Riesiges Forschungsprojekt bei Varta

  • Varta-Standort in Ellwangen
Leuchtturmprojekt des Bundes Varta und Fraunhofer-Gesellschaft sollen gemeinsam in Theorie und Praxis die digitale Massenproduktion von Batterien erforschen und in die Tat umsetzen.

Ellwangen. Eines vorweg: Die Sache ist noch nicht in trockenen Tüchern – doch die baden-württembergische Landesregierung ist höchst zuversichtlich, dass es klappt: Eine „Forschungspilotfertigung“ von Fraunhofer für 58 Millionen Euro soll nach Ellwangen kommen, genauer gesagt zu Varta.

Das Land bewirbt sich beim Bund für das Leuchtturmprojekt „Digitalisierte Batteriezellen-Produktion 4.0“. Sie soll in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft in Ellwangen bei der Firma Varta Microbattery nach Industrie-4.0-Prinzipien aufgebaut werden. Das gab der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Mack am Mittwoch in einer Pressemitteilung bekannt.

Dabei geht es zwar auch, aber nicht nur um neue Batterieformen, sondern in erster Linie darum, die Massenfertigung von Batterien in Deutschland rentabel zu halten, beziehungsweise wieder zu machen. Dafür ist Varta Microbattery natürlich ein Partner erster Güte, weil das hier in Ellwangen bereits fabelhaft funktioniert, die Batterieproduktion wurde schon vor Jahren aus Asien zurückgeholt, heute steht in Ellwangen die modernste Hörgerätebatterienfabrik der Welt mit einem Ausstoß von rund einer Milliarde (!) Batterien pro Jahr. Varta ist hier Weltmarktführer.

Mit ein Anlass für das Projekt ist aber sicherlich auch die angestrebte massenhafte Verbreitung von Elektrofahrzeugen, deren größtes Handicap bisher die zu geringen Batteriekapazitäten zu sein scheinen und die Sorge, dass vor allem asiatische Batteriehersteller hier den Markt abräumen.

„Wir brauchen in Baden-Württemberg eine Großserienproduktion von individualisierbaren Batteriezellen“, sagt Mack. Deshalb begrüße er den Vorstoß von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), im Land jetzt die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Massen-Batteriezellproduktion zu schaffen.

Die Ministerin war erst vor Kurzem bei der Ellwanger Varta zu Besuch – wie jetzt klar ist, war es nicht nur ein Höflichkeitsbesuch.

In Baden-Württemberg und insbesondere in Ellwangen sei „heute schon ein enormes produktionstechnisches Know-how in der Batteriezellfertigung und in der Forschung vorhanden“, so Mack weiter. Deshalb sei es sinnvoll, dies gerade in Ellwangen zusammen mit Varta Microbattery weiterzuverfolgen.

Ob das Realität wird, hängt nun von der Bundesregierung, respektive dem Bundesforschungsministerium ab. Für dieses Leuchtturmprojekt will der Bund bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Land Baden-Württemberg will sich mit weiteren acht Millionen Euro an dem Fraunhofer-Projekt beteiligen, an dem auch das ZSW Ulm (Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung) mitwirken soll, erläutert Winfried Mack. Das Bundesministerium wird von Anja Karliczek (CDU) geführt. Mack bedankt sich in seiner Pressemitteilung übrigens ausdrücklich beim CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter für seine Unterstützung – die Drähte nach Berlin sind also heftig in Betrieb.

Sagt der Bund nun ja? Oder nicht? Bis man das weiß, sollten die Sektkorken in Ellwangen und Stuttgart vorsichtshalber noch nicht knallen. Zuerst muss der Bund dem hier geschilderten „Leuchtturmprojekt“ in Baden-Württemberg ja zustimmen und die 50 Millionen lockermachen. Daran hängt letztlich alles.

Mack ist jedoch zuversichtlich, zumal das Land ja acht Millionen Euro dazu beitragen will. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe versichert, dass das Land „in einem sehr guten Kontakt zum Bundesforschungsministerium“ stehe, zitiert Mack. „Das ist keine Luftnummer“, fügt er an.

Dass die Varta an solch einem Projekt mitwirken müsse, ist für Mack glasklar: „Varta muss man mit im Boot haben, denn das sind europaweit die Besten.“

Microbattery-Geschäftsführer Herbert Schein ist natürlich stolz und glücklich über die Entscheidung des Landes, sich beim Bund um das Projekt zu bewerben und die Varta dafür mit ins Boot zu holen, wohl wissend, „dass es nicht viele in Europa gibt, die so viel von Lithium-Ionen-Batterien verstehen wie wir“, sagt er im Gespräch mit der Schwäbischen Post.

„Wir setzen noch eins drauf“
Varta Microbattery ist ganz vorn dabei, „vollautomatische Fabriken haben wir schon in Deutschland“, sagt Schein. Doch hier müsse nun der nächste Schritt folgen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist dies die Digitalisierung der Produktion; Stichwort „4.0“. Schein: „Hier kann Deutschland Maßstäbe setzen“ – und das von den kleinsten Batteriechen bis zu den Energiespeichern von Automobilen.

Varta sei bereits „hoch wettbewerbsfähig“, erläutert Schein, rund 80 Prozent der Hörgerätebatterien aus Ellwangen werden im Ausland verkauft, auch in Asien, Japan und den USA, die ja selbst große Batterieproduktionen aufzuweisen haben. „Da wollen wir noch eins draufsetzen“, freut sich Schein auf die Zukunft, die Varta nun unter Umständen wieder mit der Fraunhofer-Gesellschaft mitgestalten kann.

Die Ellwanger Batterien-Experten haben bereits mehrfach mit dem Land Baden-Württemberg Projekte durchgezogen, und Schein betont stolz, dass man nicht nur geforscht hat, sondern die Ergebnisse auch direkt in die Produktion mündeten.

Das hat übrigens im Februar auch die Ministerin offenbar sehr beeindruckt.

© Wirtschaft Regional 22.03.2018 11:17
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