eins stehen wie in jedem Jahr Atemwegsinfekte. Grippe, Erkältung und Co. verursachen rund ein Viertel aller Krankschreibungen in der Region. An zweiter Stelle liegen Erkrankungen des Muskel- und Skelettapparates, also etwa Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfälle, mit 16,3 Prozent. Erkrankungen der Psyche folgen auf Platz Drei. Quer durch alle Kategorien seien aber Rückenleiden die häufigste Ursache von Krankschreibungen in der Region, konstatiert die AOK.

Die Statistiken können Betriebe auch zur Prävention nutzen.

Josef Bühler
Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg

Durchschnittlich war ein Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 19,3 Tage krank (2016: 19,6 Tage). Pro Krankheit fiel der durchschnittliche Arbeitnehmer in der Region elf Kalendertage aus. Hier liegt Ostwürttemberg wie in fast allen anderen relevanten Kennzahlen leicht oberhalb des baden-württembergischen, aber unterhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts (siehe Kasten).

Insgesamt war der Krankenstand 2017 also rückläufig, allerdings sind etwa die Unterschiede zwischen dem Ostalbkreis und dem Landkreis Heidenheim durchaus beachtlich. Der Krankenstand betrug im vergangenen Jahr 5,2 Prozent zu 5,5 Prozent, in Heidenheim ist ein Arbeitnehmer pro Krankheit 11,7 Tage krank, im Ostalbkreis fällt er lediglich 10,5 Tage aus.

Betriebe können Reports anfordern

Für die Betriebe in der Region bedeutet dieses Zahlenwerk aber auch die Chance, durch Prävention gegenzusteuern, wie AOK-Geschäftsführer Bühler erklärt. Deshalb erstellt die Krankenkasse auf Wunsch einzelne Gesundheitsreports für die Firmen - allerdings aus datenschutzrechlichen Gründen erst ab einer gewissen Zahl an Mitarbeitern. Gerade angesichts der häufig gestellten Diagnose Rückenschmerzen plädiert Bühler für mehr Vorbeugung beim Arbeitnehmer sowie Anstrengungen der Arbeitgeber, Arbeitsplätze ergonomischer zu gestalten.

© Wirtschaft Regional 09.04.2018 20:38
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