Neue Gesetze fordern die Personaler

Jahreswechselseminare Bei insgesamt zwölf Veranstaltungen informieren AOK Ostwürttemberg und DRV mehr als 800 Firmenvertreter über Neuerungen bei Betriebsrenten und beim Flexi-Renten-Gesetz.
  • Josef Bühler Foto: AOK

Schwäbisch Gmünd

Die AOK Ostwürttemberg lud Unternehmen aus der Region zu zwölf Jahreswechsel-Seminaren an acht Standorten ein, um über die gesetzlichen Neuerungen zu informieren, die 2018 in Kraft treten. Mehr als 800 Firmenvertreter – vornehmlich aus Personalabteilungen oder Buchhaltung – sind der Einladung nach Aalen, Heubach, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim, Giengen, Bopfingen, Ellwangen und Neresheim gefolgt.

Josef Bühler, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, stellte bei einigen der Seminare die Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) generell sowie der AOK Baden-Württem-berg vor. Die Zahl der krankenversicherten Menschen sei 2017 mit mehr als 73 Millionen auf einen historischen Höchststand in Deutschland gestiegen. Die hohen Versichertenzahlen und die gute konjunkturelle Entwicklung führten bis zum Ende des dritten Quartals 2017 zu einem Plus von rund 2,5 Milliarden Euro in den Kassen. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz 2018 sank deshalb um 0,1 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. „Jede Kasse legt diesen Beitragssatz individuell fest“, sagt Bühler. Für die AOK im Land zeichnet er ein positives Bild: „Wir wachsen schneller als der Markt und sind mit mehr als 4,3 Millionen Versicherten unangefochten die größte Krankenversicherung im Land.“ Die AOK verzeichnet in der Region 166.000 Versicherte. „Wir bleiben 2018 bei einem Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent“, sagt Josef Bühler.

Wichtige Änderungen gebe es ab Januar 2018 bei der Reduzierung des Arbeitsentgelts, betont Karl-Heinz Rimpf, Leiter des Competence-Centers Firmenkunden bei der AOK und Hauptreferent der Veranstaltungen. Wird bei einem privat krankenversicherten Arbeitnehmer beispielsweise die Arbeitszeit nur für einen Monat reduziert und er fällt dadurch unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze, tritt automatisch die Versicherungspflicht in der GKV ein, selbst wenn er im Folgemonat wieder zur alten Arbeitszeit zurückkehrt. Die begonnene gesetzliche Krankenversicherung könne dann weitergeführt werden, betont Rimpf.

Betriebsrenten im Fokus

Der Gesetzgeber wolle Betriebsrenten stärker etablieren. Besonders in kleinen Unternehmen und bei Beschäftigten mit niedrigem Einkommen bestünden Lücken. Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die betriebliche Altersversorgung vermehrt angeboten werden, ein Förderbetrag für Geringverdiener wurde eingeführt. „Der Förderbetrag ist ein staatlicher Zuschuss zu einem vom Arbeitgeber zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleisteten Beitrag zu betrieblichen Altersversorgung“, sagt Rimpf.

Wir wachsen schneller als der Markt.

Josef Bühler
Chef der AOK Ostwürttemberg

Und er rechnet ein Beispiel vor: Ein Arbeitgeber leistet für einen Geringverdiener im März 2018 einen zusätzlichen Arbeitgeberbeitrag an eine Pensionskasse über 300 Euro. Über die Lohnsteueranmeldung erhält der Arbeitgeber im April 2018 vom Finanzamt einen Förderbetrag von 90 Euro – das entspricht 30 Prozent des Betrags. Dieser Förderbetrag mindert den Gesamtbetrag der vom Arbeitgeber abzuführenden Lohnsteuer. Geringverdiener seien Arbeitnehmer mit Steuerklasse I bis V, wenn der laufende Arbeitslohn monatlich nicht mehr als 2200 Euro betrage, sagt Rimpf.

Veränderungen gebe es auch bei der Riester-geförderten Altersversorgung. Für solche Verträge seien in der Auszahlungsphase für pflichtversicherte Rentner keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen.

Die Deutsche Rentenversicherung griff bei den Seminaren als Co-Referent Themen aus dem Flexi-Renten-Gesetz auf und beantwortete Fragen. Die Flexi-Rente werde häufig als neue Rentenart missverstanden. Das sei so nicht richtig, sagen die DRV-Referenten. Vielmehr handele es sich um eine flexiblere Art der Berücksichtigung des Hinzuverdienens neben einem Rentenbezug vor dem Erreichen der Altersrente. Durch die Komplexität der Regelungen sei eine individuelle Beratung sinnvoll, um überraschende Rentenkürzungen zu vermeiden.

Mit zwei weiteren wichtigen Informationen verließen die Seminar-Gäste die insgesamt zwölf Seminare. Die Einkommensgrenze für die beitragsfreie Familienversicherung steigt 2018 von 425 Euro auf monatlich 435 Euro. Und: Der Mindestlohn beträgt weiterhin 8,84 Euro pro Stunde. Eine Anpassung werdezum 1. Januar 2019 geprüft.

Die AOK-Bezirksdirektion Ostwürttemberg ist mit rund 166.000 Versicherten, neun Kundencentern und rund 440 Mitarbeitern der größte Krankenversicherer in der Region.

© Wirtschaft Regional 04.01.2018 16:02
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