Frauen fit machen für Männer-Berufe

Berufsorientierung Die Girlsday-Akademie an der „Gmünder Wissenswerkstatt Eule“ begeistert Schülerinnen für technische Berufe. Erstmals auch Schülerinnen vom Parler-Gymnasium dabei.
  • Nicht so einfach: Das Bemalen von Schleich-Spielfiguren.
  • Eine Erfolgsgeschichte: Die Girlsday-Akademie der Gmünder Wissenswerkstatt Eule. Begeistert waren kürzlich Schülerinnen des Parler-Gymnasiums vom abwechslungsreichen Kursangebot. Fotos: eule

Schwäbisch Gmünd

Der Fachkräftemangel bei technischen Berufen wird in der Region Ostwürttemberg immer mehr zum großen Problem. Um so wichtiger sind deshalb gezielte Maßnahmen der Berufsorientierung für Schüler und speziell auch für Schülerinnen an Gymnasien. Exemplarisch steht dafür die „Girlsday-Akademie“ an der „Gmünder Wissenswerkstatt Eule“, die seit einem Jahr erfolgreich arbeitet.

Den ersten Akademiekurs mit Gymnasiastinnen führte das Parler-Gymnasium Schwäbisch Gmünd mit Schulleiter Thomas Eich durch. 13 Mädchen aus der 9. Klasse ließen sich auf das Abenteuer unter dem Motto „Technische Berufe erkunden und Betriebe kennenlernen“, nicht nur ein, sondern waren auch nach dem zehnten Akademie-Nachmittag noch mit großer Begeisterung dabei.

Die „Girlsday-Akademie“ in den Eule-Werkstätten bietet neben einer vielseitigen Grundausbildung mit handwerklichen Kursen zur Holz-, Metall- und Kunststoffbearbeitung verschiedene Workshops zu Elektrotechnik, zu Robotik oder zu Fertigungstechniken wie CAD-Zeichnen und additiven Verfahren an, aber auch klassische Kurse zum Zerspanen und Umformen.

Kürzlich waren drei Werkzeugmechanikerinnen in der Ausbildung mit Ausbildungsleiter Uwe Fink vom Gmünder Spielfigurenhersteller Schleich zu Gast in der Eule und stellten die Akademie-Teilnehmerinnen lebendig ihre Berufe und ihre Firma vor. Uwe Finck brach eine Lanze für Mädchen, die sich in männerdominierte Arbeitsfelder wagen, ließ allerdings auch durchblicken, dass dafür immer noch ein „besonders dickes Fell“ und „viel Durchhaltevermögen“ nötig seien, da viele Männer immer noch nicht damit klarkämen, dass Frauen in diesen Berufen gut und erfolgreich sein können.

Der Ingenieur braucht auch praktische Erfahrung.

Kurt Schaal, Eule-Projektleiter

Eindrucksvoll schilderten die Schleich-Azubis den langen Weg bis zur verkaufsfertigen Tierfigur – von der Entwurfsskizze mit Bleistift, Modelle aus Plastilin und Wachs über die aufwendige Herstellung der Gussformen bis zur naturgetreuen Bemalung. Viele Berufsfelder und die unterschiedlichsten Fähigkeiten kommen entlang dieses Produktionsprozesses zum Einsatz; zahlreiche Spezialisten vom Zoologen bis zum Landwirt, vom Archäologen bis zum Mediziner sind als beratende Experten einbezogen.

Zum Abschluss wurde in einem Workshop unter fachkundiger Anleitung ein Panda-Rohling von Hand bemalt – auf den ersten Blick eine einfache Aufgabe, die aber nicht ohne Tücken ist, wie die Praxis schnell zeigte: Eine Stunde war schnell vorbei, aber die Bemalung nicht fertig. Auf den Hinweis der Schleich-Azubis, dass Profis dazu nur zwei bis drei Minuten bräuchten, gab es erstaunte Gesichter bei den Schülerinnen über die Erkenntnis, dass im Arbeitsleben auch Routine, Erfahrung, Arbeitsteilung und Organisation eine wichtige Rolle spielen. Dieser Workshop voraus gingen ein Betriebsbesuch der Mädchen bei Schleich sowie Kurse zur Formenherstellung, Tiefziehen und verschiedener Gießverfahren.

Im Jahresprogramm der „Girlsday-Akademie“ sind weitere Kooperationen mit Eule-Sponsoren wie Bosch AS, Stadtwerke Schwäbisch Gmünd oder ZF TRW Alfdorf fest eingeplant. Dabei werden immer Frauen aus männerdominierten Berufen Frauen Einblicke in ihre Tätigkeiten und ihre Unternehmen geben. Die Girlsday-Mädchen haben somit die einmalige Chance, ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten kennenzulernen und praktisch zu erfahren. Und sie erwerben in der Eule-Praxis handwerklich-technische Fertigkeiten, die die Schule nicht vermitteln kann – Eule-Projektleiter Kurt Schaal bringt dies so auf den Punkt: „Ein Ingenieur nur mit dem Bachelor- oder Master-Diplom in der Tasche und ohne praktisches Know-how kommt im Berufsleben bestimmt nicht weit…“

© Wirtschaft Regional 21.12.2017 18:23
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