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Tarifabschluss. Die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie haben sich geeinigt. So bewerten die Tarifvertreter aus der Region den Kompromiss.
  • Dr. Michael Fried
  • Roland Hamm
    Fotos: arc
  • Die Streiks sind passé: Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben sich geeinigt. Hier eine Demo auf dem Aalener Spritzenhausplatz. Foto: opo

Ostalbkreis

Auch für die Verhandler von der Ostalb war die Nacht von Montag auf Dienstag kurz. Gegen halb Drei am Morgen wurde dann der Durchbruch im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie besiegelt. Die Kernpunkte: 4,3 Prozent mehr Lohn, flexiblere Arbeitszeiten und eine Laufzeit von 27 Monaten. Wir haben Stimmen der regionalen Vertreter von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite eingeholt.

Roland Hamm, IG-Metall-Bevollmächtigter, erklärte: „Unsere Grundforderungen, eine materielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen sowie eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, wurden erfüllt. Die Rückmeldungen, die wir bislang aus den Betrieben erhalten haben, sind ausschließlich positiv. Die Lohnerhöhung von 4,3 Prozent ist ordentlich. Durch die 27-monatige Laufzeit haben die Unternehmen nun Planungssicherheit.“ Spannend seien die Öffnungen der Arbeitszeitregelung. Die ist nämlich nicht nur nach unten, wie von der IG Metall gefordert, sondern auch nach oben möglich.

Arbeitgeber könnten nun mehr Arbeitsverträge mit 40 Wochenstunden abschließen. Es gibt drei Quoten: Generell könnten 18 Prozent der Beschäftigten mit einem 40-Wochenstunden-Vertrag ausgestattet werden. In Betrieben, in denen mehr als 50 Prozent der Beschäftigten höher als Entgeltgruppe 14 eingestuft werden, könnte die Hälfte der Beschäftigten mehr arbeiten. „In Ostwürttemberg trifft dies meines Wissens auf einen Betrieb zu“, so Hamm. Kleinere Betriebe könnten 30 Prozent ihrer Mitarbeiter mit entsprechenden Verträgen ausstatten, falls sie wegen des Fachkräftemangels Schwierigkeiten haben, offene Stellen neu zu besetzen. „Im Gegenzug muss sich das Unternehmen zu Weiter- und Ausbildungsmaßnahmen verpflichten.“

Dr. Michael Fried, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ostwürttemberg: „Die Höhe des Entgeltsabschlusses trifft uns natürlich schon. Die lange Laufzeit wiederum birgt für die Betriebe zwar Kalkulationssicherheit, kann aber natürlich auch zu einer schweren Hypothek werden, wenn die wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr Schritt halten kann. Wie volatil die Lage ist, zeigte zuletzt der Dow-Jones-Einbruch.“

Fried beklagt die „Komplexität des Abschlusses“. Genauer: „Das Ausmaß der Regelungen und der Bürokratie bereitet mir Sorgen. Das trifft die kleineren Firmen in der Region.“ Er verweist darauf, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung nicht bei allen Firmen ankomme. „Laut Umfrage unseres Verbandes erwirtschaftet ein Viertel der Betriebe weniger als ein Prozent Umsatzrendite oder macht gar Verlust. Für diese ist die Schmerzgrenze erreicht.“ Als positiv wertete Fried, dass der Abschluss den Betrieben „bedarfsgerechtes Arbeitszeitvolumen“ ermögliche. Zudem müssten bei Teilzeitansprüchen die betrieblichen Interessen hinreichend berücksichtigt werden.

© Wirtschaft Regional 06.02.2018 18:51
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