Mobilität und Innovation Guss

Barbara-Kolloquium 230 Experten aus dem In- und Ausland vom hohen Niveau der Gießerei-Fachtagung an der Hochschule beeindruckt. Die Branche hat gute Perspektiven.
  • Prof. Kallein (links) mit Referenten des „Barbara-Kolloquiums“ und Studenten. Foto: privat

Aalen

Das traditionelle „Barbara-Kolloquium“ Anfang Dezember an der Hochschule Aalen ist für die Vertreter der internationalen Gießereibranche eine Pflichtveranstaltung zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung. Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider konnte in diesem Jahr wieder rund 230 Führungskräfte und Spezialisten aus der Gießereibranche in Aalen begrüßen.

Der „Spiritus Rector“ des Kolloquiums, Prof. Lothar Kallien, ging direkt „in medias res“ und beschrieb neue Leichtbau-Konstruktionsmöglichkeiten unter Nutzung der Topologieoptimierung und zeigte deren Bedeutung für die Gießereitechnologie auf. Im Vergleich zu Umformtechniken hätten diese eine wesentlich höhere geometrische Flexibilität und damit auch größere Möglichkeiten, bionisches Design kostengünstig umzusetzen. Kallien verwies besonderes auf eine kürzlich im Fachmagazin „Gießerei Spezial Perspektiven“ erschienene Veröffentlichung zur Gasinjektionstechnologie im Druckguss, die an der Hochschule Aalen seit vielen Jahren entwickelt wird und nun zur Serienreife gebracht wird. Damit könnten, so Kallien, in Zukunft thermisch konditionierte Gehäuse für die Elektromobilität dargestellt werden.

Die Qualitätsverbesserung eines Getriebegehäuses aus Aluminiumdruckguss durch statistische Versuchsplanung stellte Dipl.-Ing. Stefan Frauenkron von der MAGNA Powertrain GmbH vor. In den Fokus stellte er die Optimierung der Prozessparameter; zur Vermeidung von Porositäten, die bei der mechanischen Bearbeitung auftreten, analysierte er anschaulich die Haupteinflussgrößen.

Topologieoptimierung reduziert Gusskosten.

Lothar Kallien
Hochschule Aalen

Mit „Leichtbau durch Topologieoptimierung von Sand- und Druckgussbauteilen“ beschäftigte sich Dipl.-Ing. Felix Radisch (Altair Engineering GmbH). Er zeigte beeindruckende Beispiele von erfolgreichen Topologieoptimierungen aus dem Automobil- und Luftfahrtbereich wie ein druckgegossener Motorträger, dessen Gewicht von 2000 auf 1550 Gramm gesenkt wurde.

Volkan Görgün vom Automobilentwickler AVL GmbH in Stuttgart, der kürzlich seinen Master mit der von Prof. Kallien initiierte Arbeit „Einfluss der Elektromobilität auf die Gussproduktion in der deutschen Gießereiindustrie“ an der Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen erwarb, untersuchte die Veränderungen der Fahrzeugkonzepte und welche Gussprodukte in den jeweiligen Antriebssträngen verbaut werden. Bei vollelektrischen Fahrzeugen sinkt im Antriebsstrang die Anzahl der Gussteile und damit deren Gewicht um durchschnittlich 44 Prozent, stellte Görgün fest. Der Bedarf an Gussprodukten steige aber bis 2025 durch die vielen verschiedenen Fahrzeugkonzepte wie Plug-in-Hybrid oder Voll-Hybrid trotzdem an. Görgün sieht in der Herstellung neuer dünnwandiger Strukturbauteile wie Batteriegehäusen Chancen für die Gießereien.

Nachdem die Studierenden über ihre laufenden Abschlussarbeiten informiert hatten, standen beim abschließenden „Gießerabend“ der Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Kennenlernen im Fokus. Für die Studierenden war es wertvoll zu erfahren, welche beruflichen Chancen ihnen in der Gießereibranche offen stehen. -wh-

© Wirtschaft Regional 28.12.2017 18:45
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