Kistler kauft zu und wächst

Expansion Der Schweizer Messtechniker hat eine Schwarzwälder Firma übernommen. Der Umsatz legt zu – und auch in Lorch schafft die Firma neue Jobs.
  • In Lorch arbeiten 180 der aktuell 1850 Mitarbeiter von Kistler. Foto: Simone Schuldis

Lorch/Winterthur

Unterm Strich ist die Kistler-Gruppe auch im Jahr 2017 wieder kräftig gewachsen. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei fast 359 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Geschäftsgang“, erklärt Rolf Sonderegger, Vorstandschef des Messtechnik-Unternehmens mit Sitz in der Schweiz. „Dank der Zukäufe des letzten Jahres verfügt Kistler über neue Technologien, die wir mit Fokus auf unsere Kunden progressiv weiterentwickeln.“

Einer der Zukäufe ist die Vester Elektronik GmbH aus Straubenhardt. Die Schweizer hatten das Unternehmen Mitte des vergangenen Jahres übernommen. Die Schwarzwälder gehören laut Kistler zu den Technologieführern im Bereich der Qualitätsprüfung und Prozessüberwachung für die Stanz- und Umformtechnik. Jährlich werden etwa 350 Millionen Teile mit Technologie von Vester geprüft, vor allem für die Automobil- und Zulieferindustrie. „Im Laufe des Jahres bauen wir daher zusätzliche Kapazitäten auf, um das operative Geschäft zu stärken und nach und nach unseren Kundenkreis zu erweitern“, sagt Frank Oppenländer, Geschäftsführer bei Vester. Am Standort Straubenhardt werden 2018 etwa 15 neue Mitarbeiter hinzukommen.

Kistler stellt Sensoren und Systeme, die Druck, Kraft, Beschleunigung und Drehmoment messen. Damit sei man, so Sonderegger, zum Beispiel in Bereichen wie elektrifizierter Antriebstechnologie, autonomem Fahren, Emissionsreduktion und Industrie 4.0 vertreten. „Mit unserer Kompetenz in den Messtechnologien bedienen wir alle Megatrends in der Automobilindustrie“, erklärt er. Darüber hinaus kommen die Instrumente bei der Optimierung von Produktionsprozessen zum Einsatz.

Wir bauen zusätzliche Kapazitäten auf.

Frank Oppenländer,
Vester-Geschäftsführer

Von der positiven Entwicklung der Gruppe profitiert auch der Standort in Lorch, wo Kistler aktuell 180 Mitarbeiter beschäftigt. Wie eine Sprecherin mitteilte, plane man am Standort in den kommenden Monaten eine Erweiterung. Zudem schafft die Firma neue Arbeitsplätze. Jochen Weyhing, Personalbereichsleiter in Lorch erklärt: „Wir sind im Moment auf der Suche nach zahlreichen qualifizierten Talenten und freuen uns auf die Bewerbungen für die derzeit noch mehr als 50 ausgeschriebenen Positionen in Deutschland.“ Neben Lorch hat die Firma hierzulande Standorte in Sindelfingen, Wetzlar, Meerane, Heidelberg, München, Remscheid, Aachen, Straubenhardt sowie Tettnang.

Ebenso in Karlsruhe wird das Unternehmen bald vertreten sein – auch dank des Neuzugangs Vester. In der Fächerstadt werde mit dem „Competence Center Vision“ ein Kompetenzzentrum rund um die industrielle Bildverarbeitung entstehen – laut Kistler eine Zukunftstechnologie, die das Portfolio der Gruppe ideal ergänze und neue Impulse für Innovationen bei Prozessüberwachungssystemen verspreche. „Mit der Unterstützung von Vester können wir unsere Expertise ausbauen und die Optosensorik nutzen, um Synergien im Bereich Prozessüberwachung zu erzielen“, erklärt Frank-Peter Kirgis, Leiter der Division Industrial Process Control (IPC) bei Kistler. Die Wahl des Standorts Karlsruhe ist dabei kein Zufall, das Unternehmen sucht die Nähe zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT), „um die Entwicklungskompetenz zu stärken“, wie es heißt.

Über Kistler Ihren Hauptsitz hat die Gruppe in Winterthur (Schweiz). Die Instrumente analysieren physikalische Vorgänge, regeln industrielle Prozesse und liefern Informationen zur Optimierung der Produktqualität und kommen in Bereichen wie der Motorenentwicklung und -überwachung, Fahrzeugtechnik, Kunststoff- und Metallverarbeitung sowie Montagetechnik und Biomechanik zum Einsatz. Weltweit arbeiten 1850 Menschen an weltweit 61 Standorten für Kistler. Die Firma wurde 1959 gegründet.

© Wirtschaft Regional 27.03.2018 19:13
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