Licht und Schatten beim Patent

Patentbarometer Patentintensität bleibt weit über Landes- und Bundesdurchschnitt, doch Schere zwischen großen und kleineren Unternehmen geht weiter auf.
  • Peter Schmidt, Helmut Jahnke, Michaela Eberle und Dominic Lutz (v.li.) präsentierten das Patentbarometer. Foto: Christian Thumm

Heidenheim

IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle nennt Ostwürttemberg „eine patente Region“ und beruft sich auf das jüngste IHK-Patent-Barometer. Aus diesem geht nämlich hervor, dass die Region bei der sogenannten Patentintensität nach wie vor über dem Landes- und Bundesdurchschnitt liegt. Dennoch geht die „Patentschere“ zwischen kleinen und mittleren Betrieben und Großunternehmen mehr und mehr auseinander.

Als Vergleichsgröße dient die Patentintensität, nämlich Patentanmeldungen in Relation zu Erwerbstätigen. Ostwürttemberg ist darin seit Jahren spitze. Mit einer Patentintensität von 3,54 Patentanmeldungen je 1000 Erwerbstätigen lag Ostwürttemberg im Jahr 2015 gut über dem Landesdurchschnitt von 2,34 und sehr weit über dem Bundesdurchschnitt von 1,10.

Neue Erkenntnisse brachte der Blick auf das Anmeldeverhalten der Unternehmen. Demnach stammen im Betrachtungszeitraum etwa 85 Prozent der eingereichten Anmeldungen aus Ostwürttemberg von großen Unternehmen und durchschnittlich 15 Prozent von kleinen und mittleren Unternehmen. Peter Schmidt, Technologie- und Innovationsberater der IHK, erläutert: „In Ostwürttemberg sind zwischen 2008 und 2015 die Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) um 54 Prozent zurückgegangen.“

Nachdem die Investitionen der Wirtschaft in Forschung und Entwicklung deutlich zugelegt haben, sagte Eberle, dürfe man hoffen, dass sich dies auch mit auf die Zahl der Patentanmeldungen niederschlage. Zwischen 2013 und 2015 seien die FuE-Investitionen von 440 auf 602 Mio. Euro gestiegen. Innerhalb von zehn Jahren hätten sie sich sogar verdoppelt. Wurden i 2013 noch 3074 Fachkräfte für FuE in der Region beschäftigt, waren es 2015 bereits 4998 Beschäftigte (+63%). Im Zehnjahreszeitraum 2005 bis 2015 hat sich die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten in Forschung und Entwicklung sogar mehr als verdoppelt.

Allerdings gingen mit einer Patentanmeldung nicht unerhebliche Kosten einher. Diese könnten insbesondere KMUs abschrecken, eigene Schutzrechte anzumelden, sagte der Leiter des Informationszentrums Patente in Stuttgart, Helmut Jahnke. „Auch der Mittelstand müsse sich um das Thema kümmern, wenn er die Früchte seiner Arbeit ernten wolle.“ Das Patent sei eine Versicherung für den Erfolgsfall, aber ein Patent garantiere nicht automatisch den wirtschaftlichen Erfolg.

200 Betriebe haben 2016 die Beratung in Anspruch genommen.

Michaela Eberle
IHK-Hauptgeschäftsführerin

Von einer positiven Auseinandersetzung mit dem Thema Schutzrechte berichtete Dominic Lutz, Mitglied der Geschäftsleitung der Gaugler & Lutz oHG in Aalen-Ebnat und Vorsitzender des IHK-Forschungs- und Innovationsausschusses. Immer wieder werde versucht, Ideen zu kopieren. Außerdem gehe es hier auch um den Übergang zur nächsten Generation. Sein Vater und Unternehmensgründer habe die Ideen im Kopf. Diese müssten in Patenten festgehalten und festgeschrieben werden, mit denen man sie wiederum nach außen sichtbar machen könne.

Die Politik ist gefordert

Generell wünscht sich Michaela Eberle mehr politische Unterstützung: Hier seien Landes- und Bundespolitik gleichermaßen gefordert. Es gebe zwar Fördermittel in Form von Innovationsgutscheinen vom Land für Patentrecherchen und ein Bundesprogramm für die Patentanmeldung. Diese Förderung könne man aber nur alle fünf Jahre bekommen. Das sei zu wenig. Vorstellen könne man sich auch die steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben in Innovationsprozesse und mehr. Um die Unternehmen zu unterstützen, bietet die IHK gemeinsam mit dem Informationszentrum Patente Seminare an. Michaela Eberle: „Unsere kostenlose Beratung und Unterstützung wurde allein 2016 von 200 Betrieben in Anspruch genommen.“

Das Patent-Barometer steht auf www.ostwuerttemberg.ihk.de bereit. Info und Beratung: Tel. (07321) 324-126
schmidt@ostwuerttemberg.ihk.de

© Wirtschaft Regional 19.12.2017 17:39
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