Das Profil wird weiterentwickelt

Hochschule Aalen Sie besitzt eine extrem hohe Dynamik: An der Hochschule Aalen passieren derzeit viele interessante Entwicklungen. Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider gibt im Interview Einblicke.
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    Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider sieht die Hochschule Aalen bei der Forschung gut aufgestellt. Foto: Thomas Klink

Aalen

Prof. Dr. Gerhard Schneider ist Rektor einer der erfolgreichsten Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Eine Sonderbeilage des Magazins „Bild der Wissenschaft“ mit dem Titel „Aalen im Aufbruch“ hat sich der dynamischen Entwicklung an der Hochschule Aalen angenommen. Im Interview, das dort erschienen ist, skizziert Schneider einige Aspekte. In Auszügen ist dieses Interview hier nun wiedergegeben.

Herr Prof. Schneider, die Hochschule Aalen sieht sich als forschungsstarke Hochschule. Woran machen Sie das fest?

Gerhard Schneider: Der erste Indikator ist das hohe Drittmittelvolumen. Die Forschung an unserer Hochschule wird nicht grundfinanziert. Daher müssen wir sogenannte Drittmittel aus Projektausschreibungen von Bund und Ländern in Konkurrenz zu anderen Forschungseinrichtungen gewinnen. Dazu unterhalten wir ein gutes Netzwerk zu Firmen und öffentlichen Institutionen. Unsere Forschung orientiert sich häufig an Fragen, mit denen diese Partner auf uns zukommen. Daraus resultiert ein Großteil unseres jährlichen Forschungsbudgets von knapp zehn Millionen Euro. Ein zweiter Indikator unserer Forschungsstärke ist die hohe Zahl unserer wissenschaftlichen Publikationen.

Welche Merkmale gibt es noch?

Einmal ist das die exzellente Forschungsinfrastruktur. Neben dem modernen Gerätepark sind das zwei Forschungsgebäude, die wir im Wettbewerb mit anderen deutschen Hochschulen vom Wissenschaftsrat beziehungsweise vom Land Baden-Württemberg eingeworben haben – eine Investition von rund 26 Millionen Euro. Baubeginn war im Sommer 2017. Ein weiterer Indikator ist die Förderung unseres Konzepts „SmartPro“ durch das Bundesforschungsministerium. Nur 10 von 81 Fachhochschulen wurden ausgewählt und werden nun mindestens vier Jahre lang mit je rund fünf Millionen Euro bezuschusst.

Was unterscheidet die Forscher der Hochschule Aalen von Wissenschaftlern an Universitäten?

Unsere Forscher gehen häufig aktuelle technologische Herausforderungen mit eigenen Ideen an. In dieser Motivation unterscheiden sie sich kaum von Universitätsforschern. Da wir keine Grundfinanzierung der Forschung haben, können unsere Wissenschaftler aber nur forschen, wenn sie Gutachter und Partner aus Firmen von ihrer Arbeit überzeugen. Deshalb ist der Kontakt zu Unternehmen – insbesondere aus der Region – fundamental wichtig.

Wie reagieren Ihre Kolleginnen und Kollegen auf zusätzliche Forschungsaufgaben?

Unsere Professorinnen und Professoren machen einen super Job in der Lehre. Das wertschätze ich sehr. Wir wollen nicht jeden dieser guten Lehrenden mit ihrer extrem hohen Lehrbelastung dazu überreden, ab sofort auch noch viel Zeit in die Forschung zu investieren. Doch jene, die Forschertalent verspüren, möchten wir unterstützen.

Klassendenken unterdrückt Innovations- potenziale.

Prof. Dr. Gerhard Schneider
Hochschulrektor

In Aalen gibt es rund 30 Bachelor- und ebenso viele Masterstudienangebote. Nach welchen Kriterien definieren Sie die Studiengänge?

Wenn sich die Wirtschaft rasant entwickelt, müssen wir mit unseren Studiengängen auch das erforderliche aktuelle Wissen anbieten können. In den letzten Jahren haben wir viele neue Bachelorstudiengänge eingerichtet.

Wie läuft der Transfer von Forschungsleistungen in die Wirtschaft?

Seit 2015 haben wir das Innovationszentrum INNO-Z, das wir schon vor etwa zehn Jahren geplant hatten. Die Idee ist, die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Hochschule zu professionalisieren und einen Transfermanager zu etablieren. Er bringt dann die richtigen Leute aus Wirtschaft und Hochschule zusammen.

Die Öffentlichkeit nimmt Unis anders wahr als Hochschulen der angewandten Wissenschaften. Manche sprechen sogar von einer Zweiklassengesellschaft …

… was mich ärgert. Natürlich haben wir unterschiedliche Profile. Doch wir plädieren für eine leistungsorientierte Förderung beider Hochschultypen. Wenn jemand bei uns eine hervorstechende Forschungsidee hat, sollte er/sie gefördert und nicht aus Statusgründen behindert werden. Das Klassendenken unterdrückt Innovationspotenziale.

Warum sollen Studierwillige gerade an die Hochschule Aalen kommen?

Aalen liegt im Zentrum des prosperierenden Süddeutschlands – zwischen München und Stuttgart. Unsere Region gehört zu den innovativsten in ganz Deutschland – mit Weltunternehmen wie Zeiss, Bosch oder Voith. Ein Aspekt ist, dass wir auf den Fokusthemen Technik und Wirtschaft in Lehre und Forschung auf anspruchsvollstem Niveau arbeiten.

Wie steht es bei KMUs um die Kooperation mit Hochschulen?

Wenn es um strategisch wichtige Fragen geht, lohnt es sich, daraus Forschungsprojekte zu definieren. Das kann ein, zwei Jahre dauern. KMUs ist das oft zu zeitaufwendig. Sie verlieren dann das Interesse. Deshalb wollen wir den Transfermanager etablieren, der den Brückenschlag zwischen einem rasch agierenden KMU und unseren akademischen Strukturen leistet. Eine wichtige Rolle im Kontakt mit Unternehmen spielt unser „SmartPro“-Projekt.

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© Wirtschaft Regional 12.01.2018 20:26
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