Autonomes Fahren stärkt ZF in Alfdorf

Bilanz 2017 ZF Friedrichshafen AG erhöht Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und stellt weltweit über 2000 Ingenieure neu ein. Davon profitiert auch der ZF TRW-Standort Alfdorf.
  • Südlich des Bestandsgebäudes baut ZF TRW im Gewerbegebiet Brühl in Alfdorf derzeit ein modernes Logistikzentrum (Vordergrund). Die Fertigstellung wird im Sommer dieses Jahres sein. Foto: ZF TRW

Alfdorf

Bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2017 am Donnerstag in Friedrichshafen (siehe überregionale Wirtschaftsseite) erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider, dass mit den deutlich über zwei Milliarden Euro liegenden F & E-Aufwendungen vor allem Elektroantriebe und die Hybridisierung der Getriebetechnik vorangetrieben sowie die Fahrzeugsicherheitssysteme und das automatisierte Fahren weiter entwickelt werden sollen, „weil sich die mobile Welt mit hoher Geschwindigkeit dreht und unsere Kunden dafür Lösungen von uns erwarten, die wir nach dem Motto ‚See - Think - Act’ auch bieten werden“. Die ZF ist nicht nur in der Antriebs- und Fahrzeugtechnik globaler Technologieführer, sondern auch in der aktiven und passiven Sicherheitstechnik – dank der Übernahme des US-Konzerns TRW, der die Sparte Sicherheitstechnik einbrachte. In der weltweiten Zentrale des Geschäftsfeldes Insassenschutzsysteme in Alfdorf (gegründet in Gmünd als Repa) entwickeln und produzieren heute mehr als 1800 Mitarbeiter, davon 850 im Engineering, Insassen-Rückhaltesysteme für nahezu alle Automobilhersteller (OEM) weltweit.
„Das Zusammenspiel der fünf Komponenten Airbag, Sicherheitsgurt, Lenkrad, Gasgenerator und Sensorik bietet im Crashfall die optimale Schutzwirkung“, erklärt der Alfdorfer Geschäftsführer Helmuth Köditz. Die Entwicklung zum autonomen Fahren habe großen Einfluss auf künftige Fahrzeug- und Fahrzeuginnenraumkonzepte, „und damit auf die Art und Weise, wie die Insassen in autonomen Fahrzeugen geschützt werden“, ließ Scheider wissen. Wenn der Fahrer sich künftig temporär oder permanent vom Straßengeschehen abwende, um sich während der Fahrt zu entspannen, zu lesen oder zu arbeiten, dann würden neue Sitzpositionen jenseits der heute üblichen Standards notwendig – Scheider: „Hierauf müssen Airbags und Gurte abgestimmt sein.“ Auch deshalb werden in Alfdorf neue Mitarbeiter in den Bereichen Mechatronik, Informatik, Elektronik, Physik, Fahrzeugtechnik, BWL und Wirtschaftsingenieurwesen.

Der ZF-Chef, der vor drei Jahren noch Mobility-Geschäftsführer bei der Robert Bosch GmbH war und in dieser Funktion Bosch den Führungskräften der damaligen ZF Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd erläuterte, und der zuletzt Vorstandsvorsitzender des Mahle-Konzerns war, ist überzeugt davon, dass das automatisierte Fahren die Unfallquote senkt: „90 Prozent aller Unfälle werden durch den Fahrer verschuldet, natürlich müssen wir die restlichen zehn Prozent in den Griff bekommen.“ Dazu soll eine Teststrecke, die von der Stadt Friedrichshafen eingerichtet wird, beitragen.

90 Prozent der Unfälle verschuldet der Fahrer.

Wolf-Henning Scheider
ZF-CEO

Um der hohen Dynamik in der Automobilbranche noch besser gerecht zu werden, will Wolf-Henning Scheider die projektbezogene Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns forcieren: „Wir stärken den Einsatz bereichsübergreifender Teams mit hoher Eigenständigkeit bei Entscheidungen und der Zusammenarbeit. Sie sind besser in der Lage, sich auf die wechselnden Anforderungen in neuen Technologiefeldern einzustellen. Mit unseren Kunden arbeiten wir noch enger und frühzeitiger zusammen, um attraktive Produkte schneller in Serie zu bringen. Mit diesem Denken ist eine Start-up-Kultur auch in einem großen Konzern möglich.“ Beispiele dafür sind Projekte im Bereich des automatisierten Fahrens. „In Verbindung mit unserer bewährten Entwicklung von Serienprojekten arbeiten wir damit inzwischen mit einem dualen Betriebssystem“, sagte Scheider. Dabei soll die Zusammenarbeit mit Unis und Hochschulen ausgebaut werden. Alfdorf kooperiert mit der Hochschule Aalen, der Hochschule Esslingen und der Uni Stuttgart, überwiegend für technische Berufe, teilweise für Betriebswirtschaft. Auch Investitionen in Sachanlagen wird ZF hochhalten. In Alfdorf wird ein Logistikzentrum gebaut.

Das ZF-Logistikzentrum in Alfdorf wird im Juli 2018 in Betrieb gehen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 13,6 Millionen Euro. Das Grundstück ist 27 307 Quadratmeter groß, die Lagerfläche 13 696, die Bürofläche 674 Quadratmeter. In der Halle mit 9500 Stellplätzen arbeiten 40 Personen im Drei-Schichtbetrieb. 80 Lkw fahren das Lager täglich an.

© Wirtschaft Regional 22.03.2018 17:53
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