Mit Tastern zu neuen Ufern

Industrie 4.0 Seit einem Jahr ist die Carl Zeiss 3D Automation im Zeiss-Konzern integriert – und hat nicht nur deshalb ein aufregendes und erfolgreiches Jahr 2017 hinter sich.
  • Der „FixAssist XTR“ hilft Messtechnikern, den Winkel seiner Taster aufs Grad genau einzustellen. Fotos: Carl Zeiss 3D Automation
  • Frank Richter

An so was Profanes wie Taster denkt niemand, wenn von Industrie 4.0 die Rede ist. Und dennoch: Verlässliche Mess- und Prüfdaten spielen eine wichtige Rolle für die Produktherstellung. Durch den unaufhaltsamen Siegeszug digitaler und automatisierter Verfahren in der Fertigungsindustrie haben die dazu nötigen Werkzeuge eine noch größere Bedeutung. Die Aalener Carl Zeiss 3D Automation GmbH entwickelt solche Taster - unverzichtbares Zubehör für eine präzise Messtechnik.

Das erste Geschäftsjahr, in dem die Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH (IMT) zu 100 Prozent als Gesellschafter bei den Tasterspezialisten im Aalener Industriegebiet an Bord ist, verlief vielversprechend. Das von Dr. Frank Richter geleitete Unternehmen befindet sich im Aufwind, was auch die Zahlen belegen. 2017 lag der Umsatz bei 32 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 27 Millionen Euro. Auch sonst war viel los: 2017 wurde Carl Zeiss 3 D Automation zum Top 100-Innovator gekürt und beim Wettbewerb „100 Orte für Industrie 4.0“ ausgezeichnet. Zudem hat das Unternehmen das komplette ehemalige Wasner-Areal, in dem bereits seit 2013 Teile der Tasterproduktion angesiedelt waren, übernommen.

3500 Quadratmeter groß ist die Nutzfläche dort. „Zusätzliche Büros für Verwaltung und Entwicklung, ein repräsentativer Empfangsbereich sowie Produktionsflächen kamen so hinzu. 2017 haben wir 40 neue Mitarbeiter eingestellt“, erklärt Frank Richter. Derzeit zählt das Unternehmen 150 Mitarbeiter. Bislang wurden viele Halbzeuge wie Halter für die Tasterspitzen zugekauft. Durch technologisch neue Fertigungsverfahren mittels Laser können nun Hartmetalle bearbeitet werden. „Das steigert die Fertigungstiefe und Produktivität, da die Anlagen zum Teil vollautomatisch betrieben werden“, erklärt Richter. Erst jüngst hat Carl Zeiss 3 D Automation einen Ultrakurzpuls-Laser angeschafft, mit dem Hartmetalle bearbeitet werden. „Neue Anwendungen wie das Schleifen von diamantbeschichteten Kugeln ist ebenfalls möglich.“ Eine Hochvakuum-Lötanlage ist ebenfalls in Betrieb gegangen. „Wir erreichen nun eine bessere Qualität und können extrem kleine und harte Bauteile herstellen. Unsere Prozesse wurden extrem optimiert“, sagt Richter. Das nütze dem Kunden - denn das günstigste Produkt der Firma unter dem Dach von Carl Zeiss IMT kostet drei Euro.

Carl Zeiss 3D Automation will 2018 weiter durchstarten. Weitere neue Mitarbeiter sind anvisiert, das Umsatzwachstum soll zweistellig sein. „Wir wollen die Synergien, die sich aus der engen Verzahnung mit Carl Zeiss IMT ergeben, konsequent nutzen. Dabei greifen wir auf das globale Netz unserer Muttergesellschaft zurück. Nach der SAP-Umstellung sind wir dafür gewappnet und datentechnisch noch enger an die IMT angebunden“, sagt Richter. Ihm ist wichtig, dass Produktentwicklungen in engem Miteinander der beiden Firmen von statten gehen. Gemeinsam suchen Entwickler nach industriellen Lösungen und treiben die Modularisierung voran. Richter vergleicht es mit dem Maschinen- und Werkzeugbau: Das Zusammenspiel zwischen dem Maschinenbauer und seinem Ausstatter auf der Werkzeugseite sei der Schlüssel zu anwendungsorientierten Lösungen. Intern werde die Umstrukturierung 2018 andauern,

Bereits seit 2006 betreibt die 1997 gegründete Carl Zeiss 3D Automation einen Webshop. „12 000 Besucher pro Woche tummeln sich darauf. Durch die globale Kooperation mit Carl Zeiss IMT erhoffen wir uns einen weiteren starken Push“, sagt Richter. Er vertraue auf die starke Strahlkraft der Marke Zeiss.

2017 haben wir 40 Mitarbeiter eingestellt.

Frank Richter
Geschäftsführer

Industrie 4.0 im Fokus

Die Hauptmärkte von Mutter und Tochter sind global verteilt. Die Automotive-Branche sorge bei Carl Zeiss 3D Automation für rund die Hälfte des Umsatzes, der Rest verteile sich auf die Bereiche Medizintechnik, die Luftfahrtindustrie, den Maschinenbau oder die Telekommunikationsbranche, erklärt der Geschäftsführer. „Wir wollen noch besser auf Kundenwünsche eingehen. Diese gehen ganz klar in Richtung Individualisierung. Und auch beim Thema Industrie 4.0 geht das Unternehmen im ehemaligen Wasner-Gebäude voran. „Wir versuchen, Produkte zu generieren, bei denen wir unser Know-how besser schützen können. Nur über Patente ist schwierig“, sagt Richter.

Die Carl Zeiss 3D Automation findet unter dem großen Dach des Zeiss-Konzerns ein gutes Wachstumsklima vor. „Unsere Belegschaft besteht aus einem jungen Team. Am jetzigen Standort haben wir Erweiterungsmöglichkeiten gegeben. Unsere Aufgabenbereiche in der Software- und Elektronikentwicklung sowie der Konstruktion sind vielschichtig. Weiterem Wachstum steht somit nichts im Wege“, zeigt sich der Geschäftsführer zuversichtlich.

© Wirtschaft Regional 26.02.2018 19:27
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