Die SHW AG hat das Ausland im Visier

Autozulieferer Umsatz und Gewinn der SHW AG sind 2017 gesunken – doch die Zukunftsvision des Vorstands nimmt allmählich Formen an. Am Standort Wasseralfingen wird derweil erneut investiert.
  • Der Blick geht nach vorne: SHW-Finanzvorstand Martin Simon (links) und Vorstandschef Dr. Frank Boshoff gehen bereits für 2018 von stark steigenden Umsätzen aus. Foto: rs

Stuttgart/Aalen

Der Autozulieferer SHW hat seine Ziele für das abgelaufene Geschäftsjahr erreicht – und will künftig vor allem in den ausländischen Märkten wachsen. So lautet das Fazit, das Vorstandschef Dr. Frank Boshoff und Finanzvorstand Martin Simon beim Pressegespräch in Stuttgart zogen. Dort ging der Blick vor allem in die Zukunft: Bis ins Jahr 2020 soll der Umsatz von aktuell rund 400 Millionen Euro auf mehr als 600 Millionen Euro wachsen.

In der Gegenwart verzeichnet das Wasseralfinger Unternehmen jedoch für das vergangene Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 1,3 Prozent auf 400,6 Millionen Euro. Der Gewinn vor Abschreibungen und Steuern sank sogar um 5,2 Prozent auf nunmehr 41,3 Millionen Euro. „Durchaus zufriedenstellend“ sei die Marge von 10,2 Prozent gewesen. „Das vergangene Jahr war erneut ein Jahr der Konsolidierung“, bilanziert Finanzchef Simon. Man habe erneut die Produktivität in der Fertigung und der Organisation verbessert und arbeite derzeit intensiv daran, die ausländischen Standorte auf- und auszubauen. Dort wollen die Aalener den Großteil des angepeilten Wachstums generieren. Bereits in diesem Jahr soll der Umsatz auf 450 bis 470 Millionen Euro steigen.

SHW sieht chinesischen Markt als Wachstumstreiber

Bislang erwirtschaftet SHW fast den kompletten Umsatz im Heimatmarkt Deutschland. Das soll sich ändern. Vor allem den chinesischen Markt hat SHW fest im Blick. Auf mehr als 100 Millionen Euro soll der Umsatz dort bis zum Jahr 2020 steigen. China ist deshalb der Schlüssel zu den ehrgeizigen Wachstumszielen. Die will SHW mit einer geänderten Strategie erreichen.

Bislang war der Autozulieferer nur durch ein Joint-Venture mit einem chinesischen Unternehmen dort vertreten. Diese Beteiligung habe man verkauft, um einen eigenen Standort aufzubauen, erläutert Boshoff. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Mitarbeiter im Reich der Mitte auf 100 steigen. Zur Einordnung: So viele Menschen beschäftigt SHW aktuell insgesamt an allen ausländischen Standorten. Vom südamerikanischen Markt erhofft man sich in Wasseralfingen ebenfalls einiges. Nordamerika will man vom neuen Standort in Toronto aus erschließen.

2017 war ein Jahr der Konsolidierung.

Martin Simon
SHW-Finanzchef

Diese internationale Expansion kostet Geld, über das die AG auch dank eines neuen Konsortialkreditvertrags über 80 Millionen Euro verfügt. Dieser ermögliche es, das „erwartete organische Wachstum der kommenden Jahre zu finanzieren und weitere Akquisitionen ins Auge zu fassen“, so der Vorstandschef weiter. Zu den Investitionen gehört auch der Ausbau des Werks in Timisoara, Rumänien, der derzeit auf Hochtouren läuft. Dort will SHW einige Großaufträge für deutsche Autobauer produzieren. „Das bringt uns Kostenvorteile“, so Boshoff.

Bekenntnis zu Stammsitz in Wasseralfingen

Das hat Auswirkungen auf die heimischen Standorte. Am größten Standort in Bad Schussenried, wo SHW 550 Mitarbeiter beschäftigt, werden wie bereits berichtet rund 100 Stellen abgebaut – allerdings nicht per Sozialplan, sondern über einen Ergänzungstarifvertrag, wie Boshoff betont. In Wasseralfingen, dem größten Standort des Bereichs Pulvermetallurgie, hingegen wird investiert. In den vergangenen beiden Jahren sei ein zweistelliger Millionenbetrag in die Fabrik geflossen, erklärt Simon und fügt an: „2018 werden wir wieder rund fünf Millionen Euro investieren.“ Aktuell arbeiten am Gründungsstandort 340 Menschen für die SHW. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 1540 Mitarbeiter.

Den Hype um die Elektromobilität hat die Firma wahrgenommen. Allerdings bremst Boshoff die Euphorie. „Wir sehen die Potenziale und halten die Augen offen, glauben aber, dass der Anteil der reinen Elektroautos im Jahr 2025 bei knapp unter 20 Prozent liegen wird.“ Dennoch rüstet sich der Autozulieferer und hat unter anderem deshalb die thüringische Lust Hybrid-Technik GmbH gekauft. Boshoff: „Das Prozess-Know-how bei elektronischen Leiterplatten wird uns bei der Entwicklung und Produktion von integrierten E-Pumpen erheblich voranbringen.“

Mit dem neuen Mehrheitseigner, der österreichischen Pierer AG steht SHW „in einem engen Informationsaustausch“, wie Boshoff erklärt. Seit Beginn des Jahres sind die Österreicher mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten. Kurz vor der Mehrheitsübernahme hatte es zwischen Vorstand und Investor noch geknirscht. Das ist passé. „Wir prüfen derzeit viele Ansatzpunkte der Kooperation“, sagte Boshoff, ohne dabei konkret zu werden. Man verspreche sich jedoch Synergien von der Zusammenarbeit mit Pierer.

© Wirtschaft Regional 30.01.2018 18:57
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