Mit Rückenwind ins Jubiläumsjahr

Bilanz der Banken 2017 war trotz Fusion ein Jahr des Wachstums für die größte Genossenschaftsbank der Region: Sowohl das Anlagen- wie auch das Kreditgeschäft legen stark zu.
  • Von links: Die Vorstandsmitglieder Ralf Baumbusch und Kurt Abele, Vorstandschef Hans-Peter Weber, Aufsichtsratschef Claus Albrecht sowie Vorstandsmitglied Olaf Hepfer. Bild: rs

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Es ist eine Premiere - und zugleich ein Abschied: Zum ersten Mal bilanziert die VR-Bank Ostalb nach der Fusion der Aalener und Gmünder Genossenschaftsbanken ein Geschäftsjahr. Für Vorstandschef Hans-Peter Weber ist es wiederum die letzte Bilanzpressekonferenz: Er wird am 13. Dezember seinen letzten Arbeitstag haben und dann in Ruhestand gehen. Zum Abschied hat Weber zusammen mit seinem Vorstandsteam vor allem gute Nachrichten zu verkünden. Denn: Die neue VR-Bank Ostalb hat das Jahr 2017 mit Rekordzahlen abgeschlossen und befindet sich weiter auf Wachstumskurs.

Die Bilanzsumme legt überdurchschnittlich auf 1,745 Milliarden Euro zu, wobei Vorstandsmitglied Kurt Abele, der Webers Nachfolger wird, klar macht: „Die Bilanzsumme ist schon längst nicht mehr die relevante Erfolgszahl.“ Und so verweist er auf das Wachstum des Kreditgeschäfts und der Kundeneinlagen. „Für uns ist das ein wichtiges Signal“, erklärt Abele: „Wir haben trotz des Kraftaktes der Fusion keine Marktpräsenz verloren, sondern – im Gegenteil – ordentlich Rückenwind bekommen.“ Das spiegelt sich auch im Zinsüberschuss, der wichtigsten Einnahmequelle einer Bank, wieder: Dieses wuchs trotz der andauernden Niedrigzinsphase auf mehr als 35 Millionen Euro. Zusammen mit einem Provisionsergebnis von 13,7 Millionen steht die Bank also auf einem stabilen Fundament.

Genossen stärken Kernkapital

„Wir haben das Jahr deutlich über Plan abgeschlossen“, erläuterte Aufsichtsratschef Claus Albrecht. „Das war so nicht abzusehen und freut uns natürlich umso mehr.“ Unterm Strich bleibt ein operativer Gewinn von mehr als 14 Millionen Euro. Ein schönes Plus, das zum Großteil in die Rücklagen wandert. Mit einer Kernkapitalquote von 18,6 Prozent ist die neue VR-Bank sehr gut aufgestellt.

Die Fusion indes ist nun auch organisatorisch abgeschlossen. Man habe großen Wert auf „gemischte Teams“ gelegt, damit sich Gmünder und Aalener Kollegen besser kennenlernen. Der Standort in Gmünd profitiere von der Fusion, unterstrich Vorstandsmitglied Olaf Hepfer. Aktuell sind am einstigen Volksbank-Gmünd-Stammsitz 60 Mitarbeiter tätig, „mehr als vor der Fusion“, so Hepfer. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter ist jedoch im vergangenen Jahr von 395 auf 374 gesunken; Begleitumstände der Fusion, die nicht auf einen aktiven Stellenabbau zurückzuführen sind und sich in gesunkenen Personalkosten niederschlagen.

Mit der aktuellen Mannschaft ist im Kreditgeschäft ein sattes Plus gelungen. Allein 260 Millionen Euro an neuen Krediten hat die Genossenschaftsbank bewilligt, darunter knapp 21 Millionen an Förderkrediten. Auch das Immobiliengeschäft brummt dank niedriger Zinsen. Anzeichen einer Überhitzung des Marktes sieht der Vorstand nicht. „Es gibt keine Immobilienblase“, ist Weber überzeugt.

Die Bank feiert 150. Geburtstag

Das Kundenverhalten ändert sich in zunehmendem Tempo. Immer mehr Menschen griffen auf die Online-Dienste der Bank zurück, erläuterte Vorstandsmitglied Ralf Baumbusch. Filialschließungen planen die Genossen nicht. „Wir wollen weiter präsent in der Fläche sein, müssen uns aber Gedanken machen, wie dies in Zukunft aussehen soll“, so Baumbusch weiter.

Angesichts der Zahlen erklärte Weber: „Das ist ein hervorragender Start ins Jubiläumsjahr.“ Die VR-Bank Ostalb feiert im Jahr Eins nach ihrem Entstehen umgehend das 150-jährige Jubiläum. Denn: Sowohl die Volksbank Schwäbisch Gmünd wie auch die Volksbank Aalen wurden im Jahr 1868 gegründet. Am 9. März gibt es deshalb eine Jubiläumsveranstaltung.

Unterdessen werden die Rahmenbedingungen für die Regionalbanken nicht einfacher. Die Kosten für die regulatorischen Anforderungen steigen weiter. Hinzu kommen Einnahmen, die unter Druck stehen. „Wir gehen von einem weiterhin niedrigen Zinsniveau aus – zumindest so lange Mario Draghi im Amt bleibt“, merkte Weber mit einem säuerlichen Lächeln an. „Es wird Zeit, dass sich das Sparen und die Kapitalbildung wieder lohnen.“ Der scheidende Vorstandschef wünscht sich deshalb, „dass wieder ein Deutscher Präsident der EZB wird.“ Dann würden folgende Zahlen vielleicht noch besser aussehen, als sie es ohnehin schon sind.

Wir haben das Jahr über Plan abgeschlossen.

Claus Albrecht
Aufsichtsratschef der VR-Bank Ostalb

Die VR-Bank Ostalb in Zahlen (in Mio. Euro, in Klammern Veränderung zum Vorjahr)

  • Bilanzsumme 1745,3 (+5,6%)
  • Kreditvolumen
    bilanziell 1166,8 (+3,8%)
    außerbilanziell 175,9 (+2,3%)
  • Kundenanlagen
    bilanziell 1285,4 (+6,7%)
    außerbilanziell 1086,6 (+6,7%)
  • Zinsergebnis 35,2 (+3,8%)
  • Provisionsergebnis 13,7 (-1,4%)
  • Rohertrag 48,9 (+2,3%)
  • Personalaufwand 22,8 (-2,9%)
  • operatives Ergebnis 14,4 (+19%)
  • Mitarbeiter 374 (-21)
© Wirtschaft Regional 02.02.2018 19:39
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