Die Könige der Autokennzeichen

Start-up Nach nur sechs Monaten schreibt das Jungunternehmen „Kennzeichen King“ schwarze Zahlen. Schmid Digital will mit dem Start-up den Kfz-Zulassungsmarkt revolutionieren - und hat schon die nächste Idee.
  • Die Dreifachführung von Schmid Digital (hier noch im Sommer): Michael Schmid, Alexander Bender (beide Gründer) und Entwickler Stefan Herrgesell. Foto: Schmid Digital GbR

Drei ehemalige Studenten der Hochschule Aalen gründeten als erstes Unternehmen im Innovationszentrum (Inno-Z) in Aalen eine Agentur für individuelle Software-Lösungen. Heute ist die Schmid Digital GbR unter anderem Eigentümerin von „Kennzeichen King“: einem Online-Shop für zertifizierte Kfz-Kennzeichen und Zubehör.

„Wir werden zusammen was ganz Tolles auf die Beine stellen“, versprachen sich die damals zwölfjährigen Neresheimer Michael Schmid und Alexander Bender. Sie hielten ihr Versprechen: So kam es, dass sie mit kaum 23 Jahren ihre gut bezahlten Jobs in großen Firmen aufgaben und den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. In der Zwischenzeit hatte Alexander Bender ein abgeschlossenes BWL-Studium und einen Master in Wirtschaftsinformatik – sein Jugendfreund Michael Schmid ein abgeschlossenes Medieninformatik-Studium. Später kam noch Mit-Gesellschafter Roman Pisarew dazu.

Zu dritt führen sie heute die Schmid Digital GbR, die die Eigentümerin von „Kennzeichen King“ ist. „Wir waren damals das erste Start-up im Innovationszentrum, als es das Inno-Z noch gar nicht gab“, erinnert sich Bender. Angefangen habe alles in einem kleinen Büro im Technologiezentrum in der Gartenstraße. Kurze Zeit später folgte der Umzug ins Innovationszentrum. Nach und nach kamen weitere Mitarbeiter hinzu, allesamt alte Schulfreunde der Gründer. „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit meinen Freunden zu arbeiten“, sagt Bender.

Inno-Z? „Ideale Ausgangslage“

In jungen Jahren gekündigt und sich selbstständig gemacht zu haben, empfindet er im Rückblick als eine hervorragende Entscheidung. „Es war eine gute Zeit, um sich auszuprobieren. Wir hatten keine hohen Ausgaben und deshalb nicht viel zu verlieren.“ Die Hochschule habe in Verbindung mit dem Inno-Z eine ideale Ausgangslage geboten.

Nachdem sie mehrere Online-Shops im Kundenauftrag programmiert hatten, wuchs der Wunsch, einen eigenen Shop zu entwerfen. „Wir wollten einen Shop, in dem das Einkaufen zu einem Erlebnis wird. Bei dem die Ladegeschwindigkeit optimiert ist, der ohne Einschränkung auf allen Endgeräten funktioniert und bei dem man keinen Doktor-Titel braucht, um zu bestellen“, erläutert Bender. So kam die Idee, eine weitere Nische zu betreten: den Autokennzeichen-Markt. „In Deutschland werden pro Jahr 25 Millionen Fahrzeuge neu angemeldet – ein riesiger Markt“, so Bender. Innerhalb von nur zwei Wochen haben sie den Shop hochgezogen und sind im Juli 2017 online gegangen. Bereits Ende des Jahres schrieb „Kennzeichen King“ schwarze Zahlen.

Wir waren das erste Start-up, als es das Inno-Z noch gar nicht gab.

Alexander Bender,
Firmengründer

„Viele denken immer noch, dass die Kennzeichen nur in den völlig überteuerten kleinen Schilder-Schmieden bei den Zulassungsstellen erhältlich sind“, weiß Bender: „Wir unterbieten den Markt um das Dreifache“, betont er. Knapp fünf Euro kosten die Schilder bei „Kennzeichen King“, versendet wird noch am selben Tag, das Unternehmen ist immer gut erreichbar und zeigt sich immer kulant. Die „Amazon-Einstellung“ nennt das Bender und meint damit: „Sei immer nett zu deinen Kunden, baue im anonymen Internet eine persönliche Beziehung zu ihnen auf und sie werden es dir mit positiven Bewertungen danken. Diese werden im Netz wiederum andere Kunden anziehen, die dich wiederum positiv bewerten werden. Und je vertrauenswürdiger du erscheinst, umso höher listet dich Google.“ Und davon hängt im Netz deine Existenz ab, ist Bender sicher: „70 Prozent aller Käufer klicken bei Google nur das erste Suchergebnis an. Bist du dort gelistet, hast du schon fast gewonnen.“ Im Moment werden lediglich 10 bis 15 Prozent aller Zulassungen online abgewickelt, in fünf Jahren will „Kennzeichen King“ diese Zahl auf 30 Prozent hochschrauben.

Was fehlt? Eine Frau im Team!

Was Bender derzeit noch fehle, sei eine Frau im Team: „Entwickelt werden die ganzen Apps und Shops mehrheitlich von Männern, aber die Hälfte der Nutzer ist weiblich.“ Bender wüsste gern, wie Frauen die Software benutzen. Was sie vermissen, was sie anders machen würden. Aber gute Programmiererinnen seien rar.

Vielleicht hilft ihm da das neueste, selbst entwickelte Produkt, das den Bewerbungsmarkt revolutionieren soll: „ClipCase“ heißt die Plattform, auf der sowohl Bewerber als auch Unternehmen Videos von sich hochladen können und sich so unnötige Bewerbungsgespräche sparen.

Vor wenigen Wochen wurde dem Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Exist-Gründerstipendium bewilligt. Zudem belegte „ClipCase“ den ersten Platz beim Start-up-Weekend von Google.

© Wirtschaft Regional 12.03.2018 20:03
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