Gutes Jahr, große Herausforderungen

Bilanz der Banken Die Kreissparkasse Ostalb wächst weiter, das Kreditgeschäft brummt. Dennoch mahnt Vorstandschef Andreas Götz. Die Zeiten für die Banken sind schwierig wie selten zuvor.
  • Der seit Oktober neu formierte Vorstand der Kreissparkasse Ostalb: Markus Frei, Andreas Götz (Vorsitzender des Gremiums) und Dr. Christof Morawitz (v.l.) Foto: Kreissparkasse Ostalb

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Für Andreas Götz war es die erste Bilanzpressekonferenz als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb. Passend zur Premiere präsentierte Götz gute Zahlen. „Wir sind mit dem Jahr 2017 zufrieden“, so sein Fazit. Das Kreditgeschäft läuft auf Hochtouren, die Kundeneinlagen wachsen, bei der Bilanzsumme nähert man sich steten Schrittes der Fünf-Milliarden-Euro-Grenze. „Wir werden die fünf Milliarden Euro wohl schon in diesem Jahr erreichen“, erklärte Götz, der so offen wie keiner seiner Vorgänger Einblick ins Zahlenwerk der Bank gab.

Das Kreditgeschäft war erneut einer der Wachstumstreiber: Um mehr als fünf Prozent stiegen die Ausleihungen auf nunmehr 3,2 Milliarden Euro. Um diesen Zuwachs von knapp 170 Millionen Euro zu erreichen, musste die Bank neue Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro vergeben. Im Privatkundenbereich stieg das Volumen der Kredite auf fast 1,6 Milliarden Euro. „Die Baufinanzierung ist jedoch nicht so stark gewachsen wie der Firmenkundenbereich“, erklärt Dr. Christof Morawitz, der als Vorstandsmitglied für den Privatkundenbereich zuständig ist. Es sei zwar keine Sättigung bei der Immobiliennachfrage zu verzeichnen, allerdings sinke die Zahl der Kredite – obwohl das Volumen weiter steigt. Der Grund: Die Preise der Immobilien steigen, die Größe der Kredite nimmt zu. Entsprechend schwieriger werde es für Familien, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. „Die Grenze des finanziell Machbaren ist bei vielen erreicht“, so Morawitz.

Die Nachfrage nach Wohnraum sei weiter groß, allerdings müsse dieser bezahlbar bleiben. Als Alternativen nennt Morawitz Geschosswohnungen und Reihenhäuser. „Günstiger Wohnraum ist im Wettbewerb der Regionen ein harter Standortvorteil.“ Deshalb werde sich die Kreissparkasse über ihre Tochter S-Immobilien weiter engagieren.

Das Kreditgeschäft mit Firmen und Kommunen boomt weiter: Um fast neun Prozent stiegen die Darlehen auf 1,4 Milliarden Euro, auch dank des Neugeschäfts von 400 Millionen Euro. „Das ist ein Rekordergebnis“, erklärt Markus Frei, der im Oktober für Götz’ Vorgänger Carl Trinkl in das oberste Gremium der Sparkasse gerückt war.

Trotz der niedrigen Zinsen ist das Anlagevolumen bei der Sparkasse gestiegen. „Der Plan war, das Niveau zu halten“, erklärt Götz. „Wir sind also sehr zufrieden.“ Bei den Privatkunden stand am Ende gar ein Plus von vier Prozent auf mehr als 2,5 Milliarden Euro. Die Einlagen von Firmen und Kommunen sanken. „Vor fünf Jahren wären wir damit nicht zufrieden gewesen, heute sind wir es“, so Götz. Hintergrund: Im ersten Quartal hatten Großanleger der Kreissparkasse hohe Millionensummen als Einlage angetragen, die die Bank zu Minuszinsen – und damit mit Verlust – hätte anlegen müssen. „Wir haben deshalb ein Verwahrungsentgelt ab Summen von fünf Millionen Euro eingeführt“, so Götz. Diese „Minuszinsen“ gibt es nur für Großanleger, für Privatkunden schließt der Vorstand dies aus.

Der Gewinn der Bank sinkt

Unterm Strich bleibt der Bank ein operatives Ergebnis vor Bewertung von 35,7 Millionen Euro. Macht im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 4,8 Prozent – trotz der guten Entwicklung. Damit ist die Kreissparkasse nicht allein. Bereits seit Jahren sinken die Betriebsergebnisse fast aller Banken – zumindest vor Bewertung der Risiken, also etwa Kreditausfälle durch Unternehmensinsolvenzen, wie Götz erklärt und anfügt: „2013 war das letzte Rekordjahr für die Branche.“ Seither nagt die Niedrigzinsphase an den Einnahmen. Das trifft Sparer, Firmen – und die Banken.

Deren Zinsüberschuss sinkt seit Jahren konstant. So auch bei der Kreissparkasse, die 2017 ein Minus von 4 auf 86 Millionen Euro konstatiert. „Wir sind mit diesem Wert zufrieden“, erklärt Götz. „Ohne die tolle Entwicklung wäre der Rückgang noch stärker ausgefallen.“ Im Gegenzug baut das Institut das Provisionsgeschäft, etwa das Vermitteln von Versicherungen, weiter aus. Das reicht aber nicht, um die Zinsverluste zu kompensieren.

Auch deshalb will Götz nicht nur das Eigenkapital, das aktuell bei fast 600 Millionen Euro liegt, weiter stärken, sondern auch die Kosten im Blick behalten. Die Zahl der Mitarbeiter werde in den kommenden Jahr tendenziell sinken. Zudem werde man die aktuelle Filialstruktur „in aller Ruhe analysieren“, so der neue Vorstandschef weiter. Der Grund: Das Kundenverhalten verändere sich weiter rapide.

Die Zeit der Rekordjahre ist vorbei.

Andreas Götz,
Vorstandschef der Kreissparkasse

Die Kreissparkasse in Zahlen (in Euro; in Klammern: Vergleich 2016)

  • Bilanzsumme 4966 Mio. (+2,4%)
  • Zinsüberschuss 86 Mio. (-4,4%)
  • Provisionsüberschuss 27,2 Mio. (+15,2%)
  • Kundeneinlagen 3861 Mio. (+0,9%)
  • Kreditvolumen 3204 Mio. (+5,5%)
  • Betriebsergebnis (vor Bewertung) 35,7 Mio. (-4,8%)
  • Eigenkapital 592 Mio. (+11,5%)
© Wirtschaft Regional 19.02.2018 19:22
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